Herencia de Plata Licor de Café & Aztec Code

Vor einigen Monaten habe ich mit wirklich sehr regem Interesse eine breit angelegte Blindverkostung verschiedener Kaffeeliköre in einer Onlinecommunity (cocktailnerds.de) verfolgt, bei dem mehrere Tester (darunter auch einige Bloggerkollegen) diverse Kaffeeliköre ohne irgendein Wissen über das, was sie da im Glas hatten, durchgeführt haben. Ihre Ergebnisse wurden letztlich in einem Punktesystem festgehalten und das Ergebnis schließlich veröffentlicht. Auf dem dritten Platz und somit ganz weit vorne: der Herencia de Plata Licor de Café. Und ein Besprechungsexemplar genau eben jenes Likörs landete schließlich einige Wochen später in meinem Briefkasten und steht nun – bereit für die Rezension – vor mir auf dem Tisch. (zugesandtes Testprodukt)*

In diesem Zusammenhang sei übrigens auf einen wirklich schönen Artikel meines Kollegen Helmut Barro verwiesen, der selbst Teil der Blindverkostenden war und in seinem Artikel auch den sehr interessanten Aspekt subjektiver Wahrnehmungsschwankungen beim Verkosten von Spirituosen in gewohnt differenzierter Weise reflektiert. Achja, bei Interesse findet man die Ergebnisse des oben angesprochenen Blind Tastings hier.

Was aber ist nun der Herencia de Plata Licor de Café? Der Name Herencia de Plata dürfte dem geneigen Spirituosenfreund als Hersteller von Tequila ein Begriff sein. Und tatsächlich liegt man damit auch im Falle des Kaffeelikörs, um den es hier heute geht, nicht ganz falsch. Herencia de Plata ist eine Premium-Tequila-Range des Herstellers „Tequilas del Señor“, welcher im Jahr 1943 von Don Cesar García in Guadalajara gegründet wurde und bis heute im Familienbesitz unter der Leitung von Don Manuel García Villegas betrieben wird. Für den Herencia de Plata Licor de Café wurde nun der Herencia de Plata 100% Agave Blanco Tequila mit „einer edlen Röstung feinster, mexikanischer Arabica-Kaffeebohnen“ vermählt. Der Zusatz „Likör“ im Namen des Produkts verrät uns aber natürlich auch, dass hier mindestens 100g süßende Erzeugnisse pro Liter enthalten sein müssen. Man verzichtet ferner auf Aromen, Farbstoffe, Konservierungsstoffe oder gentechnisch veränderte Zutaten. 30% vol. kommen hier in die Flasche. So weit, so gut.

Tasting Notes:

Aroma: Die Nase fällt sehr spannend aus. Der Herencia de Plata Licor de Café wirkt überraschend süß. Das mag komisch klingen für einen Likör, aber da ich in letzter Zeit immer eher bewusst weniger süße Kaffeeliköre verkostet habe, fällt nun doch der Kontrast auf. Dennoch zeigt sich das Aroma ansprechend mit Noten von Milchschokolade und einer feinen Vanille, Assoziationen von Zimt, einer feinen, mineralischen Note, die ich dem Tequila zuschreibe, und sogar etwas Salz.

Geschmack: Auch am Gaumen zeigt sich eine durchaus selbstbewusste Süße, vor allem gilt das erste Erstaunen aber doch der klaren Tequilacharakteristik dieses Likörs, die ich noch in der Nase und auch im Kontrast mit vielen anderen Kaffeelikören in meiner Erinnerung so nicht erwartet hätte. Agaventöne, weißer Pfeffer, Schokolade, wieder eine Nuance Zimt und aromatischer Röstkaffee verbinden sich zu einem wirklich schönen und in dieser Kategorie mir wirklich völlig neuem Geschmacksbild. Ich kann verstehen, warum dieser Likör beim Blindtest so viel Zuspruch erfahren hat.

Abgang: mittellang, wieder etwas weißer Pfeffer, mineralische Agavennoten

Ja, das gefällt mir schon sehr gut.

Es gibt einen Drink mit dem an das berühmte Buch angelehnten Titel DaVinci Code von Matyas Busek, in welchem Cognac, Portwein, Kaffeelikör und ein gesalzener Karamellsirup miteinander kombiniert werden. Dieser Drink ist für sich genommen bereits ein sehr schöner und gelungener Digestif, war aber in dieser Form nicht ganz das, was ich mit dem Herencia de Plata Licor de Café machen wollte. Wohl aber war er – erkennbar – die geistige Inspiration für das, was ich stattdessen ins Rührglas gegossen habe.
Anstelle von Cognac habe ich mich für einen gereiften Rhum Agricole entschieden, einfach, weil ich das besondere Aroma so mag. Hier fiel meine Wahl auf den Clement VSOP, welcher ein wirklich wunderbarer Agricole ist. Portwein sollte bzw. durfte in meiner Variation aber auch an den Start gehen. Da ich den Herencia de Plata Licor de Café allerdings bereits in sich ausreichend süß finde, musste kein zusätzlicher Sirup herhalten. Stattdessen wollte ich die Schokoladentöne des Herencia de Plata Licor de Café noch etwas unterstreichen und habe – neben einer feinen Prise Salz – noch ein klein wenig Mozart Dark Chocolate hinzugeben. Kaffee, Schokolade, fein-würzige Agavennoten, gereifter Zuckerrohrbrand und eine Nuance Salz, das ist der Aztec Code (der Aztec-Code ist eigentlich ein 2D-Code, ähnlich dem QR-Code – der Name passt natürlich insofern, da er die mexikanische Heimat des Herencia mit der Inspiration durch den DaVince Code verbindet).

ein Aztec Code

Rezept „Aztec Code“:

6 cl Clément VSOP Rhum Agricole
1,5 cl Herencia de Plata Licor de Café
1,5 cl Tawny Port
0,25 cl Mozart Dark Chocolate
8 Tropfen Salzlösung (s.u.)

Salzlösung: 20g Salz mit 80ml Wasser in einem Behälter schütteln, bis die Flüssigkeit klar geworden ist und das Salz sich aufgelöst hat.

Zubereitung: Alle Zutaten in einem Rührglas auf Eis kalt rühren und ins vorgekühlte Glas abseihen.

Glas: Goblet, Nick & Nora oder ähnliches

Garnitur: ein Stück dunkle Schokolade

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

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