The Helter Skelter

Wenn man sich in Zeiten des Internets die riesige Palette an international verfügbaren Cocktailrezepturen anschaut, dann stellt man natürlich immer wieder fest, dass diese natürlich auch in starker Abhängigkeit zur Verfügbarkeit bestimmter Produkte steht. Dieses Phänomen kann man sowohl bei klassischen als auch bei modernen Rezepturen antreffen. Mitunter führte das Ganze zum Entstehen von bestimmten Ersatzspirituosen, die die beschränkte Verfügbarkeit kompensieren sollten. Und so findet man sich sogar manchmal in der lustigen Situation wieder, als Ersatz für das Ersatzprodukt wieder zum Original zu greifen.

Das mag jetzt etwas verwirrend sein, weshalb ich einfach mal konkreter werde. Besonders in den USA sind aufgrund von Einfuhrbeschränkungen oder allgemein bestehenden Lieferschwierigkeiten manche Produkte nicht verfügbar, die in Europa sehr leicht zu bekommen sind (und natürlich auch umgekehrt). Ob es nun Applejack ist, der im Grund die amerikanische Antwort auf Calvados darstellt (wobei ich einem Calvados jederzeit den Vorzug geben würde – und zugegebenermaßen ist Applejack nicht genuin als Substitut erfunden worden, wird aber oft als ein solches verwendet), Herbsaint aus New Orleans als Antwort auf die knappe Verfügbarkeit von Absinth nach der Prohibition, oder der China China Amer, der als Substitut für den u.a. auf Basis von Orangenschalen, Chinarinde und Enzian hergestellten Amer Picon aus Frankreich gedacht ist.

Ich schreibe dies alles, weil sich natürlich vor dem Hintergrund mancher „Ersatzspirituosen“ längst Cocktails etabliert haben, in denen der Ersatz zum Original geworden ist und das Original wiederum nur der Ersatz. So verhält es sich auch mit meiner Adaption des heutigen Cocktails, der vom New Yorker Bartender Jason Walsh stammt. Wo Walsh China China Amer verwendet, greife ich wiederum zu Amer Picon. Der Drink hört auf den Namen „Helter Skelter“ (ob Walsh hier primär an den Beatlessong oder an die brutalen Morde der Anhänger von Charles Manson gedacht hat, weiß ich nicht) und ist eine wirklich sehr aromatische Angelegenheit mit durchaus ungewöhnlichen Nuancen. Die Verwendung von Creme de Banane in einem Drink sorgt manches Mal für skeptisch hochgezogene Wimpern, aber gerade in klassischen gerührten Cocktails, kann sie als subtiler Aromengeber, insbesondere im Zusammenhang mit Bitterlikören, wirklich eine feine Sache sein. So auch hier. Nun möchte ich aber gar nicht weiter um den heißen Brei herumreden, hier ist meine Version von Jason Walshs Helter Skelter.

Rezept:

6 cl Rye Whiskey
0,75 cl Creme de Banane
1,25 cl Amer Picon
2 Dashes Angostura Bitters

Orangenöl aus Orangenzesten (s. Zubereitung)

Zubereitung: Alle Zutaten bis auf Orangenöl/Orangenzeste im Rührglas auf Eis kalt rühren und in einen Tumbler abseihen. Nun das Öl einer großen Orangenzeste auf die Oberfläche des Drinks sprühen und eine Eissphäre oder ein großes Eisstück in den Tumbler geben.

Glas: Tumbler

Garnitur: Orangenzeste

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online (in den USA bietet sich natürlich wiederum die Originalversion mit China China Amer an.)

One thought on “The Helter Skelter

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