Sweyn Gabelbart Passion Gin & The Passion of Heyerdahl

Was haben Wikinger, Gin und Passionsfrüchte gemeinsam? Nichts? Nunja, zumindest haben Sie es geschafft, in einer sehr gewagten Marketinggeschichte zusammenzufinden, die sich um einen Gin dreht, den ich heute hier rezensieren möchte. Tatsächlich habe ich beim Lesen der Hintergrundgeschichte das ein oder andere Mal unfreiwillig die Stirn gerunzelt, denn ich empfinde das Narrativ rund um diese Flasche wirklich als merkwürdig – und ich habe schon einige Marketingstorys über Spirituosen gelesen und hier auch kurz wiedergegeben. Aber gut, sei es drum. Letztlich zählt für mich ohnehin das, was in der Spirituose enthalten ist und wie sie in der Verkostung abschneidet. Aber der Reihe nach. (zugesandtes Testprodukt)*

Der Sweyn Gabelbart Passion Gin (oder meist nur Gabelbart Gin oder auch Gabelbart Passion Gin) kommt in einer formschönen, dunkelgrünlichen 0,5l-Glasflasche daher. Das Design ist dabei einerseits schlicht, andererseits schrill. Zwar ist die Flasche nicht über und über bedruckt, aber als ich den weißen Wikingerhelm über grünem Schnauzbart mit dem Namen Gabelbart dazwischen zum ersten Mal sah und darunter dann einen grünen Schriftzug Passion Gin mit einer stilisierten, aufgeschnittenen Passionsfrucht als Buchstaben O las, da hatte ich doch mehrere Fragezeichen im Kopf? War das ernsthaft ein Wikinger-Theme, das man sich für diesen Gin ausgedacht hatte? Eindeutig, denn über dem Wikingerhelm sind sogar Runen zu sehen! Aber warum in aller Welt will dieser Wikinger-Gin, der mich gerade erst gedanklich ins Nordische hat schweifen lassen, nun ein Passion Gin mit Passionsfrucht sein? Kurzum: Ich weiß es immer noch nicht so recht. Jedenfalls erfahre ich auf dem Etikett, dass Sweyn Gabelbart ein dänischer Wikingerkönig war, der zwischen 965 und 1014 lebte und für 40 Tage (bis zu seinem Tod) auch parallel König von England gewesen ist. Kurz war ich auch beim Studium dieses biographischen Abrisses noch auf der Suche nach einer Parallele zur Passionsfrucht, aber da ist nichts. Also gut, ich schlucke die Pille: Ein Wikingergin mit Passionsfrucht, der mit 41% vol. in die Flasche kommt. Ich hätte das definitiv anders aufgezogen, aber vielleicht übersehe ich auch etwas Entscheidendes.

Damit ich aber das eigentlich Entscheidende auf keinen Fall übersehe oder anderweitig versäume, soll nun auf den Inhalt näher eingegangen werden. Der Gin basiert auf reinem Getreidealkohol und es handelt sich laut Webseite der herstellenden Oldman Spirits GmbH um einen London Dry Gin, obwohl man diese Information auf der Flasche vergeblich sucht! Auch das verstehe ich absolut nicht: es ist doch ein ganz klares Qualitätszeichen, dass es sich hier um einen London Dry Gin handelt, der ihn von der Flut der Dry Gins abhebt! So etwas wünsche ich mir als Genhießer doch als stolzes Prädikat direkt auf der Flasche. Einmal mehr bekomme ich das Gefühl, dass ich schlicht nicht die Zielgruppe bin, an die sich das Flaschendesign richtet. An Botanicals werden Angelika- oder Engelwurzeln (die übrigens schon die Wikinger verwendet haben…), Wacholder, Passions- und Maracujafrüchte verwendet, mehr wird leider nicht verraten. Gut, es braucht für mich auch nicht zwangsläufig fünfunddrölfzig verschiedene Botanicals, um einen guten Gin zu machen! Also, nun zum wirklich Wesentlichen.

Tasting Notes:

Aroma: Ok, wie zu erwarten war, ist das keine klassische „Wacholdernase“, die sich hier zeigt. Von Anfang an ist eine schöne, ausgeprägte Fruchtnote mit den exotischen Noten von Maracuja und Passionsfrucht zugegen, die mir gut gefällt. Auch finde ich Assoziationen vom Himbeeren, etwas Moos und Rosépfeffer. Wacholder und Tannenharz sind ebenfalls mit von der Partie, bleiben aber eher hinter den Fruchtnoten, obgleich sie sich nicht gänzlich verstecken. Vielmehr empfinde ich sie als gut eingebunden. Angelikawurzeln sind zwar keine Seltenheit in Gins, wohl aber als Bestandteil von Verkostungsnotizen, was meist daran liegt, dass man mit ihnen in ihrer Reinform kaum Berührungspunkte hat. Wer sie aber mal in einer Apotheke oder in einem Asiamarkt erstanden und ihre Charakteristika kennengelernt hat, der weiß ihre Noten durchaus einzuordnen. Und ja, auch sie liegen hier vor, wenn auch typisch hintergründig, aber gut eingebunden.

Geschmack: Am Gaumen kann sich der Alkohol zwar nicht gänzlich verstecken, transportiert aber ein sehr ausgewogenes Potpourri an Frucht und Wacholdernoten. Passionsfrucht und Wacholder harmonieren dabei auf eine Art, die ich selbst nicht vermutet hätte. Der Gin gefällt mir geschmacklich sehr gut. Er ist nicht übermäßig vieldimensional, das muss er aber auch gar nicht sein. Sein Gesamtbild fällt recht trocken aus, hinterlässt dabei stets einen handwerklich soliden Eindruck.

Abgang: trocken, mittellang mit subtilem, Rosépfeffer

Mein Fazit: Ein wirklich schöner, empfehlenswerter Gin! Dass ich mit der Marketinggeschichte nicht warm geworden bin, wird man vermutlich merken, aber seis drum! Aber für eines war die Sache dann doch gut: meine Cocktailwahl! Denn nach dem wilden Ritt auf einem Drachenschiff entlang tropischer Palmstrände stand mit der Sinn gehörig nach Tiki! Und hier war es der Kon-Tiki Tropical Itch, der mich auf die Idee brachte, diesen Gin zusammen mit etwas Aquavit (weil Wikinger!), Rosmarin, frischer Mango, Zimt, Limette und Bitters in einem augenzwinkernden Cocktail einzusetzen, den ich The Passion of Heyerdahl genannt habe. Passionsfrucht, Skandinavier und Kon-Tiki eben. Nicht überzeugt? Dann besser für sich behalten, der Zorn Sweyn Gabelbarts soll schrecklich sein!

Rezept „The Passion of Heyerdahl“:

3 cl Gabelbart Passion Gin
3 cl klarer Aquavit
5 frische Mangowürfel (ca. 2cm x 2cm)
1 cl Zimtsirup
1,5 cl Limettensaft
1 kleiner Zweig Rosmarin
2 Dashes Angostura Bitters

Zubereitung: Zunächst Rosmarinzweig und Mangowürfel in einen Shaker geben und mit dem Muddler kräftig zerdrücken. Schließlich restliche Zutaten außer Angostura Bitters hinzugeben und kräftig Schütteln. Doppelt in den mit gestoßenem Eis gefüllten Tiki-Mug abseihen und schließlich Angostura Bitters oben auf den Drink geben.

Glas: Tiki-Mug

Garnitur: getrocknete Mangoscheibe, Rosmarinzweig

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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