Ableforth’s Bathtub Gin & Yellow Schaf

Wer sich mit Cocktails und deren Geschichte beschäftigt, wird relativ schnell auf diverse Prohibitionsgesetze stoßen. Jedoch kaum ein Gesetz hat so maßgeblichen Einfluss auf die zur Verfügung stehenden Spirituosen genommen und die Art, Cocktails zu mixen, wie eben jene amerikanische Prohibition bzw. der 18. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika, welcher zwischen 1920 und 1933 in Kraft war. Auf vielen Barkarten rund um den Globus finden sich gar Kategorien wie Pre-Prohibition, Prohibiton und Post-Prohibition Era Cocktails. Jeweils mit eigenen Schwerpunkten und Erkennungsmerkmalen. (zugesandtes Testprodukt)*

Doch ich möchte hier keine allgemeine Einführung in diese durchaus interessanten Oberkategorien geben, sondern vielmehr eine Besonderheit aus dem Bereich des Gins herausstellen, die eng mit dieser Zeit verwoben ist. Wer die gekonnt mit der ein oder anderen pointierten Spitze gegen die amerikanische Gesellschaft gespickte Cartoon-Serie “The Simpsons” verfolgt hat, wird vielleicht die Folge „Der mysteriöse Bier-Baron“ kennen, deren übersetzter Titel leider sinngemäß weniger gelungen ist als der originale Titel “Homer vs. The Eighteenth Amendment”.

Als Reaktion auf eine erneute Prohibition greift Homer Simpson in dieser Folge nämlich zu Methoden, die auch historisch während der Prohibition eine regelrechte Blüte erlebten: Tricks zur illegalen Herstellung von Alkohol. Unter anderem wird auch die Herstellung von schwarz gebranntem Alkohol und eine Lagerung in Badewannen (Bathtubs) aufgegriffen. Und hier sind wir gewissermaßen an einem Tiefpunkt der eigentlichen Geschichte des Gins angelangt, dem sogenannten Bathtub Gin. Dieser heißt so, weil schlicht schwarz gebrannter Alkohol in der heimischen Badewanne selbst hergestellt und mit Wacholder aromatisiert wurde und man so einen fertigen, eigenen Gin besaß.

Rechtlich dürfte man unter bestimmten Rahmenbedingungen (bspw. einer ausreichend hohen Alkoholstärke) auch heute noch eine solche Spirituose als Compound Gin verkaufen. Dass der historisch verbriefte Bathtub Gin allerdings kein großer Hochgenuss gewesen sein dürfte, lässt sich sicherlich ohne Weiteres erahnen. Umso erstaunlicher ist es vielleicht, wenn wir heute wieder einen Bathtub Gin im Angebot zahlreicher Handelssortimente entdecken. Die Rede ist von Ableforth’s Bathtub Gin, der früher unter dem Namen Professor Cornelius Ampleforth’s Bathtub Gin bekannt war (was für ein Name!). [Edit: in einer früheren Version dieses Artikels lautete die Überschrift versehentlich zunächst Ampleforth’s Bathtub Gin anstatt Ableforth’s Bathtub Gin. Warum der Hersteller hier so ein irres Spiel mit dem Namen treibt und diesen auch offen abändert, ist mir hingegen schleierhaft.] Die Marketinggeschichte rund um diese in ältlichem Stil gestaltete, sehr ansehnliche Flasche ist die von einem leicht verwirrten Professor, der in seinem heimischen Laboratorium eben auch Gin in einer Badewanne herstellt. Das heißt „fast“! Denn tatsächlich handelt es sich bei dieser Flasche gar nicht wirklich um einen Bathtub Gin im Prohibitionsstil, denn dieser Gin hier wurde in Wahrheit in England auf kupfernen Potstills gebrannt – man hat aber anschließend die Botanicals per Kaltmazeration hinzugegeben. Dennoch heißt er Bathtub Gin.

Aber warum?

Das hat mit der Vermarktungsgeschichte rund um jenen Professor zu tun, denn der als „Ultra Small Batch Gin“ verkaufte Ampleforth’s Bathtub Gin wird laut Hersteller (hinter der Marke steckt in Wahrheit die britische Seite MasterofMalt.com) nur in kleinen Batches von jeweils 30-60 Flaschen hergestellt. Eine so kleine Zahl, wie man sie auch früher beim Bathtub Gin hergestellt hätte. Nur dass diese eben in der Behausung des Professor Cornelius Ampleforth hergestellt werden…. Nicht überzeugt? Macht nichts, ich auch nicht so wirklich!

Zugegeben, einen schwarz gebrannten Gin kann man natürlich nicht verkaufen oder so bewerben – und deshalb natürlich niemals wirklich einen Bathtub Gin. Und wenn man nun bedenkt, dass hier ein auf Kupfer Pot Stills gebrannter Gin nach der Destillation via Mazeration mit Botanicals infundiert wurde, joa, dann hat man eben einen Compound Gin und letztlich irgendwie halt damit auch einen Bathtub Gin. Und wehe, der Hersteller macht das Ganze in Wahrheit in einem anderen Behälter als in einer Badewanne! 😉

Wie dem auch sei, interessant ist ja vor allem, wie der Gin letztlich abschneidet. Als Botanicals werden vom Hersteller u.a. Wacholder, Orangenschale, Cassia-Zimt, Nelken und Kardamom angegeben. Abgefüllt wird mit 43,3% vol.

Tasting Notes:

Aroma: Der durch die im Anschluss an die Destillation durchgeführte Kaltmazeration leicht gelblich eingefärbte Gin verströmt zunächst ein sehr angenehmes, leicht süßliches Aroma von kandierten Orangenschalen, Kardamom, Wacholder und kräutrigen Noten. Fichtennadeln und brauner Zucker sind ebenfalls mit von der Partie. Bei einem Blind Tasting hätte ich hier auf einen Old Tom Gin getippt.

Geschmack: Überraschend starker Wacholder (in der Nase war dieser bei weitem nicht so vordergründig), dazu kräutrige, fast schon etwas seifige Noten, die aber sehr interessant daherkommen. Die Orangenschalen machen sich auch hier deutlich bemerkbar, Zimt und Nelken kommen ebenfalls durch, während der Kardamom überraschend zurückhaltend bleibt. Insgesamt schon irgendwie ungewöhnlich, aber durchaus gelungen. Wer einen besonderen Gin sucht, der ist hier sicher gut aufgehoben.

Abgang: mittellang, recht trocken mit Wacholder und wieder Orangenschalen

Der Cocktail, der heute hier im Mittelpunkt steht, ist etwas sehr Besonderes, aber auch Ausgefallenes. Und ich nehme vorweg: auf dieses Teil bin ich echt stolz, denn es ist einfach lecker und macht auch ´ne Menge her. Die drei wesentlichen Aromen in diesem Cocktail, der im Grunde eine Variante des Gin Sour darstellt, sind Gelbwurz, Apfel und Sellerie. Während der Cocktail im Glas wie ein Orangensaft aussehen mag, so geht er also geschmacklich in eine ganz andere Richtung. Und überhaupt, wer braucht schon Orangensaft, wenn er so einen Drink haben kann? Frischen Gelbwurz bzw. Kurkuma zu bekommen, ist nicht in jedem Supermarkt möglich, sollte sich im Fachhandel oder in größeren Sortimenten aber finden lassen. Ansonsten sei angeraten, die verwendeten Fruchtsäfte im Entsafter selbst herzustellen! Das Ergebnis wird den Aufwand mit einer sehr spannenden, aromatischen Komposition fruchtig-würziger, leicht erdig-pfeffriger und doch erfrischender Art belohnen, die man wirklich probiert haben sollte! Benannt habe ich den Drink übrigens nach einer Reihe wirklich nervtötender Witze, die sich um ein gelbes Schaf – das Yellow Schaf – drehen und in meiner Jugend sehr populär waren.

Rezept „Yellow Schaf“:

 6 cl Ampleforth’s Bathtub Gin
1,5 cl Apfelsaft (frisch aus dem Entsafter)
1,5 cl Selleriesaft (frisch aus dem Entsafter)
1,5 cl Zitronensaft
1,5 cl Zuckersirup
1 daumengroßes Stück Gelbwurz

Zubereitung: Alle Zutaten bis auf den Gelbwurz in einen Shaker geben. Den Gelbwurz schälen und mit einer Handreibe fein reiben und in den Shaker geben. Mit Eiswürfeln füllen und kräftig für mindestens 15 Sekunden schütteln. Schließlich doppelt in das mit frischen Eiswürfeln gefüllte Glas abseihen.

Glas: Tumbler

Garnitur: keine (bzw. ein Stück angeschnittener Gelbwurz)

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online. Gelbwurz ist nicht immer überall zu bekommen, ggf. empfiehlt es sich, diesen gezielt im Fachhandel zu bestellen.

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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