Black Tot Rum – Beet & Cane Alexander

Nach einer relativ stressigen, familiär stark eingebundenen und gesundheitlich recht wechselhaften Weihnachtszeit will ich heute hier im Blog das neue Jahr 2020 einläuten. Und das werde ich mit einer Flasche Rum tun, die einen großen Namen trägt. Denn wer Black Tot Rum in die meistbenutzte Suchmaschine dieses Erdballs eingibt, der wird zunächst von hochpreisigen Angeboten begrüßt, die z.T. an der 1000-Euro-Marke kratzen. Doch keine Sorge: der Rum, um den es heute geht, hat nichts mit diesem Preissegment zu tun. Wohl aber trägt auch er den Namen Black Tot Rum. Es wird also Zeit für etwas Aufklärungsarbeit. (zugesandtes Testprodukt)*

Auf dem Papier haben wir es zunächst einmal mit einem Verschnitt von Rums aus Barbados, Guyana und Jamaica zu tun, der mit 46,2 % abgefüllt wurde. Das Flaschenetikett klärt zudem darüber auf, dass die enthaltenen Rums sowohl auf Pot als auch auf Column Stills gebrannt worden sind. Außerdem – und das ist schon einmal sehr erfreulich – wurde auch den Prädikaten „unsweetened“ und „unchillfiltered“ ein prominenter Platz auf der Flasche zugestanden. Genauere Einzelheiten über die Destillen, aus denen die jeweiligen Rums für diesen Blend stammen, erfahren wir leider nicht (gut, im Falle Guyanas wird es die einzig noch verbliebene Demerara Distillers Limited sein). So weit, so gut, das Ganze klingt nach einem vielversprechenden, soliden und ansprechenden Blended Rum. Preislich liegt die Flasche bei ca. 40 Euro, was dann doch weit weg von den eingangs angesprochenen Preisen ist. Aber was hat es damit auf sich?

Nun, Black Tot Rum ist inzwischen der Name einer Standard-Rumabfüllung (eben der heute hier rezensierten) des Herstellers Elixir Distillers (welcher auch erst seit 2017 so heißt, zuvor firmierte man unter dem Namen Speciality Drinks). Man begann allerdings im Jahr 2011 mit dem Verkauf des Black Tot: Last Consignment Rums, welcher heute die eingangs erwähnten, sehr hohen Preise erzielt. Denn bei diesem Last Consignment Rum handelte es sich um Rum aus letzten Resten der Rumbestände, die die Royal Navy bis zum 31. Juli 1970, dem sogenannten Black Tot Day, an ihre Marinesoldaten als tägliche Rationen ausschenkte. Natürlich waren diese letzten Bestände bis zur Abfüllung durch Speciality Drinks inzwischen deutlich länger gereift und haben somit ein um ein vielfaches höheres Alter, als es damals die Matrosen vorgesetzt bekamen (zumindest die noch in Fässern gelagerten Reste). Ein Teil stammte jedoch aus bereits in Flaschen abgefülltem Rum. Wie dem auch sei: beim hier heute vorliegenden Black Tot Rum handelt es sich nicht mehr um einen Rum, der auf diesen Restbeständen basiert. Wohl aber hat er den Namen mit dieser ersten Abfüllung der Serie gemein und ist somit quasi eine flüssige Reminiszenz.

Wie gut sich diese nun aber bei der Verkostung schlägt, will ich im Folgenden herausfinden.

Tasting Notes:

Aroma: fruchtige Anklänge von gekochter Ananas und gebackener Banane, Honigmelone, dunkler Zuckersirup, dazu ein wenig Kokosblütenzucker, eine feine Vanille, Zimt, ein Hauch Muskat, dazu ein leicht kräutriger Einschlag mit Minzassoziationen. Das ist eine durchaus ansprechende Nase, gefällt mir sehr gut.

Geschmack: Oh ja, das hier ist ein ungesüßter Rum, keine Frage. Ich hatte tatsächlich angesichts der Nase irgendwie mit einem weniger trockenen Rum gerechnet, aber am Gaumen wird man dann eines anderen belehrt. Doch auch auf dieser Bühne weiß der Black Tot Rum durchaus zu glänzen. Ich muss an dunkles Karamell, Eichenholz und weihnachtliche Ingwerkekse denken, dann an Orangenschalen, Röstkaffee, Nelken und wieder an gebackene Bananen, Kokosnuss und eine Nuance frisch aufgeschnittener Pfirsiche, dabei kommen jedoch bestenfalls Assoziationen von Süße auf.

Abgang: Vanille, Karamell, Mango, Ananas und ein Hauch Aprikose, mittellang und eher trocken

Vielleicht hatte ich noch die Weihnachtstage im Hinterkopf, während derer man ja oft einen Hang zu Eggnogs, Creamcocktails oder derartigen Drinks hat, jedenfalls fiel meine Wahl auf einen Alexander Cocktail. Dabei wollte ich die reichhaltigen Frucht- und Gewürznoten des Black Tot Rums mit dunklem Zuckerrübensirup auf eine ganz neue Stufe heben (was auch hervorragend funktioniert), zudem schwebte mir eine Nuance von Aprikosen(kernen) vor, die ihren Weg in Form eines guten Apricot Brandy in den Drink findet. Auch wenn eigentlich keine Bitters in einem klassischen Alexander vorkommen, habe ich doch einen kleinen Dash Chocolate Bitters hinzugegeben – und es macht wirklich einen Unterschied! Assoziationen von Sachertorte sind dabei rein zufällig. Da es ein Alexander ist, er auf Melasserum basiert, aber auch mit Zuckerrübensirup aufwartet, hört der Drink auf den Namen Cane & Beet Alexander.

Rezept „Cane & Beet Alexander“:

5,5 cl Black Tot Rum
2,5 cl flüssige Sahne
1,5 cl Apricot Brandy
2 Barlöffel Zuckerrübensirup
1 Dash The Bitter Truth Chocolate Bitters

Zubereitung: Alle Zutaten im Shaker zunächst mit dem Rührlöffel rühren, bis sich der Zuckerrübensirup auflöst. Dann auf Eis schütteln und – ggf. doppelt – ins vorgekühlte Glas abseihen.

Glas: Coupette / Cocktailglas

Garnitur: geriebene Muskatnuss

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.