Pure Spirits: Amaro di Angostura

Der Name des heutigen Produkts liest sich für jemanden, der sich mit Cocktails und Barkultur beschäftigt, natürlich wie der sprichwörtliche Donnerhall. Angosturabitters sind aus der Bar natürlich genau so wenig wegzudenken wie Rührglas, Shaker oder Barlöffel. Ich frage mich, ob es überhaupt ein Standardwerk auf der Welt gibt, in dem dieser Name nicht hundertfach abgedruckt ist. Doch heute haben wir es nicht mit den klassischen Angostura Bitters zu tun, sondern mit einem Amaro, also einem Bitterlikör. Und wenn ein solcher Bitterlikör aus dem Hause des großen Bitterherstellers kommt, macht das natürlich neugierig. (Zugesandtes Testprodukt)

Neben den klassischen Angostura Bitters kennt man das Haus Angostura vor allem auch als Hersteller von Rum. Angefangen hat alles jedoch mit dem deutschen Arzt Dr. Johann Gottlieb Benjamin Siegert, welcher Anfang des 19. Jahrhunderts ein Lazarett für südamerikanische Unabhängigkeitskämpfer gegen die spanische Kolonialbesatzung betrieb. Er entwickelte im Jahr 1824 ein Tonikum gegen Tropenkrankheiten, welchem fortan unter dem Namen Angostura eine Weltkarriere als Würzmittel gelang. Wie so oft in der Geschichte der Bar ist es also abermals der Gedanke an eine Medizin gewesen, der ursprünglich hinter der Erfindung eines der bedeutendsten Barklassiker der Gegenwart stand. Eine solche historische Bedeutung kann der heutige Amaro die Angostura zwar noch nicht für sich in Anspruch nehmen, doch sind natürlich auch Amaros letztlich oft aus medizinischen Verwendungskontexten heraus entstanden und haben sich bis heute nicht ganz von diesem Nimbus gelöst: Gerade in unseren Breitengraden gehört der Magenbitter fest zur kulturellen Gepflogenheit. Doch werfen wir einmal einen genaueren Blick auf den Amaro die Angostura.

Die Firma „House of Angostura“ auf der Karibikinsel Trinidad vertreibt diesen Amaro erst seit Anfang letzten Jahres auf dem europäischen Markt. Bei der Herstellung werden laut Unternehmensangaben Hefestämme verwendet, die ebenfalls für die Angostura Bitters seit Jahrzehnten kultiviert werden. Diese werden in Kombination mit verschiedenen, ebenfalls vertrauten Gewürzen und Neutralalkohol der Destillerie kombiniert (natürlich wird auch gesüßt) und heraus kommt der Amaro di Angostura. Die Inspiration, diesen Amaro zu kreieren, soll dabei auf eine Idee (oder ein Rezept?) Carlos Siegerts zurückgehen, einen Sohn Johann Gottlieb Benjamin Siegerts. Inwiefern sich hier Wahrheit mit Marketing vermischt, vermag ich an dieser Stelle nicht zu sagen.

Vielleicht wird dem ein oder anderen bereits das Design der Flasche aufgefallen sein, welches tatsächlich dem Design der Angostura Bitters mit dem charkateristischen, überstehenden Etikett nachempfunden ist. Zwar steht hier kein Etikett über, aber die gläserne Form der Flasche erzielt einen ganz ähnlichen Effekt, wie auf dem untenstehenden Foto gut zu sehen ist (denke ich). Für den Einsatz in Cocktails bietet sich dieser Amaro natürlich an. Von klassischen Sours über old fashioned style Cocktails ist hier sicherlich alles denkbar und ich freue mich schon auf die ein oder andere Gelegenheit, diesen Amaro einzusetzen. Der Amaro di Angostura weist einen Alkoholgehalt von 35% vol. auf und kostet ca. 20 Euro (700ml).

Tasting Notes:

Aroma: In der Nase zeigt sich ein wahres Potpourri an Gewürzen. Tatsächlich erinnert mich der Duft an die berühmten Bitters aus dem gleichen Hause. Über allem ist Nelke zu vernehmen, dazu gesellt sich Orange, Ingwer und Zitronenschale. Mit der Zeit zeigt sich auch deutlich Süßholz, Zimt und Assoziationen von bitterem Kakao.

Geschmack: Auch hier bestätigt sich das aromatische Spektakel in einer würzig-bitteren Explosion. Im Grunde finde ich auch alle Eindrücke aus der Nase am Gaumen wieder, was nicht häufig der Fall ist. Der Amaro di Angostura ist dabei nicht so bitter wie z.B. ein Fernet, dafür aber auch weniger süß als beispielsweise ein Averna. Ein wirklich schöner Amaro, gefällt mir gut.

Abgang: würzig, bitter und ölig

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online.

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