Prescription Julep

Ok, auf den heutigen Artikel freue ich mich bereits seit einigen Tagen. Genauso, wie ich mich auch auf den thematisierten Drink jedes Mal freue, wenn ich ihn vorgesetzte bekomme oder ihn mir selbst zubereite. Es handelt sich dabei einmal mehr um einen echten Klassiker, der bis ins Jahr 1857 zurückgeht (im Mindesten) und der einfach genau das mitbringt, was ich an einem Cocktail liebe: das wunderbare Erlebnis, hochwertige Spirituosen in einer gelungenen Kombination mit raffiniertem aromatischen Twist zu genießen.

Gut, diese Beschreibung passt vielleicht nicht zu jedem Cocktail, bei einem Sour oder einem Tikipunch ist das geschmackliche Endergebnis dann doch oft weiter von den eigentlichen Basisspirituosen entfernt. Und trotzdem können sie exzellente Cocktails sein. Doch wer meinen Blog schon eine Weile verfolgt, der wird wissen, dass meine eigentliche Leidenschaft eher bei den etwas „puristischer“ angehauchten Drinks liegt. Allen voran bei den Juleps, Negronis und Old Fashioneds. Und da der heutige Drink ein Julep ist, ist hier also kein großes Rätselraten mehr vonnöten. Es geht um den Prescription Julep, einen Drink, dessen Rezept – wie eingangs bereits erwähnt – erstmalig im Jahre 1857 im „Harper’s New Monthly Magazine“ in gedruckter Form erschienen ist, einem Kultur- und Politmagazin, das auch heute noch in den USA erfolgreich existiert. Der Drink greift im Grunde die wesentlichen Elemente des klassischen Mint Juleps auf, setzt aber nicht auf Bourbon, sondern auf eine Kombination von Cognac und Rye Whiskey. Und spätestens hier bin ich bereits Feuer und Flamme. Natürlich bietet es sich bei einem solchen Cocktail an, auch entsprechend gute Zutaten zu verwenden. Als Cognac habe ich mich für den sehr schön passenden Pierre Ferrand Cognac 1840 Original Formula entschieden, der ja den Cognacs der Zeit des Prescription Juleps nachempfunden worden ist und somit natürlich hervorragend passt. Als Rye verwende ich hier gerne den Whistlepig, einen 100%-Rye, den ich mir einmal aus New York mitgebracht habe.

Ungewöhnlich an der hier verwendeten Rezeptvariante ist vielleicht die Kombination von Zuckerwürfel und Zuckersirup. Sie ist gewissermaßen zu einem Teil klassisch und zu einem Teil praktisch: der Zuckerwürfel nimmt unter dem Muddler sehr schön und intensiv die Aromen der Minzblätter auf, während ein wenig zusätzlicher flüssiger Zuckersirup verhindert, dass die Minze dabei völlig zerfetzt und somit bitter wird.

Eine Anmerkung zum Rezeptnamen: Dieser ist natürlich ironisch zu verstehen. Selbst im 19. Jahrhundert dürfte den Leuten klar gewesen sein, dass ein ärztliches Rezept (engl.: Prescription) eher selten nach diesem Drink als Heilmittel verlangt.

Rezept:

5 cl Pierre Ferrand Cognac 1840 Original Formula
1 cl + 1 Barlöffel Rye Whiskey (z.B. Whistlepig)
0,5 cl Zuckersirup
1 Zuckerwürfel
ca. 10 Minzblätter

Zubereitung: Zunächst Minze mit Zuckerwürfel und Zuckersirup vorsichtig im Silberbecher mit dem Muddler zerstoßen. Die Minze sollte dabei nicht völlig zerfetzt werden, darf sich aber durchaus mit dem Zuckerwürfel ein wenig in Minzzucker verwandeln. Nun die Spirituosen zugeben (einen Barlöffel Rye Whiskey zurückhalten) und den Silberbecher mit gestoßenem Eis füllen und kalt rühren. Dann zusätzliches gestoßenes Eis in den Becher geben und eine kleine Eiskuppel über dem Drink formen. Jetzt den Barlöffel Rye Whiskey über die Eiskuppel träufeln und mit Minze garnieren und etwas Puderzucker über Drink und Minze stäuben.

Glas: Silberbecher

Garnitur: Minze und Puderzucker

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online. Frische Minze kaufe ich gern in türkischen Supermärkten.

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