Sweet Old Bakerman

Nachdem ich gestern den Vollkorn von Eugen Schmidt & Söhne vorgestellt habe, lege ich heute direkt einen passenden Cocktail zu dieser sehr ungewöhnlichen Spirituose nach. Das hat auch damit zu tun, dass ich hier eine etwas größere Herausforderung gesehen habe, weil ich mit dem Geschmacksprofil eben nicht so vertraut war und zuvor wenig bis gar nicht mit Korn gearbeitet habe. Aber eine solche Herausforderung ist natürlich sehr spannend und deshalb ließen mich die Gedanken über Einsatzmöglichkeiten nicht los und ich habe mich direkt an meinen Barwagen begeben und etwas ausprobiert, mit dem ich auch sehr zufrieden bin.

Die Idee kam mir dabei – wen wunderts – vor dem Hintergrund der Brotcharakteristik des Vollkorn. Bereits in der Purverkostung wies der Vollkorn eine sehr interessante und ungewöhnliche Süße auf, bestach aber vor allem mit seinen kräftigen Roggentönen und einer ausgesprochen schönen Malzigkeit. Beim Duft dieser Spirituose, der wirklich an frischgebackenes Brot erinnert (da waren die Macher Sebastian und Maximilian Schmidt wirklich erfolgreich), kam mir sofort der Gedanke, am liebsten etwas Honig auf so ein schönes, dunkles Brot träufeln zu wollen. Oder gar ein ganzes Honigbrot zu backen. Wie dem auch sei, der Gedanke für einen Cocktail war geboren. Da ich ein großer Freund von Cocktails bin, die der Trägerspirituose genug Raum zum Atmen lassen, habe ich mich für eine Old Fashioned Variante entschieden, die eben noch entscheidende Zutaten dem Vollkorn zur Seite stellt.

Zunächst wäre da ein schwerer und reichhaltiger Imperial Stout-Sirup. Das Imperial Stout ist mit seinen kräftigen, dunklen Röstaromen einfach ein perfekter Partner für diese Angelegenheit. Oft vergleichen Biertrinker es selbst mit einem Stück flüssigen Brot. Ich wollte auch ein wirklich kräftiges Stout mit ausgeprägten Bitteraromen haben, weshalb es auch ein Imperial Stout sein musste. Dieses habe ich im Verhältnis 3:1 mit Zucker einkochen und etwas reduzieren lassen. Zu viel Zucker hätte die schönen Bittertöne des Imperial Stouts zu sehr überlegt, das wollte ich um jeden Preis vermeiden. Dazu, für die Honignote, ein kleiner Barlöffel mit besonders flüssigem Edelkastanienhonig, dessen Aromen auch wunderbar mit den restlichen Zutaten harmonieren. Abgerundet habe ich das Ganze mit ein wenig Lakritz Bitters (klingt vielleicht merkwürdig, holt aber aus dem Imperial Stout-Sirup wirklich noch einmal richtig etwas raus) und den vielschichtigen The Bitter Truth Jerry Thomas‘ Own Decanter Bitters. Der Drink wird direkt im Glas gebaut. Geschmacklich ist das Ergebnis wirklich wunderbar: Honigbrot, dunkle, süße Röstaromen, eine feine und komplexe Bitterkeit, die dem Drink eine schöne Tiefe gibt und ein noch klar vernehmbarer Vollkorn mit seiner typischen Charakteristik. Et voilà: Der Sweet Old Bakerman. Mit diesem Drink bin ich wirklich sehr zufrieden.

Rezept:

6 cl Vollkorn (Eugen Schmidt & Söhne)
1 cl Imperial Stout-Sirup (s.u.)
1 Barlöffel flüssiger Akazienhonig
1 Dash The Bitter Truth Jerry Thomas’ Own Decanter Bitters
2 Dashes Bob’s Licorice Bitters

Imperial Stout-Sirup: Imperial Stout im Verhältnis 3:1 mit Zucker in einer Pfanne vermischen, aufkochen und dann köchelnd ein wenig reduzieren lassen, bis das Ganze eine sirupartige Konsistenz erreicht. Abkühlen lassen und weiter verwenden oder luftdicht verschließen und im Kühlschrank lagern (hält ca. 3-4 Tage).

Zubereitung: Alle Zutaten zunächst ohne Eis direkt ins Glas geben und mit einem Barlöffel für mindestens 30 Sekunden verrühren, bis sich der Honig mit den restlichen Zutaten homogen verbunden hat. Dann Eiswürfel hinzugeben und nochmals für ca. 20 Sekunden kalt rühren.

Glas: Tumbler

Garnitur: Hölzerner Honiglöffel / Honigheber

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online.

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