Pure Spirits: Dry Fly Cask Strength Straight Wheat, Mondino Stagionato & The Blood Like Lemonade

Nach einem kurzen Wochenendtrip nach Berlin soll es heute direkt mit einem neuen Cocktail und zwei damit in Verbindung stehenden Spirituosen weiter gehen! Wer nun erwartet, dass ich ein „Berlin Special“ oder so etwas hier veröffentliche, den muss ich enttäuschen. Berichte über die Berliner Barszene oder Artikel mit Empfehlungen zu dieser Thematik gibt es bereits sehr viele und ich möchte hier keine Redundanzen schaffen. Dafür gibt es aber ein wirklich schönes Rezept, das sicherlich auch eine gewisse Massentauglichkeit mit sich bringt! (zugesandte Testprodukte*)

Der Cocktail ist diesmal keine gänzliche Eigenkreation, sondern eine Variante eines nicht ganz so konventionellen Drinks, den ich auf Samantha Spectors empfehlenswertem Blog Saloonbox entdeckt habe. Dort stieß ich bereits vor vielen Monaten auf einen Drink mit dem ungewöhnlichen Namen „Cheribundi Whiskey Smash“, der amerikanischen Whiskey mit Kirschsaft, Ingwerlikör, Cola und Amaretto verbindet und mich sehr neugierig gemacht hat. (Cheribundi ist der Name eines amerikanischen Saftherstellers, was den Namen für Nichtamerikaner wohl tendenziell eher inhaltsleerer erscheinen lässt.) Der Drink hat mir gut gefallen, aber zu einhundert Prozent zufrieden war nicht noch nicht, was sicherlich auch meinen persönlichen Geschmackspräferenzen geschuldet ist. Ich mag z.B. wirklich nicht gern Amaretto und auch ein solider Disaronno konnte nichts daran ändern, dass mich die typische Amarettonote im Cocktail einfach störte. Der Ingwer war mir hingegen zu schwach und irgendwie erschien mir der Cocktail zu schmalbrüstig. Also habe ich einige Veränderungen vorgenommen und den Cocktail so umbalanciert, dass ich ihn nun als für mich nahezu perfekt bezeichnen würde. Als Whiskey habe ich mich für einen Cask Strength Wheat Whiskey entschieden, den ich unten zudem noch gesondert vorstellen möchte. Anstelle eines klassischen Ginger Brandys habe ich mich abermals für den Galgant Cremelikör der Preußischen Spirituosenmanufaktur entschieden, dessen scharf-würzige Charakteristik hier hervorragend funktioniert. Und anstatt Amaretto hinzuzufügen, habe ich mit dem Mondino Stagionato einen fassgereiften Bitterorangen-Amaro gewählt, auf den ich ebenfalls noch weiter unten eingehen werde. Letzterer ist eine ganz entscheidende Zutat, denn er macht den Cocktail letztlich doch zu einem gänzlich anderen Drink mit einem entscheidend vom Original abweichenden Geschmacksbild. Der ursprüngliche Name des Drinks erschien mir nun aus mehreren Gründen nicht ganz passend, weshalb ich ihn kurzerhand nach einem Morcheeba-Song „Blood Like Lemonade“ getauft habe. (Den Song zum Cocktail gibt’s weiter unten als implementiertes Youtube-Video.)

Rezept “Blood Like Lemonade”:

3,5 cl Dry Fly Cask Strength Straight Wheat Whiskey
1,5 cl PSM Galgant Cremelikör
1 cl Mondino Amaro Bavarese Stagionato
2,25 cl Kirschsaft (aus dem Entsafter oder 100% qualitativ guter Saft, z.B. von van Nahmen)
4 cl Fentimans Curiosity Cola
5 Griottines-Kirschen (oder andere brandied cherries)
1 Dash Fee Brothers Whiskey Barrel Aged Bitters

Zubereitung: Zunächst die Griottines-Kirschen mit dem Muddler im Shaker gründlich zerdrücken. Anschließend die restlichen Zutaten bis auf die Cola zugeben und kräftig auf Eis schütteln. Doppelt ins mit frischen Eiswürfeln gefüllte Glas abseihen und mit Cola aufgießen.

Glas: Tumbler (ich habe mich für das Revolution-Glas von Jakobsendesign entschieden)

Garnitur: Griottines-Kirschen

Neben dem Cocktail soll es aber auch um den Dry Fly Cask Strength Straight Wheat Whiskey und den Mondino Amaro Bavarese Stagionato gehen. Der Dry Fly Cask Strength American Whiskey stammt aus Spokane im Bundesstaat Washington (nicht mit der US-Hauptstadt zu verwechseln). Dort wird er in einer Micro-Distillery hergestellt, die von den beiden Natur- und Angelfreunden Don Poffenroth und Kent Fleischmann im Jahr 2007 gegründet wurde. Man brennt dort auf zwei „Christian-Carl“-Brennblasen aus deutscher Manufaktur und setzt voll auf regionale Agrarprodukte aus nachhaltiger Landwirtschaft. So viel zur etwas abgekürzten Marketinggeschichte hinter den Produkten. Was durchaus interessant ist, ist der Umstand, dass in den USA Weizenwhiskey zwar als Bestandteil diverser Blends, Bourbons, Ryes & co verbreitet ist, ein 100% reiner Weizenwhiskey ist jedoch aufgrund seines vermeintlich sehr milden Geschmacks eine echte Rearität geworden und wurde für fast 100 Jahre nicht auf dem Markt angeboten. Dry Fly brachte nach dieser langen Zeit als erster Anbieter wieder einen solchen auf den Markt und zwar sowohl als gewöhnlichen Wheat Whiskey, aber eben auch als 120 Proof Cask Strength Wheat mit 60 % vol. Quasi direkt aus den amerikanischen Weißeichenfässern abgefüllt, in denen er zuvor lagern durfte.

Tasting Notes:

Aroma: In der Nase merkt man, dass man es mit einem amerikanischen Whiskey aus Weißeichenfässern zu tun hat, dennoch unterscheidet er sich deutlich von einem typischen Bourbon! Die Vanilletöne sind weniger intensiv ausgeprägt, dafür trumpft er mit süßen Gebäcknoten, Eiche, etwas Obst (Äpfel und Birnen), Honig, Zitronenschale, subtiler Orange, Nelken und Koriander auf. Ein tolles Aromenspiel, das vom Alkohol sehr schön getragen wird.

Geschmack: Intensiv, aromatisch, viel mehr als ich von einem reinen Weizen erwartet hätte! Der Alkohol ist dabei angenehm sanft, nie im Leben hätte ich hier volle 60% vol. vermutet! Gewürze, Kuchenteig, Zimt, Eiche, Rosinen und Vanille betören den Gaumen! Wow, das ist wirklich ein klasse Whiskey! Mit etwas Wasser wird die Eiche etwas verstärkt und der Geschmack wird ein wenig bitterer und würziger, aber nicht weniger komplex. Sehr schön, gefällt mir wirklich ausgesprochen gut!

Abgang: Eiche, Vanille, langanhaltend

Der Mondino Amaro Bavarese Stagionato hingegen ist ein Vertreter eines gänzlich anderen Genres. Wie auch der reguläre Mondino Amaro Bavarese handelt es sich hierbei um einen Amaro nach italienischem Vorbild, der allerdings, wie sein Bruder, in Bayern hergestellt wird. Über die Hintergrundgeschichte der Marke habe ich bereits in meinem Artikel über den Mondino Amaro Bavarese berichtet, weshalb ich diese nun nicht noch einmal hier ausführen möchte. Stattdessen soll vielmehr der hauptsächliche Unterschied im Mittelpunkt stehen: Die Fasslagerung. Denn im Wesentlichen handelt es sich beim Mondino Stagionato um einen fassgelagerten und somit mit Fassaromen „gewürzten“ (Stagionato = gewürzt) Mondino Amaro Bavarese. Im Gegensatz zum mit 18% vol. abgefüllten Original gönnt man dem Stagionato sogar 24% vol. Der Schriftzug „Limited Edition“ weist jedoch darauf hin, dass hier zunächst keine immerwährende Dauerproduktion angestrebt wird und er zunächst eben nur in limitierter Stückzahl verfügbar ist.

Doch wie schlägt sich der Stagionato in der Purverkostung? Sind entscheidende Unterschiede durch die Fasslagerung zu erkennen?

Tasting Notes:

Aroma: Man erkennt den Mondino Amaro Bavarese sofort: Enzian, Orangen, schöne Bittertöne, subtiler Rhabarber und die frischen Beerennoten im Hintergrund – all die komplexen Aromen, die mich vom Original vollends überzeugen konnten. Der Stagionato kommt nun noch etwas voller und aromatischer daher, mit Eichentönen und einem betont würzigeren Geruchsbild. Ich würde nicht sagen, dass er besser ist, aber auch keineswegs schlechter als das Mondino-Flaggschiff. Einfach anders und ein wenig „reifer“.

Geschmack: Auch geschmacklich bestätigt sich der Eindruck: Neben der nach wie vor ausgeprägten und komplexen, bitteren Orangencharakteristik besticht eine feine Süße mit Kräutern, Eiche, etwas Nelke, und einer sehr angenehmen Vanille.

Abgang: Bitter, komplex und lang

Bezugsquellen:

Ansonsten im Fachhandel oder online

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3 thoughts on “Pure Spirits: Dry Fly Cask Strength Straight Wheat, Mondino Stagionato & The Blood Like Lemonade

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