Pure Spirits: Prototyp 2.0 London Dry Gin & Thomas Henry Coffee Tonic

Entgegen aller Unkenrufe ist und bleibt Gin das Trendgetränk dieser Tage. Kaum eine Thematik erfreut sich bei Tastingseminaren in der Breite einer solchen Beliebtheit, kaum eine Spirituosengattung bringt gefühlt fast täglich neue Marken hervor. Und vor diesem Hintergrund entsteht auch manch ein skurriler Trend, der dann schließlich noch skurrilere Stilblüten treibt. (zugesandtes Testprodukt)*

Im Mittelpunkt meines heutigen Augenmerks steht der Prototyp 2.0 London Dry Gin aus dem Hamburger Hause Heinr. Von Have (vom gleichen Hersteller stammt auch das sehr schöne Amber Falernum, welches ich erst kürzlich rezensiert habe). Der Marketingrahmen dieses Produkts erzählt einmal mehr die Geschichte vom alten, gewissermaßen lang verschollenen Rezept, welches wiederentdeckt und für exzellent befunden wurde und somit ein neues Produkt an den Start gebracht hat. Entsprechend wurde im Hause von Have gemäß hauseigenem Narrativ am 10. Dezember 1958 erstmalig ein Gin gebrannt, um dann im Jahr 2015 – wieder neu entdeckt – zum vorliegenden Prototyp 2.0 Gin zu werden. Man setzt in puncto Botanicals hier voll auf Bioqualität und gibt auch Auskunft über den Basisalkohol, der aus (ebenfalls aus ökologischem Landbau stammenden) Weizendestillat hergestellt worden ist.

Das Flaschendesign ist sehr ansprechend und man gibt sich durchaus sehr viel Mühe, auf dem Etikett der blauen Glasflasche möglichst viele Informationen zum Inhalt anzugeben. So werden die Destillationsdaten von Rau- und Feinbrand, das genaue Biozertifikat und sogar die Alkoholstärke nach der Destillation und vor der Verdünnung auf Trinkstärke angegeben. Zudem ziert die Flasche eine technische Zeichnung der hauseigenen Kräuter-Brennblase, auf der man eben jenen Ur-Gin im Jahre 1958 herstellte. Abgefüllt wird schließlich mit vielversprechenden 47,5 % vol. Eine Flasche (0,5l) kostet ca. 40 Euro.

Tasting Notes:

Aroma: Wow, das ist tatsächlich ein richtig aromatischer Gin in meinem Glas, von dessen Intensität ich doch sehr überrascht bin. Ein schöner, ausgeprägter Wacholder steht einer sehr starken Zitrusnote gegenüber, ohne dass dieser Gin auf der einen oder anderen Seite eine Schlagseite bekommen würde. Erdig und würzig mit etwas Grapefruit und Orange im Hintergrund zeigt der Prototyp 2.0 Gin ein sehr schönes Geruchsbild, an dem man viel Freude haben kann.

Geschmack: Auch hier ein sehr schöner und komplexer Eindruck. Natürlich Wacholder, natürlich Zitrusfrucht (eher in Richtung Zitrone als Limette), dazu ein Hauch Anis vor floralen Tönen mit Ingwer und etwas Menthol im Hintergrund. Ein sehr schöner Gin, der nicht zu ausgefallen ist und dennoch ein komplexes, sehr schönes Trinkerlebnis bietet. Meinen Respekt an das Haus Heinr. von Have!

Abgang: lang, trocken und aromatisch

Eingangs sprach ich von skurrilen Trends im Zusammenhang mit Gin und auch wenn ich hier im Blog erst spät bis sehr spät darauf eingehe, so denke ich dabei doch vor allem an die – für mich – unsäglichen Kaffee-Gin & Tonics. Was in diversen Magazinen als Trendgetränk gefeiert worden ist, kann mich tatsächlich überhaupt nicht hinterm Ofen hervorlocken. Umso skeptischer war ich, als ich neulich erstmals ein „Thomas Henry Coffee Tonic“ in den Händen hielt, welches als Special Edition bereits auf dem Bar Convent Berlin in diesem Jahr erstmalig vorgestellt wurde. Tja, ich will ehrlich sein: Ich habe es probiert, pur und mit Gin und pur schmeckt er mir deutlich besser – tatsächlich sogar sehr gut. Es enthält ungefähr so viel Koffein wie eine Tasse Espresso und die Kombination aus bitterem, spritzigen Tonic mit röstig-aromatischen Kaffeenoten funktioniert wirklich gut. Nur Wacholder fehlt mir einfach nicht in dieser Kombination, aber da stoße ich auch vielleicht einfach nur an eine subjektive Geschmacksgrenze. Mir gefällt der Prototyp 2.0 London Dry Gin jedenfalls deutlich besser mit einem klassischen Tonic. Es darf auch ein weniger süßes sein, wie z.B. das Thomas Henry Slim Tonic.

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online.

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt von Heinr. von Have zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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