Pure Spirits: Plantation Original Dark & Knickerbocker Cocktail

Über den heutigen Rum habe ich in gewisser Weise bereits hier berichtet. Allerdings nicht direkt. Wer sich erinnert, der wird vielleicht an den Artikel über den Plantation Pineapple Stiggins‘ Fancy Original Dark zurück denken und bemerkt haben, dass das Wort „Original Dark“ hier bereits enthalten ist. Und zumindest der Plantation O.F.T.D. Overproof Rum sieht doch auch so ähnlich aus, oder etwa nicht? (Zugesandtes Testprodukt)

Klar, bei allen genannten Rums haben wir es mit dunklen Rums zu tun, wie es ja auch der Name in zwei der drei Fälle sagt. Jedoch ist im Rumsegment das mit der Farbe so eine Sache, denn wirklich verlässlich oder geschützt ist eine solche Farbeinteilung nicht. Und nachgeholfen werden darf sogar auch. Insofern ist diese Gemeinsamkeit zunächst mal nur eine augenscheinliche. An dieser Stelle möchte ich allerdings bereits darauf hinweisen, dass Plantation keine Farbstoffe verwendet, so dass hier also in allen drei Fällen tatsächlich durch Fassreifung entstandene Einfärbung vorliegt. Beim O.F.T.D. Overproof Rum enden dort allerdings auch schon weitestgehend die Gemeinsamkeiten, denn nicht nur weist der Overproof einen deutlich höheren Alkoholgehalt auf (der heutige Original Dark besitzt „nur“ 40% vol.), er besteht zudem aus Rums aus Jamaika, Barbados und Guyana. Beim heutigen Plantation Original Dark haben wir es hingegen mit einem Blend aus Trinidad und Jamaika-Rums zu tun. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass die Jamaikarumanteile ähnlich sind oder sogar aus den gleichen Fässern stammen, mehr ist aber nicht zu finden.

Anders beim Plantation Pineapple Stiggins‘ Fancy Original Dark, denn dieser mit Ananasschalen aromatisierte Rum ist auf der Basis des heute hier behandelten Plantation Original Dark hergestellt worden. Doch nun genug der Vergleiche, schauen wir noch einmal genauer hin. Die enthaltenen Trinidadrums wurden auf Column Stills (Säulendestillationsanlagen) gebrannt, repräsentieren also den vermeintlich milderen und blumigeren Anteil, während die für ihren hohen Estergehalt berühmten Jamaikarums im Plantation Original Dark kräftigere, fruchtige Noten mit einbringen. Beide Rums lagern vor der Vermählung für drei Jahre in ehemaligen Bourbonfässern, bevor sie dann noch einige Wochen in Frankreich im Chateau de Bonbonnet in ehemaligen Cognacfässern nachreifen dürfen. Eine Praxis, für die die Plantation Rums berühmt sind (und die ihnen meiner Meinung nach sehr gut zu Gesicht steht).

(Wie auch in vergangenen Artikeln sei noch einmal erwähnt, dass Plantation offen mit der Praxis einer kleinen Nachsüßung ihrer Rums umgeht – man vergleicht dies mit der traditionellen „Dosage“ in der Champagnerherstellung. Zwar ist dies beim O.F.T.D. Overproof Rum nicht der Fall, beim heutigen Plantation Original Dark Rum allerdings schon.)

Was für eine Figur gibt nun der Plantation Original Dark in der Purverkostung ab? Finden wir es heraus!

Tasting Notes:

Aroma: Man merkt schnell, dass man hier einen kräftigeren und voluminöseren Rum im Glas hat. Volle Rumtöne von braunem Zucker, Rosinen, Ananas, ein wenig Banane und Kokos zeigen sich in der Nase. Dennoch mildert der Trinidadrum das Gesamtbild ab, ohne es zu „verflachen“. Stattdessen finden sich auch blumige, harmonische Töne im Rum. Gewürze wie Zimt, Nelke und etwas Muskat sind ebenfalls erkennbar.

Geschmack: überraschend weich mit Noten von Vanille, Ananas, braunem Zucker und ganz feinen, subtilen Rauchassoziationen. Er wirkt nicht wie ein typischer „Süßrum“. Wieder etwas Zimt und Nelke und auch eine würzige Fassnote kommt durch. Ein schöner, dunkler Rum.

Abgang: Röstaromen, wieder etwas Ananas, Zuckerrohr, dabei leicht trocken.

Dank der wirklich guten Qualität dieses Produkts und des mehr als fairen Preises von rund 15 Euro bietet sich natürlich auch sein Einsatz in Cocktails an. Hier soll es heute einmal ein ganz klassischer Rumcocktail sein, der mir persönlich hervorragend gefällt und in dem – wie ich fand – der Plantation Original Dark ganz ausgezeichnet funktioniert: dem Knickerbocker. Wer die Zutatenliste dieses Cocktails liest, mag sich vielleicht ob der merkwürdigen Zutatenliste aus dunklem Rum, Himbeersirup, Orange Curacao und Limetten etwas wundern und vielleicht auch nicht unbedingt erwarten, dass das wirklich ein Klassiker sein soll, der Drink geht aber tatsächlich bis tief ins 19. Jahrhundert zurück und tauchte erstmals in „Professor“ Jerry Thomas „Bartenders‘ Guide or How to Mix Drinks“ aus dem Jahr 1862 auf (übrigens der historisch erste Cocktail, für den die Zugabe einer ausgedrückten Limettenhälfte ins Glas überliefert ist). Ich habe ihn allerdings etwas abgewandelt und war dabei vor allem von David Wondrichs Version beeinflusst. Im Originalrezept wird nach Santa Cruz Rum verlangt (heute würde man wohl vor allem goldenen Cruzan Rum nehmen, da er aus St. Croix von den Virgin Islands stammt), ich „dunkle“ den Drink also mit dem Plantation Original Dark etwas „ab“. Zudem ersetze ich Teile des Himbeersirups durch Chambord, was in diesem Cocktail einfach großartig funktioniert. Und anstatt Curacao habe ich den Créole Shrubb von Clément eingesetzt, der hier auch fantastisch passt. Es ist quasi durch und durch ein „französischer“ Knickerbocker Cocktail

Rezept „Knickerbocker“:

6 cl Plantation Original Dark Rum
1 cl Chambord
0,5 cl Himbeersirup
2 Barlöffel Clément Créole Shrubb
½ Limette

Zubereitung: Saft der halben Limette mit restlichen Zutaten in einem Shaker auf gestoßenem Eis kräftig schütteln. Die ausgepresste Limettenhälfte ins vorgekühlte Glas legen und den Inhalt des Shakers komplett (ohne durch ein Sieb zu „strainen“) darüber mit samt dem Eis gießen. Mit Beeren garnieren

Glas: Tumbler

Garnitur: ein paar frische Beeren (Himbeeren, Brombeeren und/oder Blaubeeren) und ein kleiner Löffel

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online.

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