Pure Spirits: Vural Vodka

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Ganz so lang ist es noch nicht her, da habe ich erstmalig einen Artikel über einen Wodka verfasst. Es handelte sich dabei um den Bénazet Vodka, welcher mir durchaus auf seine Art zu gefallen wusste, obwohl ich kein großer Freund dieser klaren Spirituose bin. Damals hatte ich auch angekündigt, hier nicht besonders oft über Wodkas schreiben zu wollen, obwohl ich natürlich auch zugestanden habe, dass diese einen festen und auch berechtigten Platz in der Welt der Barkultur besitzen. Heute folgt dennoch ein weiterer Artikel über einen Wodka, der mein Interesse geweckt hat und dem ich gerne etwas nachschmecken wollte. (Zugesandtes Testprodukt)

Der Grund für dieses Interesse liegt mitunter auch darin, wie sich das heutige Produkt marketingtechnisch geriert. Es handelt sich dabei um den Vural Vodka aus Österreich. Der Vural Vodka bezeichnet sich nämlich selbst als einen „Ultra Premium Vodka“ (alles klingt gleich nochmals viel größer, wenn man das Präfix „Ultra“ davorschreibt). Und nicht nur das, auch die besondere Sorgfalt bei der Zutatenwahl wird ganz besonders hervorgehoben. So wird auch nochmals nachgelegt, es handele sich dabei um einen „Vodka, wie es ihn selbst im Mutterland des Vodkas nicht gibt“. Das lässt natürlich aufhorchen, wenn man bedenkt, mit welch aberwitzigen Premiumqualitäten und Übertrumpfungsversuchen man allein im hochpreisigen Premiumbereich russischer Wodkas konfrontiert ist. Preislich liegt der Vural Vodka mit ca. 50 Euro für einen Vodka schonmal nicht gerade niedrig, aber natürlich gibt es hier noch deutlich über ein solches Niveau hinausschießende Abfüllungen.

Kopf hinter dem Vural Vodka ist Vural Koca, der in Freiburg im Breisgau die, nach meinem Kenntnisstand inzwischen geschlossene, KGB – Sowjet Vodka & Ice Bar betrieben hat. Dass man es hier mit einem Wodkaenthusiasten zu tun hat, kann man sich beim Namen dieser Bar natürlich bereits denken und so verspreche ich mir zumindest, dass hier mit strengen Erwartungen an das neue Produkt herangegangen worden ist. Ein wenig Sowjetflair hat es jedenfalls auch ins Design der Flasche bzw. ins Branddesign an sich geschafft, wie nicht zuletzt der rote Stern und die markante Inszenierung verrät. Übrigens gefällt mir die Flasche wirklich sehr gut (was nicht etwa an einer in mir schlummernden Passion für Sowjetdevotionalien liegt, sondern auf die hochwertige Verarbeitung mit dem schönen Wechselspiel von Flaschenrückseite und Sichtfenster durch den klaren Wodka zurückzuführen ist). Hergestellt wird dieser Wodka nun aber nicht in Freiburg, sondern eben in Österreich. Genauer in der Destillerie Farthofer in Öhling in Niederösterreich.

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Die Grundlage des Alkohols bildet hier Weizen – und zwar ausschließlich Bioweizen, worauf der Hersteller großen Wert legt. Von einer Weizenernte wiederum wird nur ein Siebtel für die Produktion des Vural Vodkas ausgewählt, wie man verrät (ob das daran liegt, dass auch eigentlich nicht mehr benötigt wird, oder wirklich daran, dass hier so streng ausgelesen wird, weiß ich nicht). Jedenfalls greift man beim Wasser zu einem Quellwasser aus dem unter Naturschutz stehenden Mühlviertel, welches sich durch Kalkarmut und Mineralhaltigkeit auszeichnet. Hier verspricht der Hersteller einen eindeutigen Effekt auf den Geschmack.

Wirklich interessant – und in meinen Augen auch fast ein bisschen absurd – wird es dann bei der Filtration. Es gibt nämlich gar keine. Das ist bei Wodka mehr als unüblich, wird hier doch gemeinhin ein regelrechter Wettbewerb ausgefallener Filtrationstechniken gefahren: Ob durch Milch, Silber, Platin, Aktivkohle, Ozon (!), Papier, bloße Kälte oder gar Diamantstaub – im Wodkasegment gibt es alles. Wenn man mich fragt, dann ist das sehr viel Bohei (und z.T. sehr zweifelhafter), nur um im Endeffekt auch noch letzte Nuancen von Fuselöl herauszufiltern (welche ja in anderen Spirituosen gezielt gewünscht sind) und einen noch neutraleren Alkohol zu erhalten. All das ist auch mit einer der Gründe, warum ich von Wodka gemeinhin nicht sonderlich angetan bin, denn hier wird für mich doch sehr viel Lärm um fast Nichts gemacht.

Der Vural Vodka kompensiert die fehlende Filterung dann hingegen durch eine 30-fache Destillation. Ja, richtig gelesen: 30-fach. Auch hier staune ich doch nicht schlecht und kann mir nicht ganz die süffisante Frage verkneifen, ob er nicht vielleicht mit der 31. Destillation noch den einen Tacken besser hätte werden können? Doch Spaß beiseite, ich möchte hier kein Voraburteil fällen, denn das wäre wiederum unfair und vorschnell. Nach der letzten Destillation lässt man den Vural Vodka dann jedenfalls noch ein Jahr in der Flasche „reifen“, bevor er in den Verkauf geht. Ich bin also wirklich gespannt. Der Vural Vokda wird mit 40% vol. abgefüllt.

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Tasting Notes:

Aroma: Mild-würzig und mineralisch mit etwas Steinsalz, ein Hauch Kondensmilch und Weizen. Zwar unverkennbar ein Wodka, aber hier ist doch mehr im Glas als ich dachte. Schon wieder scheint mich ein Wodka zu überraschen. Eine feine Süße ist ebenfalls nicht zu leugnen.

Geschmack: Ein höchst interessanter und für mich überraschend ungewohnter Geschmack, der mir richtig gut gefällt. Von Geschmacklosigkeit ist hier keine Spur, stattdessen schmecke ich eine komplexe mineralische Süße, die mich an Emser Salzpastillen erinnert. Dazu zeigt sich eine sehr schöne und cremige, fast rahmige Note wie von gesüßten Milchspeisen; auch hier wieder etwas Kondensmilch. Dabei ausgesprochen weich und angenehm.

Abgang: mittellang, mineralisch und mild.

Auch hier muss ich ein positives Fazit ziehen: In seinem Genre überzeugt der Vural Vodka durchaus. Purer Vodka ist zwar nach wie vor etwas, was mir selten in den Sinn kommt, aber Fans dieser Spirituose dürften hier ihre Freude haben.

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online. Zurzeit (02.12.2016) befindet sich die Webseite noch im Aufbau, weshalb die Verfügbarkeit sicher noch wachsen wird.

One thought on “Pure Spirits: Vural Vodka

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