Black Briar

Wenn mich jemand nach einem Cocktail mit Brombeeren fragt, dann ist mein erster Reflex wohl der gleiche wie bei vielen anderen auch: ich erzähle dann meist etwas vom Bramble, über Dick Bradsell und überhaupt im Wesentlichen einfach das, was ich auch in meinem Artikel über den Bramble geschrieben habe. Aber natürlich gibt es zahllose weitere Varianten, wie man Brombeeren in Cocktails einsetzen kann. Und was gibt es schöneres, als die kraftvolle Brombeere mit einem würzigen und hochwertigen Rye zu kombinieren?

Genau das dachte sich wohl auch Jessica Torres vom One Martini-Blog als sie den Black Briar kreierte. Dass man im englischen Sprachraum Brombeerdrinks offenbar gern nach ganzen Sträuchern oder Büschen benennt, sei einmal dahin gestellt (bramble = Brombeerstrauch; briar = Dornenbusch). Es zeigt aber wohl eindeutig, dass auch hier der Bramble zumindest im Hinterkopf eine kleine Rolle gespielt hat. Und auch wenn es sich beim Black Briar ebenfalls um eine Sourvariante handelt, so ist er doch nicht einfach nur ein Bramble mit Rye Whiskey, sondern bringt zudem noch die frische von Minze und ein wenig mehr Tiefe durch die Kombination mit Cassis hinein. Allerdings bin ich von Jessica Torres‘ Rezept noch ein klein wenig abgewichen: Creme de Cassis war hier ein wenig zu langweilig und so habe ich mich abermals für einen Spiced Black Currant Shrub entschieden (was ein Shrub ist, kann man hier erfahren, etwas mehr über den Spiced Black Currant Shrub habe ich auch hier zum Besten gegeben) und dies zu keiner Zeit bereut: Er verleiht dem Drink eine interessante Dimension, lässt ihn nicht zu süß werden und sorgt für ein so ausgewogenes Geschmackserlebnis, dass der Black Briar in dieser Version das Zeug zu einem meiner fruchtigen Lieblinge hat. Als Rye habe ich den Huddson Manhattan Rye verwendet, was zu einem tollen, intensiv-würzigen Geschmackserlebnis führte. Die feinen Noten von Honig, Lakritz und Nelken, aber auch die der Schwarzkirsche funktionieren einfach toll im Black Briar.

Rezept „Black Briar“ (von mir abgewandelte Variante mit Spiced Black Currant Shrub):

6 cl Hudson Manhattan Rye
2,25 cl Zitronensaft
1,5 cl Zuckersirup
0,75 cl Spiced Black Currant Shrub (s.u.)
5 Brombeeren
2 frische Minzzweige

Spiced Black Currant Shrub: Auf einen Teil dunklen Johannisbeersaft (ich stelle meinen im Entsafter her; einen guten Entsafter stören ein paar Stiele nicht und sie geben sogar etwas herben Geschmack ab) ein halbes Teil Zucker geben. Ich habe 250 ml Saft mit 125 g Zucker in einer Pfanne gemischt und dazu 4 Gewürznelken, eine kleine Zimtstange und zwei Sternanis gegeben. Erhitzen und etwa 8 Minuten köcheln lassen. Dann abkühlen lassen, Gewürze herausfiltern und auf drei Teile des Johannisbeergewürzsirups zwei Teile Brandy geben (ich habe Cardenal Mendoza verwendet).

Zubereitung: Die Brombeeren mit dem Muddler im Shaker zerdrücken, Minze zwischen den Handflächen anklatschen und zusammen mit den restlichen Zutaten in den Shaker geben. Kräftig auf Eis schütteln und doppelt ins mit Eiswürfeln gefüllte Glas abseihen.

Glas: Tumbler oder SOF (das Glas auf dem Bild bewegt sich irgendwo zwischen SOF, Goblet und Tumbler)

Garnitur: Minzzweig und Brombeere

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online. Ich kaufe meine Minze gern in türkischen Lebensmittelgeschäften.

 

3 thoughts on “Black Briar

    • Tatsächlich ist es richtig bezeichnet und geht auf ein Jerry Thomas-Rezept zurück. 🙂 Den sauren Part übernehmen die Johannisbeeren. Und die können in purer Form locker mit Essig konkurrieren. 😉

      • Wichtig ist natürlich, keinen gesüßten Saft zu nehmen (in Deutschland ja dann als Nektar deklariert). Das führt meist zwangsläufig dazu, dass man einen Entsafter braucht. Es ist nicht davon auszugehen, dass Jerry Thomas Mitte des 19. Jahrhunderts gesüßten Johannisbeersaft aus dem Tetrapack hatte. 😉

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