Pure Spirits: Feiner Kappler Edelbrände & Feiner Kappler Grüne Nuss-Likör

Die heutigen Spirituosen führen uns nach Baden-Württemberg, genau genommen ins idyllische badische Achertal am Rande des Schwarzwaldes, wo das beschauliche Örtchen Kappelrodeck liegt. Für deutsche Verhältnisse mit relativ viel Sonnenschein gesegnet, wachsen in der Region seit jeher verschiedene Obstsorten auf Streuobstwiesen. Kein Wunder also, dass das Brennereihandwerk dort eine lange Tradition hat, die sich natürlich insbesondere auf Obstbrände konzentriert. Im heutigen Artikel möchte ich daher Eine Reihe von Bränden aus der Region vorstellen und auf Herz und Nieren überprüfen. (zugesandte Testprodukte)

Die Brände, von denen ich spreche, sind ausgewählte Obstbrände aus der Reihe „Feiner Kappler“, die in Kappelrodeck (wonach sie benannt wurden – Einwohner nennen ihr Dorf auch gern „Kappel“) von Axel Baßler hergestellt werden. Axel führt einen Obst- und Weinbauhof in vierter Generation und hat die Arbeit auf einem Bauernhof von klein auf gelernt. Dabei ist das Brennereihandwerk nicht von Anfang an von der Familie betrieben worden, sondern entstand erst in den Nachkriegsjahren. Wie in weiten Teilen des Landes blühte auch der aus der Not geborene Tauschhandel im Achertal auf und es verschaffte einem natürlich einen klaren Vorteil für die eigenen Tauschaussichten, Alkohol aus Obst zu brennen und als Tauschgut einzusetzen. Axel Baßler erzählt zudem die Anekdote, dass sein Vater beim Bau seines Hauses auf dem ehemaligen Hühnerhof des Guts ein altes Kupferbrenngerät im Erdboden ausgegraben hat, was kurzerhand als Zeichen gedeutet wurde und der Einstieg ins Brennereihandwerk beschlossene Sache war.

So weit, so gut. Was für mich zunächst einmal wichtig und von besonderem Interesse ist, ist der Verzicht auf jegliche Zugaben von Aromen zu den Bränden und Likören aus der Feiner Kappler-Reihe. Das deutsche Recht sieht für Obstbrände leider kein pauschales Verbot von Zuckerung fertiger Destillate vor, so dass man hier schon einmal genau hinschauen muss. Axel Baßler distanziert sich auf seiner Webseite eindeutig von diesem Gesetzesrahmen und garantiert die unverfälschte Charakteristik seiner Brände. Zumindest auf dem Papier schonmal ein klarer Pluspunkt!

An dieser Stelle ist es vielleicht noch einmal sinnvoll, darauf einzugehen, was eigentlich ein Obstbrand ist. Für die Herstellung von Obstbränden werden bestimmte Obstsorten (je nach gewünschtem Destillat) gemaischt, also mit bestimmten Hefepilzen versetzt, um so eine alkoholische Gärung in Gang zu bringen. Dabei spielt es vor allem eine große Rolle, wie der Zuckergehalt der Früchte ist, denn von diesem hängt maßgeblich der Alkoholgehalt ab, der sich in diesem Prozess erzielen lässt. Das ist insbesondere bei solchen Früchten maßgeblich, die nicht genug Zucker mit sich bringen, um mit Hilfe von Hefen zu einer gärenden Maische zu werden. Hier liegt auch der oft erfragte Unterschied zwischen Obstbränden und Obstgeisten: Bei Obstgeisten wird bereits destillierter Alkohol mit Früchten versetzt bzw. diese müssen im Alkohol mazerieren, da sie selbst nicht genügend Zucker aufweisen. Unter den Flaschen der Feiner Kappler-Reihe finden sich jedoch keine Obstgeiste, sondern hier haben wir es ausschließlich mit Bränden zu tun, deren Grundlage eben die Maische aus der jeweiligen Obstsorte selbst bildet. Auf den weiter unten ebenfalls vorgestellten Likör aus der grünen Nuss gehe ich dort noch einmal separat ein. Die Brände und Liköre kommen allesamt in für Obstbrände recht typischen, schlanken Flaschen im eleganten Design daher. Obwohl manche Obstbrände ja als etwas angestaubte Spirituosengattung wahrnehmen, muss ich gestehen, dass ich schon immer ein Fan solcher Designs war und auch die Feiner Kappler-Flaschen gefallen mir wirklich ausgesprochen gut (etwas nervig fand ich allerdings die Schutzfolie um den Schraubdeckel, diese ließ sich nur etwas widerspenstig entfernen). Letztlich glaube ich ohnehin, dass Obstbrände und –geiste gerade im Kontext der Bar- und Cocktailszene in den nächsten Jahren noch einen deutlichen Schub nach vorne hinlegen werden. Verschiedene Einsatzmöglichkeiten in Cocktails werde ich in zukünftigen Artikeln noch vorstellen.

Soviel erstmal zur Vorgeschichte bzw. zum Hintergrund, Zeit, den einzelnen Abfüllungen einmal etwas genauer nachzuspüren und vor allem die Frage zu beantworten, wie sie sich im Tasting schlagen:

Feiner Kappler Zwetschge Edelbrand

Dieser Zwetschgenbrand weist zunächst auf seinem Etikett eine Goldmedaille auf, die er bei den Baden Best Spirits Awards 2014 gewonnen hat (zudem eine Silbermedaille 2016 und eine Bronzemedaille 2012). Ebenfalls informiert uns das Etikett, dass wir es mit einem zweifach auf Kupferbrennblasen destillierten Produkt zu tun haben, was durch die doppelte Destillation eben auch eine gewisse Sanftheit verspricht. Als Rohstoff für den Zwetschgenbrand setzt Axel Baßler auf die Bühler Frühzwetschge, eine alte Zwetschgensorte, deren erstmalige Züchtung auf das Jahr 1840 zurückgeführt werden kann. Der Zwetschgenbrand wird mit 42% vol. abgefüllt.

Tasting Notes:

Aroma: Schöne, tiefe Pflaumentöne steigen in die Nase, Assoziationen von Quark- oder Milchdesserts mit filigraner Vanille kommen mir ebenfalls. Zudem finde ich auch die vom Hersteller ausgewiesene Mandel und die Zimtaromen. Mit der Zeit steigen auch Nuancen von ein wenig Wasserminze, Süßkirschen und Erdbeeren auf (sehr subtil, natürlich kein Vergleich zur Pflaume), ganz feine Zitrusnoten und etwas Früchtekompott bilden den Abschluss.

Geschmack: Auch geschmacklich dominiert erwartungsgemäß die Zwetschge, eingerahmt von frischen Zitrusideen und Gewürzen. Der Alkohol bleibt dabei für 42% verhältnismäßig subtil und trägt die Aromen des Brandes sehr schön. Gefällt mir ausgesprochen gut. Auch hier zeigt sich ein wenig Mandel und ganz subtile Kirsche.

Abgang: fruchtig, trockener werdend, lang anhaltend

Feiner Kappler Mirabell Edelbrand

Auch hier haben wir es mit einem zweifach destillierten Obstbrand zu tun, der mit 42% vol. abgefüllt wird. Die Basis wird hier von der sogenannten Nancy Mirabelle gestellt, die erstmalig während des 18. Jahrhunderts aus Asien nach Europa bzw. nach Deutschland eingeführt worden ist. Sie ist an den roten Bäckchen auf den mit Pflaumen verwandten Früchten zu erkennen und zeigt dem Mirabellenkenner unmissverständlich an, womit er es zu tun hat (nur um Missverständnissen vorzubeugen: ich habe diese Hintergründe natürlich recherchiert, es wird wohl kaum jemanden wundern, dass ich kein „Mirabellenkenner“ bin.) Auch der Mirabellenbrand gewann zwei Goldmedaillen in den Jahren 2012 und 2014 und eine Silbermedaille im Jahr 2016 bei den Baden Best Spirits Awards

Tasting Notes:

Aroma: Nach dem Verkosten des Zwetschgenbrandes erahnt man beim zweiten Brand allmählich den Brennereicharakter des Hauses Baßler / Feiner Kappler. Auch hier zeigt sich eine mich an Milch- und Quarkdesserts erinnernde Charakteristik in der Nase, die allerdings zunächst von einer schönen, frisch-fruchtigen Mirabelle angeführt wird. Auch die für die Destillation von Steinobstsorten typische Mandelnote ist wieder anzutreffen, der Mirabellenbrand fällt jedoch deutlich leichter und floraler aus.

Geschmack: Süß und fruchtig trumpft die Mirabelle auf, begleitet von Mandeltönen und ein wenig Gewürz (Zimt, Muskat). Auch hier kommen leichte Ahnungen von Zitrusaromen mit der Zeit auf, die dann aber auch von einer kernigeren, herberen Note aufgefangen werden.

Abgang: leicht, floral, fruchtig

Feiner Kappler Kirsch Edelbrand

Dieses Kirschwasser wurde – wie die anderen beiden Brände auch – zweifach destilliert und aus zwei verschiedenen Kirschsorten hergestellt. Sie hören auf die Namen Dollenseppler und Bejaminler. Auch hier wird das fertige Destillat auf 42% vol. herabgesetzt und anschließend abgefüllt. Mir persönlich sagen die Kirschsorten nichts, aber sollte ich einmal die Gelegenheit haben, bei einem Kirschtasting zugegen zu sein, werde ich da noch einmal gezielt nachhaken. Bei den Baden Best Spirits Awards sprang eine Goldmedaille im Jahr 2014 und eine Silbermedaille im Jahr 2016 für diesen Brand heraus.

Tasting Notes:

Aroma: Ich muss zugeben, in der Nase hat mich der Kirsch Edelbrand zunächst ein wenig enttäuscht. Hier hätte ich mir eine deutlichere Kirschnote erhofft. Sie ist zwar da, aber man braucht eine Weile, bis sie sich Bahn bricht. Während meiner Verkostung kam zufällig meine Frau vorbei und fragte mich, was in dem Glas sei. Ich sagte ihr „Ein Obstbrand“ und als sie dann am Glas roch, gelang es ihr nicht, diesen der Kirsche zuzuordnen. Sie ist sicherlich weniger geübt in der Verkostung von Spirituosen und beschäftigt sich i.d.R. nicht mit der Anfertigung von Tasting Notes, aber dennoch beschreibt dieses Vorkommnis ein wenig das Problem, was ich hier auch sehe. Was hingegen sofort da ist, ist der oben beschriebene Destillencharakter, ausgeprägte Mandelaromen und tatsächlich etwas Schokolade. Mir gefällt der Kirsch Edelbrand, aber ich hätte hier eher einen Mischobstbrand vermutet.

Geschmack: Am Gaumen ist die Kirsche deutlich präsenter, verschwimmt aber auch hier recht stark mit den ausgeprägten Mandelaromen. Es geht stark in Richtung einer Amarenakirsche, was mir aber gut gefällt. Auch hier sind flüchtige Schokoladentöne zugegen und eine gewisse Zitrusfrische.

Abgang: aromatisch, lang, sehr angenehm

Feiner Kappler Trester Edelbrand

Bei diesem Tresterbrand haben wir es mit einer etwas anders gelagerten Spirituose zu tun: Wie beim vielleicht berühmtesten Tresterbrand, dem italienischen Grappa, wird auch dieser Tresterbrand aus dem gleichnamigen Grundstoff hergestellt. Traubentrester ist im Grunde ein Abfallprodukt der Weinherstellung, nämlich die Reste der ausgepressten Trauben, welche bereits vergoren und alkoholhaltig sind. Für den Feiner Kappler Tresterbrand wurde der Trester roter Spätburgundertrauben aus dem ebenfalls in Kappelrodeck ansässigen Winzerkeller „Hex vom Dasenstein“ verwendet. Die Verwendung eines Spätburgunders ist bei Tresterbrand schon eine echte Seltenheit. Nach einer Lagerung im Glasballon durfte der Tresterbrand abschließend für vier Wochen in einem nagelneuen Limousineichenfass lagern, wodurch er auch seine schöne Farbe erhält. Der Tresterbrand wird mit 41,5% vol. abgefüllt. Ausgezeichnet wurde auch der Tresterbrand und zwar mit einer Silbermedaille im Jahr 2014.

Tasting Notes:

Aroma: Hier hat man etwas Anderes im Glas, das merkt man sofort. Es zeigen sich würzige Töne von Trauben, vor allem von Traubenkernen und -schalen. Assoziationen von Quitten, würzige Cedratzitronen, ein Hauch Nelke und etwas Zimt zeigen sich mit der Zeit. Die Nähe zum Grappa ist unverkennbar, doch der Feiner Kappler Tresterbrand erscheint in der Nase ausgesprochen mild und ausbalanciert, ich rieche praktisch keinen Alkohol.

Geschmack: Geschmacklich startet der Tresterbrand überraschend frisch, trumpft dann aber sofort mit würziger Eiche und Gewürztönen auf. Die Zedratzitrone zeigt sich ebenfalls. Ansonsten Traubenkerne mit herben kräutrigen Nuancen. Dabei stets mild und angenehm. Gefällt mir ausgesprochen gut!

Abgang: trocken, würzig, frisch und mit mittellang anhaltender Eiche

Feine Kappler Grüne Nuss Likör

Kommen wir zur letzten Flasche in diesem heute doch etwas umfangreicheren Artikel, dem Feiner Kappler Grüne Nuss Likör. Basis für diesen Likör bildet – wenig überraschend, aber sehr schön, wie ich finde – zweifach destillierter Obstbrand. Anders als bei den Bränden wird hier natürlich schon gezuckert, maßgeblich sind aber noch grüne Walnussfrüchte, die im Obstbrand mazerieren dürfen. Zudem werden Vanille und andere Gewürze hinzugegeben. Der Likör soll auf eine Familientradition der Baßlers zurückgehen. Abgefüllt wird die Grüne Nuss mit doch recht stattlichen 30% vol.

Tasting Notes:

Aroma: Der Grüne Nuss Likör ist zunächst weniger nussig als man es vielleicht von einem Nusslikör denken mag. Aber wir haben es ja auch mit einer grünen Nuss zu tun, insofern passt es schon zum Gesamtkonzept. Herbe und bittere Kräutertöne zeigen sich, ein wenig erinnert mich der Ersteindruck an einen Amaro. Aber auch die Walnuss verschafft sich mit der Zeit mehr und mehr Raum. Sie bleibt dabei herb und eben „grün“ (ein durchaus passender Name).

Geschmack: Eine feine, würzige Süße macht sich am Gaumen breit, die Töne von Nelken, subtilem Wacholder und unreifer Nuss mit sich bringt. Die Süße erinnert ein wenig an Melasse, kommt schwer und kräftig daher, ohne aber den Likör insgesamt zu zuckrig erscheinen zu lassen. Er fällt insgesamt weniger bitter aus als die Naser erahnen ließ. Definitiv mal ein anderer Nusslikör, sehr schön!

Abgang: nicht zu süß, trockener werdend und kräftig bis würzig.

Ein Fazit fällt mir hier nicht schwer, denn mir haben eigentlich alle vorgestellten Obstbrände (mit einem kleinen Abstrich beim Kirschbrand) und auch der Grüne Nuss Likör gut gefallen. Mein persönlicher Favorit ist tatsächlich die Zwetschge und der Tresterbrand, doch auch die anderen Sorten wissen zu überzeugen und geben einen soliden Vertreter ihrer Gattung ab. Gerade im Bereich der Sours sehe ich hier einige Einsatzmöglichkeiten in Cocktails. In den nächsten Tagen und Wochen werde ich hier immer mal wieder ein wenig herumexperimentieren und dies hier vorstellen.

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online (oder natürlich direkt in Kappelrodeck)

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