Minor Case Straight Rye Whiskey & Oriental Spice Fashioned

Wer sich mit amerikanischem Whiskey beschäftigt, für den führt fraglos kein Weg am Namen „Beam“ vorbei. Dass man es hier mit einer traditionsreichen Familie von Brennmeistern zu tun hat, ist außerhalb der USA nicht unbedingt jedem klar, der nur flüchtig mit der Materie zu tun hat. Denn der Name Jim Beam hat sich als Markenname eines nicht allzu teuren und überall verfügbaren Bourbons ins kollektive Bewusstsein eingebrannt. Doch die Familie Beam hat wesentlich mehr hervorgebracht als nur jenen Massenwhiskey. (zugesandtes Testprodukt)*

Wer sich mit der Familie Beam beschäftigen möchte, hat sich allerdings auch durchaus etwas vorgenommen, denn die Verzweigungen der Verwandtschaftsbeziehungen ist recht beachtlich. Und längst nicht alles, was von einem Mitglied der Beam-Familie hergestellt wird, wird unter dem Namen Beam auch verkauft – oder überhaupt von Beam Inc. vertrieben.

So habe ich heute eine Flasche vor mir, die auf den Namen Minor Case Straight Rye Whiskey hört. Der Name lässt entsprechend nicht ahnen, dass auch hier einige Beams ihre Finger im Spiel haben. Auch bei näherer Betrachtung des Flaschenetiketts weist noch nichts darauf hin, denn dort erfahren wir nur, dass es sich um einen Whiskey aus der Limestone Branch Distillery in Lebanon, Kentucky handelt. Recherchiert man nun aber, wer die Köpfe hinter dieser erst 2012 an den Start gegangenen Distillery sind, dann stößt man auf die Namen Steve und Paul Beam. Diese wiederum entstammen der Familienlinie eines gewissen Minor Case Beams (ja, er hieß tatsächlich so), der wiederum ein Nachfahre des legendären Gründervaters Jacob Beams ist. Jener Minor Case – genannt MC – Beam arbeitete im ausgehenden 19. Jahrhundert zunächst unter der Ägide seines Onkels Jack Beam in der Early Times Distillery und später dann in der in Head and Beam Distillery umbenannten Gethsemane Distillery.

Wem das jetzt zu verwirrend war, den kann ich beruhigen, denn ich habe nicht vor, hier noch weitere genealogische Ausführungen zu platzieren und möchte stattdessen lieber einen näheren Blick auf die Flasche werfen.

Der Minor Case Straight Rye Whiskey wurde – so verrät es bereits das Frontetikett – in ehemaligen Sherry Fässern nachgereift. Was im Scotch-Bereich niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlockt, ist bei amerikanischem Whiskey durchaus noch eine Seltenheit. Die Basis des Minor Case Rye ist ein dabei ein zwei Jahre alter Whiskey. Abgefüllt wurde der Whiskey mit 45% vol. Dann wollen wir doch mal sehen, wieviel vom Motto des Namenspatrons in dieser Flasche zu finden ist: „Craft only the finest whiskey.“

Tasting Notes:

Aroma: Ja, das ist fraglos ein Rye Whiskey hier im Glas, aber doch merkt man von Beginn an, dass es kein ganz klassischer ist. Zwar sticht auch beim Minor Case zunächst eine distinktive Gewürzladung hervor (Zimt, Muskat, etwas Nelke), wird aber – ebenso von Beginn an – von ungewöhnlichen, weinigen Noten dunkler Früchte begleitet (v.a. Kirschnoten). Das Sherryfass macht sich also klar bemerkbar. Eichenholz, Karamell und Vanille sind ebenfalls mit von der Partie und bereits während der ersten Minuten des Tastings bemerkte ich, wie ich ihn mir in einem Manhattan vorstelle. Die fruchtigen Noten gefallen mir ausgesprochen gut.

Geschmack: Die 45% vol. fallen sehr sanft aus, Alkohol macht sich kaum bemerkbar, wohl aber bringt er jede Menge Gewürze mit sich. Auch hier vermischt sich ein „typischer Rye“ mit dunklen Fruchttönen zu einem interessanten und ansprechenden Geschmacksbild. Ich habe vor einiger Zeit einmal einen im Portweinfass nachgereiften Bourbon verkostet, an welchen ich mich hier ein wenig erinnert fühle – auch wenn wir hier ja ein Sherry-Fass-Finish vorliegen haben. Erneut: im Zusammenspiel mit einem Wermut wird man hier wohl ein tolles Ergebnis erzielen können.

Abgang: Vor allem Zimt, Muskat und etwas weißer Pfeffer bleiben zurück, verbunden mit etwas Kirsche und Himbeere, dazu eine recht lang anhaltende Süße.

Ja, in einem Manhattan funktioniert dieser Rye ganz wunderbar! Aber ich habe diesen Drinkklassiker hier bereits in der Vergangenheit vorgestellt und möchte daher etwas Neues anbieten. Es existieren ja recht viele Parallelen zwischen Barhandwerk und Kochkunst, insbesondere bei der Verwendung von Kräutern, Gewürzen und allgemein mit Blick auf mögliche Geschmackskombinationen. Aber während in der Küche Gewürzmischungen einen großen Stellenwert genießen, finden diese hinter der Bar eher selten Verwendung. Meist wird sich auf ein oder zwei Gewürze oder Kräuter in einem Drink (bspw. in einem Smash) beschränkt und das war es dann. Heute wollte ich aber einmal gezielt mit einer ganzen Ladung an Gewürzen um die Ecke kommen, um zusammen mit einem Syrah-Rotwein daraus einen Sirup zu kochen. Dieser begleitet schließlich in meinem Oriental Spice Old Fashioned den Minor Case Straight Rye Whiskey und lädt auf eine würzig-komplexe Reise ein. Für die Gewürzmischung habe ich eine ganze Reihe von Gewürzen zunächst in einer Pfanne angeröstet, dann gemahlen, daraus einen Gewürzweinsirup gekocht und schließlich feine Partikel durch ein Filtertuch herausgefiltert.

Rezept „Oriental Spice Fashioned“:

6 cl Minor Case Straight Rye Whiskey
2 Barlöffel Syrah-Gewürzsirup (s.u.)
2 Dashes By the Dutch Classic Bitters

Syrah-Gewürzsirup: Zunächst für die Gewürzmischung:

  • 8 grüne Kardamomkapseln
  • 1 Teelöffel Bockshornkleesamen
  • 1 Esslöffel Fenchelsamen
  • 2 Esslöffel Koriandersamen
  • 1 Esslöffel Kreuzkümmelsamen
  • 1 Zimtstange
  • ½ Teelöffel weiße Pfefferkörner
  • 6 Gewürznelken

In einer Pfanne über mittlerer Hitze anrösten, bis die Gewürze zu duften beginnen. Dann in einer Gewürzmühle grob mahlen. Schließlich einen gehäuften Barlöffel der Gewürzmischung auf jeweils 100 ml Syrah und 150 g Zucker in eine Pfanne geben und verrühren. So lange köcheln lassen, bis eine Sirupkonsistenz entstanden ist. Diese schließlich durch ein feines Filtertuch gießen, um Gewürzpartikel herauszufiltern, dann abkühlen lassen.

Zubereitung: Alle Zutaten in ein Glas auf massives Eis geben und kurz verrühren. Schließlich mit dem Öl einer Mandarinenzeste besprühen.

Glas: Tumbler

Garnitur: Mandarinenzeste

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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