Ron Libertad Dorado & Amor a la Libertad

In den Anfangstagen dieses Blogs habe ich einmal einen Artikel über einen mexikanischen Rum veröffentlicht, den ich heute ganz gewiss so nicht mehr veröffentlichen würde. Das hat gleich mehrere Gründe: meine eigene Rumexpertise hat sich seitdem grundlegend verändert, der Rum schmeckt mir heute tatsächlich nicht mehr besonders und ich habe die Flasche damals auch aus optischen Gründen erworben, was ich ebenfalls nicht mehr tun würde. Nichtsdestotrotz hat es hier eben schon einmal einen Auftritt eines mexikanischen Rums gegeben, auch wenn dieser kaum mit der heutigen Flasche vergleichbar ist. (zugesandtes Testprodukt)*

Denn heute habe ich einen mexikanischen Rum vor mir stehen, der auf dem Papier sehr vieles von dem, was ich mir für einen Rum wünschen würde. Aus meiner Liebe für Rhums aus Zuckerrohrsaft habe ich hier niemals einen Hehl gemacht – und so punktet der Ron Libertad Dorado, so sein Name, gleich von Beginn an. Denn er wurde aus 100% Zuckerrohrsaft gebrannt, welches von den drei Zuckerrohrsorten Criolla, Vetada und Violeta aus dem Hochland von Chiapas stammt. Anschließend erfolgt eine einjährige Reifung im mexikanischen Klima, was dem Ron Libertad die goldene Farbe (Dorado) verleiht. Mit 44% vol. weist er zudem eine erfreulicherweise über dem 40%-Standard liegende Trinkstärke auf, was meistens ein gutes Zeichen ist. Zudem bewirbt man den Herstellungsprozess bzw. den Zuckerrohranbau als biologisch-nachhaltigen (organic) und wartet – meinen kritischen Eingangsbemerkungen zu auffälligen Flaschendesigns zum Trotz – mit einer wirklich schönen Flasche auf.

Einziges Manko: die oben als einjährige Reifung beschriebene Lagerung ist letztlich eine Solera-Reifung. Über Solerareifungen habe ich schon des Öfteren eher skeptische Worte hier verloren – und bleibe auch dabei: Wie alt ist ein Solerarum wirklich? Diese Frage lässt sich kaum beantworten und entsprechend ist die Altersangabe mit Vorsicht zu genießen. Zusatzstoffe sollen aber nicht im Rum enthalten sein, was auf jeden Fall der deutlich wichtigere Umstand für mich ist.

Tasting Notes:

Aroma: Hatte ich angesichts der Rahmendaten des Rums mit einem intensiven, Rhum Agricole-ähnlichen Aroma gerechnet, so ist der erste Eindruck doch eine kleine Enttäuschung. Das allerdings nur deshalb, weil er tatsächlich in der Nase zunächst ein wenig schüchtern daherkommt. Mir gefällt durchaus das, was ich im Glas vor mir habe, aber es ist eben nicht ganz das, was ich initial erwartet habe. Man findet zwar grünlich-holzige Noten vom Zuckerrohrsaftrum, diese sind aber viel subtiler, weniger ungestüm und feiner in die Vanille- und Karamellnoten eingebunden, die offensichtlich der Fassreifung entstammen, als ich das von zahlreichen Agricoles z.B. aus Martinique gewohnt bin. Ein wenig Zimt ist da, Pfirsiche und vielleicht auch etwas Ananas, vor allem aber Vanille, grasige Töne und Kamille. Der Ron Libertad Dorado ist sanfter als man vielleicht von ihm denkt, das macht er aber solide.

Geschmack: Am Gaumen punktet der Ron Libertad bei mir dann schon noch klarer! Hier offenbart er eine sehr spannende Charakteristik irgendwo zwischen Rum, Rhum Agricole und Żubrówka. Das mag komisch klingen, aber genau das ist meine anhaltende Assoziation. Grasig-holzige Töne, Vanille, ein Hauch Kokosblütenzucker, wieder Zimt und Karamell und feine Fruchtnoten.

Abgang: leicht angegorener Pfirsich, etwas Tabak und wieder gürnliches Zuckerrohr, mittellang

Beim Cocktail hatte ich von Anfang an die Idee, den Ron Libertad mit einem Mezcal zu verbinden, um quasi eine mexikanische Liaison zu schaffen. Ausgangspunkt meiner Überlegungen war dabei einmal mehr mein heißgeliebter Negroni. Also habe ich den Ron Libertad mit einem rauchigen Oaxaca Mezcal kombiniert, ein wenig roten Wermut hinzugeben, etwas Chinato und Campari sowie zwei Dashes der Dr. Sours Papá Moi #16 Bitters ergänzt. Ein Drink, wie ich ihn liebe: Amor a la Libertad.

Rezept „Amor a la Libertad“:

3 cl Ron Libertad Dorado
2 cl Mezcal Local
2,5 cl Carpano Antica Formula
0,5 cl Mancino Chinato
3 cl Campari
2 Dashes Dr. Sours #16 Papá Moi Bitters

Zubereitung: Alle Zutaten in einem Rührglas auf Eis kalt rühren und über massives Eis ins vorgekühlte Glas geben.

Glas: Tumbler

Garnitur: Orangenzeste

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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