Treacle

Treacle

Sirups sind eine aus keiner Bar wegzudenkende Zutat, die bereits ganz am Anfang der Geschichte des Cocktails stand. Das Versetzen von Spirituosen mit Sirup – historisch oft Spirituosen von nicht unbedingt herausragender Qualität – hat eine lange Tradition und findet sich in zahllosen Klassikern. Heute ist es völlig normal, dass man auf einer Barkarte Angaben über die abgefahrensten, selbstgemachten Sirups findet. Der Drink, um den es heute geht, kommt gleich selbst im Gewand eines Sirups daher.

Zumindest wenn es nach dem Namen dieses Drinks geht: Treacle. Ein britischer Begriff für Sirup bzw. vor allem für schwarzen Rübensirup, wie man ihn in Deutschland auch unter dem Namen „Rübenkraut“ kennt. Natürlich besteht nicht der ganze Cocktail aus Sirup, aber wenn eine Kreation schon mit einer gewissen Programmatik im Namen aufwartet, darf man natürlich fragen, was die Hintergründe dafür sind.

Der Treacle ist ein Cocktail, der aus dem Glas des britischen Bartenders Dick Bradsell stammt. Bradsell war vor allem in den 80er Jahren in der Londoner Barszene eine renommierte Koryphäe und schulte eine große Zahl von Bartendern. Aber auch heute arbeitet er noch hinter der Bar des El Caminos in London. Bradsell ist eher bekannt für relativ einfache, schlichte Kreationen ohne großes Gedöns (der Espresso Martini, den Bradsell dereinst Kate Moss serviert haben soll und den ich in einem älteren Artikel einmal vorgestellt habe, stammt z.B. ebenfalls von ihm). Und so wundert es auch nicht, dass der Treacle ein Drink ist, der eigentlich nicht besonders kompliziert ist: Rum, Sirup, Apfelsaft und Angostura. Bradsell hat hier ursprünglich zu schlichtem, klar filtriertem Apfelsaft gegriffen und einfachen Zuckersirup verwendet, ich finde den Cocktail aber umso reizvoller, wenn man sich hier ein bisschen weiter aus dem Fenster lehnt. Das Mixology „Handbuch der Bar“ schlägt hier z.B. vor, den Treacle mit frisch gepresstem, trüben Apfelsaft zuzubereiten und zu Melasse oder „Rübenkraut“ zu greifen. Eine tolle Idee, die dem Drink absolut hervorragend zu Gesicht steht.

Treacle

Das Ergebnis ist ein überaus kräftig-süßer Drink, dessen Aroma schon in starke Röstaromen übergeht. Der volle, dunkle Charakter von Zuckermelasse wird hier maximal unterstrichen und findet in frisch gepresstem oder – wenn man keinen Entsafter besitzt – naturtrübem Apfelsaft einen gekonnten Gegenpunkt. Bitters verleihen zusätzliche Tiefe! Als Rum habe ich Myers’s verwendet, da sein kräftiger Melassecharakter hier einfach hervorragend passt.

Rezept:

6 cl Myers’s Rum (oder ein anderer dunkler Rum)
1 Barlöffel Melasse oder „Rübenkraut“
3 cl frisch gepresster Apfelsaft (alternativ naturtrüber Apfelsaft)
2 Dashes Angostura

Zubereitung: Alle Zutaten im Glas gründlich auf Eiswürfeln verrühren, bis sich die Melasse bzw. das „Rübenkraut“ mit den anderen Zutaten verbunden hat.

Glas: Tumbler

Garnitur: Orangen- oder Zitronenzeste

Treacle

Bezugsquellen: Der Myers’s Rum sollte sich auch in gut sortierten Supermärkten finden, Melasse oder Rübenkraut ebenfalls.

3 thoughts on “Treacle

  1. Der Treacle hat mir sehr gut gefallen.
    Sowieso möchte ich an der Stelle mal loswerden, dass die hier vorgestellten Cocktails zu einem großen Teil Einzug in meine Cocktail-Rezeptesammlung gefunden haben – nicht zuletzt weil hier kein großer Wert auf Effekthascherei gelegt wird, sondern ehrliche, sehr gute, und auch kreative Cocktails im Vordergrund stehen. Die Einleitung zum Hintergrund des Cocktails sind immer sehr lesenswert 😉

    Beim Treacle habe ich allerdings ein wenig Zitronensaft ergänzt, weil ich mit einem El Dorado Dark gearbeitet habe (sicherlich gibt es besseren Rum, der schien mir hier jedoch durchaus angebracht). Alle Zuataten habe ich auf Eis verrührt und in das Glas auf Eis abgeseiht. Mit frisch gepresstem Apfelsaft schmeckt der Treacle deutlich besser als in der Version mit Direktsaft und verleiht dem Drink mehr Tiefe.

    Vielen Dank für das schöne Rezept.

    • Ich habe für den anerkennenden Kommentar zu danken! Den Vorschlag, den Treacle mit etwas zusätzlichem Zitronensaft zuzubereiten, werde ich bald gerne einmal befolgen. 🙂

  2. Pingback: Bramble | Galumbi

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