Breath of the South Wind

Manchmal habe ich Lust auf einen ganz bestimmten Cocktail, von dem ich mir sicher bin, dass es ihn irgendwo da draußen geben muss. Dann habe ich oft gar keine Lust, erst ausgiebig in Büchern oder dem Internet nach einem ganz konkreten Rezept zu suchen, sondern lasse mich zunächst von meinem Gefühl und der Lust auf bestimmte Zutaten leiten. Erst im Nachhinein suche ich dann nach einem solchen Drink und bin gespannt, wie er wohl heißen mag. Doch manchmal stellt man zum großen eigenen Erstaunen fest, dass es so einen Drink scheinbar gar nicht gibt.

So ging es mir auch beim Cocktail, den ich heute vorstellen möchte. Im Grunde habe ich mich dabei von einer relativ klassischen Zutatenkomposition verleiten lassen, wie sie relativ typisch für die amerikanischen Südstaaten, vor allem natürlich für New Orleans ist: Bourbon, Pfirsich, Minze, Peychaud Bitters. Klingt nicht von ungefähr ein wenig wie eine Spielart des Mint Juleps oder zumindest ein bisschen so wie die Rezeptvariante von „Professor“ Jerry Thomas. Tatsächlich hatte ich irgendeinen Mischmasch dieser beiden Drinks im Kopf, wollte aber etwas noch Erfrischenderes ausprobieren, quasi eine Art Fizzvariante (bzw. streng genommen einen Silver Fizz). Das Ergebnis war großartig und hat mir ganz hervorragend geschmeckt. Umso erstaunter war ich, dass ich in meinen Barbüchern und dem Internet keinen Cocktail finden konnte, der so oder so ähnlich aufgebaut ist. Dabei bin ich mir eigentlich sicher, dass irgendwer doch schon auf die eigentlich naheliegende Idee gekommen sein muss, einen solchen Drink zu mixen. Sollte also jemand sagen „Hey, den kenne ich! Das ist doch der Cocktail XY“, dann bitte Bescheid geben und ich ändere den Namen. Bis dahin hört der Drink auf den erfrischenden Titel „Breath of the South Wind“, angelehnt an Joshua Soule Smiths Ode an den Mint Julep, welcher im Lexington Herald während des späten 19. Jahrhunderts veröffentlicht wurde (der komplette Text findet sich auch in meinem Artikel über den Mint Julep).

Als Bourbon habe ich den jüngst vorgestellten 7-jährigen 1776 Bourbon vorgestellt, dessen aromatische Vanille hier wunderbar funktioniert. Ich empfehle darüber hinaus, wirklich nicht mehr als 6 Minzblätter zu verwenden. Anders als bei einem richtigen Mint Julep soll das Minzaroma im Breath of the South Wind subtiler bleiben.

Rezept:

5,5 cl 1776 Bourbon Aged 7 Years
0,75 cl Pfirsichlikör
0,75 cl Zuckersirup
1,5 cl Zitronensaft
ca. 6 Blätter frische Minze
½ Eiweiß
2 Dashes Peychaud Bitters
Sodawasser

Zubereitung: Zunächst Bourbon und Minzblätter in einen Shaker geben und mit dem Muddler behutsam die Minzblätter andrücken. Dann restliche Zutaten bis auf das Sodawasser zugeben und zunächst einen „Dryshake“ ohne Eis durchführen. Anschließend für ca. 30 Sekunden mit Eis kräftig schütteln und doppelt ins mit Eiswürfeln gefüllte Glas abseihen. Zuletzt mit Sodawasser auffizzen.

Glas: Highball

Garnitur: Minzzweig oder alternativ keine

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online.

4 thoughts on “Breath of the South Wind

    • Hallo Martin,

      zunächst einmal einen ganz lieben Dank für das nette und auch motivierende Kompliment! Der End-of-Summer Cocktail ist tatsächlich sehr ähnlich und klingt auch sehr gut, die Idee, einen derartigen Drink mit frischen Pfirsichen zu mixen, ist natürlich sehr verlockend. Vielen Dank für den Link. Jetzt bin ich ja schon fast verlockt, den Drink umzubenennen und einfach einen End-of-Summer Silver Fizz draus zu machen. Aber andererseits weht der Südwind am Ende des Sommers sicherlich auch noch. 🙂

      • Eigentlich heißt er da ja ganz schnöde Whiskey Peach Smash.
        Breath of the South Wind gefällt mir viel besser und es sind schon für geringere Varianten neue Namen aufgetaucht. 🙂

        • Du hast recht, ich habe da einfach schlicht zu flüchtig den Titel gelesen. Und in der Tat würde Whiskey Peach (Silver) Fizz auch weniger hübsch klingen.

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