Pure Spirits: F. Meyer Eau-de-Vie de Framboise & Roi Framboise

Obstbrände und –geiste gehören in Deutschland sicherlich zu den traditionsreichsten und tief im Handwerk verwurzelten Spirituosengattungen. Aber nicht nur auf Deutschland trifft dies zu, sondern auch auf zahlreiche andere europäische (Nachbar)Staaten. Eines der wohl weltweit bekanntesten Beispiele ist Frankreich, dem jene Spirituosengattungen im Grunde auch die international verbreitetste Bezeichnung verdanken: Eau de Vie. (zugesandtes Testprodukt)*

Zwar ist diese Bezeichnung in sich nicht zwangsläufig immer mit dem Segment der Obstbrände identisch – es werden z.B. auch Destillate aus Weintrester als Eau de Vies bezeichnet – aber im Grund lässt sich das Eau de Vie durchaus als Oberbegriff verlässlich verwenden. Hat man es mit Obstbrand oder –geist zu tun, der aus nur einer Fruchtsorte hergestellt wurde, so weist ein Zusatz hinter dem Namen ohnehin darauf hin, womit man es zu tun hat.

Und genau das ist beim heutigen Destillat der Fall: Ein Eau de Vie de Framboise aus dem Hause F. Meyer. Die Brennerei Meyer liegt im südlichen Elsass, im Tal Villé am Fuße der Vogesen, wo bereits von Natur aus zahlreiche Obstsorten gedeihen. Dort baut man nun gezielt Obst für die Verwendung in Eau de Vies an und kann so regional auf kurzem Wege produzieren. Die aus dem französischen Obstbrennerhandwerk und vor allem der Cognacproduktion bekannten Charentaiser Brennblasen werden auch in der Brennerei Meyer eingesetzt, wo man die eigenen Eau de Vies doppelt destilliert. Nach einer anschließenden Lagerung in Bütten (über deren genaue Beschaffenheit und die Lagerdauer ich leider keine genauen Informationen in Erfahrung bringen konnte) und einer Kühlfiltrierung wird das fertige Produkt schließlich in Flaschen abgefüllt.

Tasting Notes:

Aroma: Herrlich, die Nase macht direkt Lust auf diesen Tropfen. Eine klare, frische Himbeere verzaubert sofort mit einem überaus authentischen Eindruck. Es mischen sich leichte Holztöne, etwas Moos und subtile Citrusassoziationen dazu.

Geschmack: Am Gaumen bestätigt sich der Eindruck aus der Nase: satte, reife Himbeeren verführen den Gaumen. Im Hintergrund schwingen holzige und herbale Töne mit.

Abgang: lang, intensiv und voll-aromatisch. Mir gefällt dieses Eau de Vie ganz ausgezeichnet!

Ich muss zugeben, dass Himbeergeiste unter den Obstdestillaten im Grunde zu meinen Favoriten zählen. Ich mag das klare, fruchtige Moment und das intensive Aromenbild bei der Himbeere ganz besonders. Und so habe ich mich auch für einen Cocktail entschieden, der im Grunde genommen antritt, die Grundcharakteristik des F. Meyer Eau de Vie de Framboise nicht ins Unkenntliche verschwimmen zu lassen, sondern der ihr genug Raum gibt, sich zu entfalten, darüber hinaus aber zusätzliche Tiefe, Komplexität und Eleganz verleiht. Gemeinhin wäre es hier einfach, eine Art Old Fashioned zu wählen, stattdessen habe ich mich aber an einem Negroni orientiert. Das Ergebnis ist definitiv kein klassischer Negroni und auch geschmacklich ein gutes Stück weit davon entfernt, aber dennoch ist die Grundstruktur erkennbar. Und der Cocktail leistet eben genau das, was ich wollte: Artischockenbitter, gelagerter Orangen-Amaro und Orangenbitters harmonieren wunderbar mit der satten Himbeere und der Punt e Mes hebt das Eau de Vie de Framboise auf einen wunderbaren, bitter-aromatischen Thron. Der Drink hört deshalb auch auf den nicht zu ernst zu nehmenden Namen „Roi Framboise“ – denn die Himbeere ist hier eindeutig der König.

Rezept „Roi Framboise“:

3,5 cl F. Meyer Eau de Vie de Framboise
2 cl Mondino Amaro Bavarese Stagionato
2 cl Punt e Mes
1 cl Cynar
1 Dash Orange Bitters

Zubereitung: Der Drink wird im Glas „gebaut“ – Alle Zutaten im Glas auf Eiswürfeln kurz rühren, fertig.

Glas: Tumbler

Garnitur: mit goldener Lebensmittelfarbe besprühte Himbeere

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online.

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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