French 75

French 75

Cocktails mit einem passenden Namen zu versehen, ist manchmal gar nicht so einfach. Heutzutage lässt sich beobachten, dass meist entweder ein gewisses Flair zum Ausdruck gebracht werden soll, welches zum entsprechenden Drink passt, oder aber man wählt eine Anspielung auf Personen, Orte oder Bars, die in der Entstehungsgeschichte eine gewisse Rolle spielen. Inzwischen ist es eher selten (und auch ein wenig verpönt), die Wirkung des Alkoholgehalts metaphorisch zu umschreiben. In früheren Tagen war das jedoch durchaus auch mal anders, wie der heutige Cocktail beweist, dem man den doch wenig filigranen Namen eines Artilleriegeschützes gegeben hat.

Noch dazu ist es ein Cocktail auf Champagnerbasis, was letztlich auch nicht unbedingt eine Zutat ist, die an Kanonen denken lässt oder irgendwie mit der Sphäre des Militärischen assoziiert wird. Natürlich hat beim French 75 auch der Entstehungskontext eine gewisse Rolle gespielt, denn er ist gewissermaßen ein Zeitgenosse des ersten Weltkriegs, in welchem die Canon de 75 mm modèle 1897 v.a. von der französischen Armee eingesetzt wurde, aber auch dank einer Lizenz in den Vereinigten Staaten von Amerika hergestellt wurde. Der French 75 hat seinen Ursprung in Harry’s New York Bar, wo 1915 eine erste Urform von Harry MacElhone kredenzt wurde. Letztendlich ist MacElhones Urform allerdings weit von dem entfernt, was heute als French 75 gilt. So fügte er unter anderem Calvados , Grenadine und Absinth  hinzu. Im Laufe der folgenden Jahre kristallisierte sich der French 75 eher als eine Weiterentwicklung des Champagne Cups heraus, eines beliebten Cocktails des 19. Jahrhunderts, welcher neben Champagner aus Zitronensaft und Zucker(sirup) bestand. Bereits zu jener Zeit fügten manche Bartender einen kleinen Schuss Gin hinzu, was letztlich zum Standard avancierte. Erstmalig in einer weitestgehend der heute gängigen Version entsprechenden Form tauchte der French 75 in Judge Jr.s Werk „Here’s How“ im Jahre 1927 auf. Hier wird er beschrieben als Cocktail aus Champagner, Gin, Zitronensaft und Zuckersirup. Seinen wahren Siegeszug trat er aber erst im New Yorker Stork Club an und wurde einem Massenpublikum auch durch den Film Casablanca oder durch John Wayne-Filme bekannt.

Bis heute halten sich hartnäckig Rezeptvarianten mit Cognac, was vermutlich dem besser zum Namen passenden, „französischeren“ Flair geschuldet ist. Ich schließe mich hier aber der Mehrheitsmeinung an und gebe der Ginvariante eindeutig den Vorzug. Gin passt einfach viel besser zum Rest der Zutaten, da er den frischen Charakter des French 75 eindeutig um Längen besser unterstreicht. Mitunter trifft man den Drink auch unter den Namen 75 Cocktail oder Soixante Quinze an. (Der 75 Cocktail bezeichnet manchmal aber auch die MacElhone-Version, also im Zweifel nach den Zutaten fragen!)

Persönlich bereite ich Champagnercocktails eher selten zu und wenn dann meist auch nur zu besonderen Anlässen, bei denen ich Gäste habe. Mitunter lehne ich mich sogar so weit aus dem Fenster, den Champagner durch einen günstigeren Crémant zu ersetzen, was manch ein Hardliner vielleicht als Fauxpas ansehen würde. Aber im Grunde ist so eine geöffnete Flasche Champagner halt etwas, was nach einigermaßen schnellem Verbrauch ruft und oft möchte ich schlicht nicht so viel davon trinken. Daher und natürlich auch aus Kostengründen tut es ein solider Crémant durchaus auch, aber bitte nicht an die große Glocke hängen.

Der French 75 ist ein frischer, prickelnder und gleichzeitiger durchaus potenter Cocktail. Gin und Champagner funktionieren hier wirklich wunderbar, auch wenn das vielleicht nicht jeder auf Anhieb vermuten würde. Der Drink macht natürlich auch etwas her, weshalb er z.B. als Begrüßungscocktail eine sehr stilvolle Alternative abgibt. Auch wenn die Wirkung des Drinks durchaus tückisch sein kann, denn allzu schnell wähnt man lediglich ein kleines Gläschen Champagner in seinen Händen. Persönlich hätte ich trotzdem keinen Vergleich mit einem 75mm-Geschütz gewählt. Trotzdem, man sollte sich der Mischung aus Champagner und Sekt bewusst sein, also im Zweifel lieber rechtzeitig in Deckung gehen.

Rezept:

3 cl Gin
1 cl Zuckersirup
1,5 cl Zitronensaft
Champagner

Zubereitung: Alle Zutaten bis auf den Champagner kräftig auf Eis im Shaker schütteln und anschließend ins vorgekühlte Glas abseihen. Schließlich mit Champagner aufgießen.

Glas: Champagnerflöte

Garnitur: Zitronenzeste (klassisch) und zwei Griottines-Kirschen (optional)

Bezugsquellen: In Fachhandel, Supermärkten oder online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.