Pure Spirits: Needle Blackforest Dry Gin

Kürzlich erreichte mich ein Paket mit einer Flasche Gin darin. Neugierig schaute ich hinein und stellte fest, dass es sich abermals um einen Gin aus dem Schwarzwald handelt, der angetreten ist, seinen Platz im hart umkämpften deutschen Ginmarkt zu erobern. Und natürlich darf auch hier einmal mehr die Besonderheit eines bestimmten „Botanicals“ nicht fehlen, mit welchem der Needle Blackforest Gin direkt im Namen aufwartet: Die Gemeine Fichte. (Zugesandtes Testprodukt*)

Picea abies, wie der Botaniker sagt, ist ein Nadelbaum aus der Gattung der Fichten, wie ich dank Wikipedia in Erfahrung bringen konnte (man hätte es irgendwie auch so erahnen können). Und natürlich sind es die Nadeln dieses Baumes, die als Zutat in den Needle Gin mit eingegangen sind. Der Hersteller wirbt damit, dass es vor allem der Geruch jener Gemeinen Fichte bzw. ihrer Nadeln sei, der einen beim Spaziergang durch den Schwarzwald so typisch in die Nase ströme. Leider kann ich das wenig beurteilen, da ich – Asche auf mein Haupt – bis dato noch nicht im Schwarzwald gewesen bin (lediglich mehrfach daran vorbei gefahren). Dennoch mag ich den Geruch von Fichtennadeln persönlich sehr gerne und bin hier zunächst einmal positiv gestimmt.

Was mich zunächst etwas skeptisch hat werden lassen (muss ich zumindest gestehen) war der doch recht günstige Preis von 12 Euro, die der Hersteller in seinem Onlineshop für eine 0,5-Liter-Flasche aufruft. Doch dann musste ich mir einmal mehr in Erinnerung rufen, dass die inzwischen als „normal“ empfundenen Preise auf dem Ginmarkt alles andere als indiskutabel sind und hier schon die eine oder andere Debatte in diversen Spirituosenforen tobte. Letztlich wäre ein Preis von 12 Euro für eine 0,5-Liter-Flasche vor 10 Jahren noch relativ normal bis sogar leicht gehoben gewesen. Warum also die Qualität am Preis festmachen? Gut, es gibt schon plausible Gründe einiger Hersteller, warum ihre Botanicals dann doch zu einem deutlich über dem Preis dieser Flasche liegenden Gesamtpreis führen. Dass man hier ausschließlich frische und handverlesene Botanicals für die Herstellung verwendet, kann ich mir also nicht ganz vorstellen. Es handelt sich auch nicht um einen London Gin, sondern lediglich um einen Distilled Gin, was auch naturidentische Aromastoffe erlaubt. Trotzdem gebe ich dem Gin die gleiche Chance, die eigentlich (fast) jeder Gin verdient.

Der aus der Bimmerle-Distillery in Achern (aus der übrigens – Achtung – auch der viel diskutierte Lidl Schwarzwald Gin stammt) stammende Needle Blackforest Gin führt folgende Botanicals auf: Wacholder, Fichtennadeln, Lavendel, Ingwer, Zitronen und Orangen (ob frisch oder lediglich ihre Schalen oder gar nur ein Extrakt konnte ich nicht in Erfahrung bringen), Piment und Zimt. Hinzu kommen noch drei weitere, geheime Botanicals. Aber lassen wir die meiner Meinung nach recht ansprechende Botanicalliste doch einmal beiseite und schauen, was sich im Needle Gin so alles finden lässt. (Das Rezept zu diesem Gin soll laut Hersteller angeblich auf das Jahr 1799 zurückgehen. Was sich da im Besonderen hinter verbirgt, weiß ich nicht. Meist hat man bei solchen Marketingangaben irgendein altes Rezept, das mit dem heutigen Destillat eher wenig zu tun hat und führt dies lediglich als Werbeverweis an. Aber, wie gesagt, Einzelheiten hierzu sind mir nicht bekannt.) Anzumerken ist, dass es vermutlich eine nahe Verwandtschaft zwischen diesem Gin und dem viel diskutierten Gin des Lidl-Discounters gibt. Ich habe diese Hintergründe bei der Verkostung versucht auszublenden.

Tasting Notes:

Aroma: Tatsächlich macht der Needle Gin seinem Namen alle Ehre, denn er trumpft definitiv mit einer sehr prägnanten Fichtennadelnote auf. Wacholder ist ebenfalls mit von der Partie, bleibt jedoch etwas hinter den Fichtentönen zurück, verbindet sich aber sehr harmonisch mit selbigen. Zitrustöne (Zitrone und Orange) und Assoziationen von Rosmarin sind da. Ein kleiner Kritikpunkt: Auch nach mehreren Minuten des Riechens entdecke ich kaum tiefergehende Vielschichtigkeit. Das Aromenbild bleibt konstant, durchaus auch ansprechend dabei, bietet aber keine sensorische Entdeckungsreise mit überraschenden Wendungen.

Geschmack: Kräftig und würzig kommt der Needle Gin am Gaumen daher. Er bietet eine volle Fracht „Wald“: Fichtennadeln, Wacholder, moosige Töne und eine durchaus schöne, nicht zu stark ausgeprägte Süße dazu. Die Zitrusnoten bleiben hier eher im Hintergrund. Leider verflacht der Gin etwas schneller, ein wenig mehr Alkoholgehalt hätte ihm wohl gut getan. Trotzdem bin ich durchaus positiv überrascht. Es ist kein allzu kapriziöser Gin, aber geschmacklich ein solider. Bei dem Preis muss man das sehr wohl anerkennen, auch wenn natürlich der fade Beigeschmack der Frage übrig bleibt, wieso dieser Gin derartig günstig verkauft werden kann, zeitgleich aber mit deutlich teureren Gins qualitativ konkurrieren will?

Abgang: trocken, würzig und immer wieder Fichtennadeln.

In einem Gin & Tonic kann ich mir den Needle Gin ebenfalls sehr gut vorstellen. Hier würde ich zu einem klassischen Tonic greifen (Goldberg, Fever Tree o.ä.) oder vielleicht dem Mediterranean Tonic von Fever Tree.

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online. In einigen Gegenden Süddeutschlands kommt der Needle Gin auch ins Regal ausgewählter Supermärkte. Der Needle Gin wird mit 40% vol. abgefüllt.

*(Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.)

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