Pure Spirits: Aberlour 12 Years & The Whisky Highball

Heute geht es hier ganz klassisch zu! Sowohl mit Blick auf meine persönliche Biographie, als auch unter Berücksichtigung eines gewissen Rufes unter Spirituosenfreunden zählt der Scotch Single Malt Whisky wohl definitiv zum Repertoire der Klassik in der Welt des Gebrannten. Tatsächlich war auch für mich persönlich Scotch Single Malt die Einstiegsdroge in die Welt hochwertiger Spirituosen und bis heute habe ich diese Begeisterung nicht verloren. (zugesandtes Testprodukt)*

Daher würde ich auch nicht lange überlegen müssen, was ich mir am Abend eines besonders erfreulichen Tages in meinem Sessel sitzend einschenken würde, um die Ereignisse nochmal genießend Revue passieren zu lassen. Genau so wenig würde ich zögern, wenn mich jemand aus dem Stegreif nach der Spirituosengattung fragen würde, der ich die größte aromatische und geschmackliche Bandbreite zuschreiben würde. Die Welt des Scotch Single Malt Whisky ist und bleibt eine faszinierende, relativ ehrliche und von mir heiß geliebte.

Trotzdem ist natürlich auch hier längst nicht mehr alles Gold, was glänzt. Die hohe Nachfrage aus Asien hat die Preise in den letzten Jahren teils in absurde Höhen getrieben und so manche Abfüllung, die ich früher zu meinem Standardrepertoire gezählt habe, hat den Weg entsprechend nicht erneut in meine Vitrine gefunden. Ebenfalls Folge der gestiegenen Nachfrage ist der Engpass bei bestimmten Abfüllungen: sogenannte NAS (No Age Statement)-Abfüllungen sind inzwischen fast zum Standard geworden, was sicherlich auch durch die beachtliche Zahl neu gegründeter Destillen verstärkt wird, die ihrerseits aus kommerziellen Gründen noch nicht mit Altersangaben versehene Flaschen auf den Markt werfen. Wie dem auch sei: es gibt glücklicherweise auch Ausnahmen dieser Entwicklung. Single Malts, die noch immer eine gute Qualität zu einem fairen Preis bieten und nicht einmal auf die rechtlich bindende Altersangabe verzichten. Und eine solche Flasche möchte ich hier heute einmal näher beschreiben und trotz der bisher geäußerten Vorschusslorbeeren (die sich hauptsächlich durch meine positiven Erinnerungen speisen) auch noch einmal kritisch unter die Lupe nehmen.

Die Rede ist vom Aberlour mit einem Alter von zwölf Jahren. Wer sich mit schottischem Whisky etwas intensiver beschäftigt, für den führt natürlich kein Weg am Namen Aberlour vorbei. Die Brennerei ist eine der bekanntesten aus der schottischen Speyside-Region und wurde dort im Jahr 1826 gegründet. Nach einer wechselhaften Geschichte mit ebenfalls wechselnden Eigentümern gehört die Destille inzwischen zum Spirituosengiganten Pernod Ricard. Die Brennerei brennt auf zwei Wash- und zwei Spiritstills und hat sich gerade auch unter Freunden von sherrytönigen Single Malts (wie ich übrigens auch einer bin) einen guten Namen gemacht. Hier sei auch insbesondere der Aberlour a’bunadh erwähnt, welcher in der Whiskycommunity mit großer Begeisterung angekommen ist.

Der zwölfjährige Aberlour trägt bereits auf seinem Etikett die Bezeichnung „Double Cask Matured“, was hier auch schlicht programmatisch ist. Der Whisky ist ein brennereiinterner Blend aus zwölfjährigen (mindestens) Whiskys aus ehemaligen Bourbon- und ehemaligen Sherryfässern. Man hat hier also kein Finish vorgenommen, sondern schlicht Ex-Bourbon- und Ex-Sherry-Fass-Whiskys miteinander vermählt. Kritik lässt sich allerdings auch anbringen: Leider wurde bei der Farbe dieses Whiskys mit Zuckercouleur nachgeholfen, was natürlich immer ein kleines Minus ist. Ebenfalls hat man den Whisky kühlgefiltert, was ebenfalls schade ist. Vor diesem Hintergrund sollte zudem darauf hingewiesen werden, dass Aberlour hier etwas verwirrend verschiedene 12-jährige Abfüllungen anbietet und es so auch noch einen nicht kühlgefilterten 12-jährigen Aberlour namens Aberlour Non-Chill Filtered gibt. Der hier vorgestellte Aberlour wird jedenfalls mit einsteigerfreundlichen 40% vol. abgefüllt und kostet derzeit meist zwischen 35 und 40 Euro.

Tasting Notes:

Aroma: In der Nase ein sehr schöner, ansprechender und durchaus milder Single Malt mit fruchtigen Tönen von Birnen und Äpfeln, einer typischen, leicht weinigen Sherrynote, Pfirsichen und etwas Honig. Ein Paradebeispiel für einen Speyside Malt.

Geschmack: Am Gaumen zeigt sich ein feiner Honig mit Fruchttönen von reifen Äpfeln und Pfirsichen, dunklen Pflaumen und einer milden Schokolade. Auch zeigen die Fässer hier unverkennbar ihren Einfluss, der sich in Karamell- und Vanilletönen und einer leichten Bittere niederschlägt.

Abgang: mittellang und wärmend mit Fruchttönen, Eiche und etwas Ingwer. Keine Frage: ein schöner, solider Speysider, der auch jedem Einsteiger wärmstens empfohlen sei.

Tja, und nun bin ich an dem Punkt angelangt, an dem sich die Geister scheiden. Eingangs sprach ich davon, es heute klassisch zugehen lassen zu wollen. Und wenn ich nun mit dem Thema „Single Malt und Cocktails“ um die Ecke komme, mag sich schon manch ein Purist direkt abwenden. In der Tat sei die Frage gestattet, wie klassisch es denn noch ist, einen Scotch Single Malt in einem Cocktail zu „versenken“. Doch auch den konservativeren Scotchtrinkern sei hier versichert: Scotch ist in der Tat quasi von jeher eine sehr klassische Zutat in der Bargeschichte gewesen. Vielleicht nicht unbedingt immer ein Single Malt, aber Single Malts erfreuen sich auch längst noch nicht so lang einer globalen Beliebtheit wie klassische Scotch-Cocktails es tun und taten.

Dennoch will ich es auch in puncto Cocktail heute wirklich klassisch – und das heißt hier vor allem schlicht – halten. Und gleichzeitig eine Lanze für einen Cocktail brechen, der vielleicht nicht unbedingt den Massengeschmack all derjenigen trifft, die sich unter einem Highball/Longdrink einen süßen, erfrischenden oder gar fruchtigen Drink vorstellen. Ich rede vom Scotch Highball oder Whisky Highball. Mögen die tief im 19. Jahrhundert liegenden Wurzeln dieses Highballs auch eher den Hintergrund haben, qualitativ nicht ganz so herausragenden Whisky durch die Zugabe von Sodawasser trinkbarer zu machen, so weiß man inzwischen sehr wohl, dass ein guter Whisky Highball eine elegant-schlichte Offenbarung sein kann. Insbesondere die Japaner halten diesen Drink in hohen Ehren. Und da diese besonders bekannt für ihre puristische, sehr einfache Art der Zubereitung mit einer perfektionistischen Akkuratesse sind, verwundert es nicht, dass sie gerade den Whisky Highball zu neuer Popularität verholfen haben. Auch ich kann nur sagen: „Mut zum Whisky Highball“! Die vielleicht manchem fehlende Süße hat hier definitiv mit einer falschen Erwartungshaltung zu tun. Wer einen Whisky Highball genießt, der kann das komplexe, vielschichtige Aromenprofil eines guten Scotch Single Malts auf eine erfrischendere, verlängerte Art und Weise genießen und wird sicherlich überrascht sein, wie intensiv dennoch der Charakter des Whiskys im Vordergrund steht. Zwar ist dieser Drink auch mit rauchigen Single Malts vorstellbar, ich persönlich halte hier einen Speyside Whisky (oder einen japanischen, z.B. einen Yamazaki) aber für die ideale Wahl! Für meinen heutigen Whisky Highball habe ich mir sogar erlaubt, einen kleinen Spritzer Orange Bitters hinzuzugeben. Einfach nur, weil sie ihn irgendwie noch besser machen. Und als Tribut an die japanische Art der Zubereitung habe ich mich sogar breit schlagen lassen, klares Eis für den Cocktail herzustellen. Sláinte!

Rezept „Whisky Highball“:

5,5 cl Aberlour 12 Jahre
1 Dash The Bitter Truth Orange Bitters
Sodawasser

Zubereitung: Aberlour und Orange Bitters in ein mit einem klaren Eiskeil gefülltes Highballglas geben und mit Sodawasser aufgießen.

Glas: Highball

Garnitur: getrocknete Orangenscheibe (klassisch: keine)

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online.

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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