Pure Spirits: Dry Fly Washington Bourbon 101 & The Avenue

Wer sich bei der Lektüre meiner Artikel über den Dry Fly Cask Strength Straight Wheat Whiskey oder den Dry Fly Port Finish Wheat Whiskey bereits gefragt haben sollte, ob aus dem Hause Dry Fly Distilling Inc. nicht auch einfach nur ein klassischer Bourbon existiert, dem kann ich mit dem heutigen Beitrag versichern, dass es einen solchen Bourbon gibt. Ganz klassisch ist er dabei allerdings als „Washington Bourbon“ nicht. Doch natürlich kann auch ein Bourbon, der sich nicht „Kentucky Straight Bourbon“ nennen darf, ein guter Bourbon sein. (zugesandtes Testprodukt*)

Über den Gründungshintergrund und die Köpfe hinter dem Namen Dry Fly Distilling Inc. hatte ich bereits einige Zeilen in meinem Artikel über den Dry Fly Cask Strength Straight Wheat Whiskey geschrieben (Link s.o.). Doch dass die beiden Gründer Don Poffenroth und Kent Fleischmann große Freunde des Angelsports sind, zeigt kaum eine Flasche der Destille so wie die Flasche des Dry Fly Washington Bourbon 101 Proof. Die Rückseite ist übersät mit teils zum Kauf animierenden, lustigen Sprüchen und Bekenntnissen zur eigenen Leidenschaft des „fly fishing“. Der Name zeigt schlicht und ergreifend den Alkoholgehalt der Abfüllung an, welcher bei 101 Proof entsprechend 50,5% vol. beträgt.

Im Übrigen handelt es sich bei dieser Abfüllung tatsächlich um eine historische: Noch nie zuvor wurde im „Evergreen State“, dem Bundesstaat Washington, ein Bourbon offiziell und legal hergestellt. Ähnlich wie also der Hudson Baby Bourbon ein Pionier im Bundesstaat New York ist, haben wir es hier mit dem Pionierbourbon des äußersten Nordwesten der USA zu tun. Erfreulicherweise liefert der Hersteller ziemlich genau Angaben über Fassart, Reifedauer und die Zusammensetzung der Getreidemischung für die Maische: Die Getreidemischung für den Dry Fly Washington Bourbon 101 Proof besteht zu 60% aus Mais, zu 20% aus Weizen und zu weiteren 20 % aus Gerste. Anschließend reift der Whiskey für mindestens 3 Jahre in 53 Gallonen fassenden Fässern aus amerikanischer Weißeiche (ca. 200 Liter). Wie schneidet also der erste Bourbon Whiskey Washingtons ab?

Tasting Notes:

Aroma: Dieser Bourbon ist definitiv ein eher würziger Vertreter seines Genres, was mir prinzipiell sehr gut gefällt. In der Nase zeigt sich der typische Vanillecharakter des Bourbons zunächst dezent, dafür jede Menge Zimt, Eiche, etwas Nelke und feiner Honig. Mit der Zeit verschafft sich auch die Vanille etwas mehr Raum.

Geschmack: Auch am Gaumen trumpft der Dry Fly Bourbon 101 Proof mit einer würzigen Charakteristik auf: Zimt, Nelken, Vanille, Muskat, ein wenig Süßholz und Eiche machen unmissverständlich klar, dass dieser Bourbon geschmacklich einiges zu bieten hat. Ein wenig erinnert er mich an den Four Roses Single Barrel, den ich auch sehr schätze.

Abgang: ein trockener, würziger Abgang mit Vanille im Nachklang

Als Cocktail habe ich mich heute einmal für einen klassischen Bourbondrink entschieden, der allerdings nur auf sehr wenigen Barkarten zu finden ist. Er hört auf den Namen „The Avenue“ und taucht erstmalig in einem Rezeptbuch aus dem Jahr 1937 auf, dem Café Royal Cocktail Book, welches von William J. Tarling geschrieben und von der United Kingdom Bartenders Guild veröffentlicht wurde. Erfunden wurde der Drink jedoch laut Tarlings Angaben von W. G. Crompton, vermutlich einem anderen Mitglied eben jener United Kingdom Bartenders Guild. Der Cocktail wirkt mit seiner Zusammensetzung aus Bourbon, Calvados, Passionsfruchtsaft, Grenadine und Orangenblütenwasser schon fast gewagt, ist aber eine aromatische Offenbarung! Wer keinen Passionsfruchtsaft selbst herstellen will (im Entsafter oder indem man das Innere von Passionsfrüchten durch ein feines Sieb streicht), der kann hier auch zu Passionsfruchtnektar greifen. Das macht den Drink aber ingesamt süßer. Persönlich mag ich lieber die Variante mit reinem Saft, aber das muss jeder selbst für sich herausfinden. Der Drink selbst ist definitiv weniger süß als man es vielleicht erwarten würde. Aber vielschichtig, frisch und einfach toll!

Rezept „The Avenue“ (Mengenverhältnisse von mir leicht angepasst):

3 cl Dry Fly Washington Bourbon 101 Proof
2,5 cl Daron Calvados XO
3 cl frischer Passionsfruchsaft (oder 2,5 cl Passionsfruchtnektar)
1 Dash Orangenblütenwasser
1 Barlöffel Grenadine

Zubereitung: Alle Zutaten kräftig auf Eis schütteln und ins vorgekühlte Glas abseihen (wenn man den Passionsfruchtsaft selber hergestellt hat, kann es von Vorteil sein, doppelt abzuseihen).

Glas: Coupette

Garnitur: keine

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online.

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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