Green & White Negroni und The Green Fairy

Absinth – Kaum eine Spirituose kann wohl mit einem so schillernden Ruf und einem derartig facettenreichen Image aufwarten wie die berühmte, meist grüne, Wermutspirituose. Viele Leute denken bei Absinth zunächst an van Goghs Ohr (auch wenn die genauen Umstände dieser Selbstverstümmelung nicht wirklich geklärt sind.), halluzinogene Wirkungen und vielleicht an das berühmte Gemälde „Der Absinthtrinker“ von Viktor Oliva, welches man im Café Slavia in Prag bestaunen kann und auf dem eben jenem Absinthtrinker die „grüne Fee“ erscheint. (zugesandte Testprodukte)*

Die wenigsten denken wohl zuerst an die französische Stadt Pontarlier an der Schweizer Grenze. Dabei gibt es dort sogar ein eigenes Museum, das sich der Materie widmet und die Geschichte des Absinths behandelt. Hinter dem Museum steht die Destille Pierre Guy, welche eine Besonderheit darstellt, da sie eine der wenigen Brennereien ist, die traditionell in der Absinthherstellung verwurzelt ist, aber mit Beginn des fast in ganz Europa durchgesetzten Absinthverbots (in Frankreich wurde Absinth sogar im Jahr 1914 erst relativ spät verboten) nicht schließen musste, da sie auf andere Produkte ausgewichen ist und so wirtschaftlich überleben konnte.

Der Absinthtrinker (1901) von Viktor Oliva (Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1093542)

Während man also nun spätestens in den 1990er Jahren einen regelrechten Hype rund um das Revival des Absinths beobachten konnte, hat man in Pontarlier vermutlich einen unverändert traditionsbewussten Handwerksblick auf die Spirituose. Verschiedene Varianten des Absinth werden vom deutschen Vertrieb Lion Spirits aus der Destille Guy direkt bezogen und vermarktet. Ich möchte heute drei verschiedene Spirituosen aus dieser Destille hier vorstellen: Einen Absinth, einen Anisée (eine französische Spirituosengattung, die v.a. auch während des Absinthverbots an Popularität gewann, sie enthält kein Wermut) und einen Tannennadellikör.

La Pontissalienne (56% vol.) – Absinth:

Ein sehr schöner, anistöniger Absinth mit einem feinen, trockenen Einschlag. Wermut, etwas Kamille und eine subtile Honigsüße geben ein schönes Bild ab.

Pontarlier Anis Ponsec (45% vol.) – Anisée:

Im Vergleich zum La Pontissalienne merkt man hier den Gattungsunterschied gar nicht so schnell, wie ich es erwartet hätte. Die Anisnote ist natürlich sofort präsent und weiß auch durchaus zu überzeugen. 45% vol. fallen im Vergleich zu 56% vol. natürlich auch ins Gewicht. Im Vergleich etwas weniger komple x, dafür aber klarer und in sich würzig und stimmig.

Le Vert Sapin (40% vol.) – Tannennadellikör:

Wirklich ein sehr interessanter Likör: Süßlich, fast fruchtig mit einem vollen Bouquet aus Tannennadeln und Waldassoziationen. Dazu eine feine Zitronennote, florale Nebentöne und feine Kräuter.

Zwei Cocktailideen sind mir zu diesen schönen Spirituosen gekommen. Zum einen eine Variante des White Negroni von Wayne Collins, die ich kurzer Hand „Green & White Negroni“ genannt habe und den Green Fairy Cocktail von Dick Bradsell (den Wasseranteil habe ich leicht reduziert, da der La Pontissalienne mit seinen 56% vol. nicht unbedingt zu den stärksten Absinths gehört).

Rezept „Green & White Negroni“:

3,5 cl Französischer Old Tom Gin (z.B. Citadelle No Mistake Old Tom Gin)
2,5 cl Lillet Blanc
2 cl Le Vert Sapin Tannennadellikör
0,5 cl Pontarlier Anis Ponsec
1 Barlöffel D.O.M. Benedictine

Zubereitung: Alle Zutaten in ein mit Eiswürfeln gefülltes Glas geben und kurz verrühren.

Glas: Tumbler

Garnitur: Tannenzweig

Rezept „Green Fairy“:

4,5 cl La Pontissalienne Absinth
2,5 cl Wasser
3 cl Zitronensaft
1,5 cl Zuckersirup (2:1)
½ Eiweiß
1 Dash Angostura Bitters

Zubereitung: Zunächst alle Zutaten ohne Eis einem Dry Shake unterziehen (oder mit einem Milchaufschäumer aufschäumen). Anschließend mit Eiswürfeln erneut schütteln und ins vorgekühlte Glas abseihen.

Glas: Martini / Cocktail

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir diese Produkte zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden sind, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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