Gear Dry Gin

Auch wenn ich hier durchaus den Anspruch verfolge, einen umfänglichen Überblick über aktuelle, interessante Abfüllungen mit Rezensionen inklusive passender Drinkvorschläge liefern zu können, so ist es natürlich für einen Blogger nicht möglich, der gesamten Bandbreite des Spirituosenmarktes auch nur im Ansatz gerecht zu werden, geschweige denn, mit der Zahl neu „gelaunchter“ Produkte Schritt zu halten. Auf kaum ein Spirituosensegment trifft dies mehr zu als auf das des Gins. (zugesandtes Testprodukt)*

Die Flasche, um die es heute geht, ist einmal mehr ein Gin. Er stammt aus der Odenwaldregion und hört auf den Namen „Gear“. Gebrannt wird er in der Edelobstbrennerei Thomas Helferich, wobei es sich dabei nicht um ein Produkt handelt, welches von Helferich selbst entworfen wurde. Vielmehr haben wir es hier einmal mehr mit einer im Ginsegment inzwischen sehr typischen Geschichte zu tun, bei der Externe mit einem Konzept bzw. einer Vorstellung ihres eigenen Gins an eine Brennerei herantreten und diese beauftragen, ihr Destillat umzusetzen. Der externe Kopf hinter dem Gear Gin ist dabei Marcel Gassert, der u.a. auch hier hinter dem (z.T. viel und deutlich kritisierten) Boilerrum-Projekt steht.

Name und Logo des Rums sollen sinnbildlich dafür stehen, dass bei einem guten Gin alles, wie bei kleinen Zahnrädern, ineinander greifen muss. Naja.

Die Flasche ist im Stile einer Parfümflasche designt, was mir hier dann wiederum gut gefällt.

Gebrannt wird der Gin dreifach nach der sog. Slow Separated Distillation (SSD)-Methode in einer Kupferbrennblase. Hierbei wird die Temperatur nur sehr langsam erhöht, wodurch man möglichst viele Aromen aus den Botanicals zu gewinnen hofft. Stichwort Botanicals: verwendet wurden neben Wacholder auch Lavendel, Orange, Zitrone, Pomelo, Holunder, Zimt, Himbeerblatt, Drachenfrucht, Weiße Minze, Cayenne-Pfeffer und zwei geheime Zutaten. Abgefüllt wird schließlich mit 43% vol.

Tasting Notes:

Aroma: Tatsächlich wirkt dieser Gin von Anfang an ungewöhnlich und unterstreicht den New Western Dry-Charakter. Frucht- und Beerennoten stechen hervor, ich finde vor allem Zitrone und Holunder, habe der Botanicalliste zum Trotz Assoziationen von Kirschen, aber auch von Himbeeren und von, nunja, Kaugummi. Ich weiß nicht, ob es die Drachenfrucht ist, die mich an Kaugummi denken lässt, aber der Eindruck ist da. Mit der Zeit tritt noch etwas Orange hervor, der Wacholder ist zwar zugegen, bleibt aber sehr subtil.

Geschmack: Am Gaumen bestätigt der Gear Gin im Grunde diese Eindrücke. Holunder-, Citrus- und Beerentöne, wieder etwas Kaugummi und dahinter leicht kräutrige Töne. Der Schwerpunkt liegt hier aber ganz klar auf der Fruchtkomponente, Wacholdernoten sind nur ein hintergründiger Beiklang. Einmal mehr ein Gin – wie bei vielen New Western Dry Gins – den ich vor zehn Jahren wohl nicht sofort als Gin erkannt hätte.

Abgang: fruchtig, dabei mittellang bis kurz

Tja, heute komme ich einmal ohne Cocktailrezept aus. Nicht etwa, weil man den Gear Gin nicht in einem Drink einsetzen könnte, nein, im Grunde hatte ich mehr Lust darauf, einmal einen etwas ungewöhnlicheren Gin & Tonic zu mixen. Dabei habe ich mich vom Flair des Zahnrades inspirieren lassen und einen G&T mit industriellem Charme ausprobiert: durch das mit Aktivkohle gefärbte Weisswange Black Tonic Water kommt der Gin & Tonic mit einer sehr ausgefallenen Farbe daher. Es handelt sich aber nicht nur um eine optische Entscheidung, sondern auch um eine geschmackliche. Das Weisswange Black Tonic Water ist ein sehr trockenes, eher zurückhaltendes Tonic, das süßlichen und fruchtigen Gins (insbesondere New Western Dry Gins) Raum zur Entfaltung bietet. Mit zwei Dashes Orange Bitters war ich sehr zufrieden. Und falls die Zahnräder dieser geschmacklichen Komposition nicht jedem auf Anhieb zusagen, kann man ja mit einem Schraubenschlüssel noch etwas nachjustieren.

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online, z.B. bei Conalco.

*Die Flasche für dieses Review wurde mir von der Conalco Spirituosen UG zur Verfügung gestellt. Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet jedoch nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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