Zelda

Zelda

Ein pinkfarbener Drink hat natürlich so seine Tücken. Die Farbe wird wie kaum eine zweite im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Geschlechterrollen in der westlichen Zivilisation dem Mädchenhaften zugeschrieben. Kein Wunder, dass viele männliche, sehr um ihr Profil bedachte Genießer Cocktails dieser Farbe eher meiden. Doch leider völlig zu Unrecht, denn nicht nur der heutige Drink beweist, dass die Farbe wirklich nicht entscheidend ist.

Im Gegenteil: Der Zelda Cocktail ist sogar eher ein Vertreter der etwas kräftigeren Sorte, der immerhin zwei amerikanische Flüssigunzen Gin auffährt. Geschmacklich sollte dieser Cocktail zudem sowohl Männlein wie Weiblein zusagen (ich bin ja ohnehin kein Freund von Geschlechterklischees oder Rollenattribuierungen). Doch zunächst einmal etwas zur Herkunft dieses Cocktails.

Im Grunde ist der Zelda Cocktail eine Abwandlung des berühmten Clover Club Cocktails, der quasi eine Art Gin Sour mit Himbeersirup darstellt. Das klingt vielleicht für den Laien etwas schräg, ist aber tatsächlich ein historischer Gentlemendrink aus der Präprohibitionszeit. Eine Phase, in der Frauen – zumindest öffentlich – eher seltener als Trinker aufgefallen sind. Der Zelda Cocktail ersetzt nun den Himbeersirup durch eine selbst hergestellte Reduktion aus Zucker und belgischem Kriek Bier. Kriek ist ein mit Kirschen versetztes Lambic aus Belgien, welches in der ungezuckerten Variante (der einzig wahren Variante, wenn man mich fragt) sehr wenig mit dem süßen Kirschbier zu tun hat, das manch einer aus einem Belgienurlaub oder von deutschen Mittelaltermärkten vielleicht zu kennen glaubt.

Erfunden wurde der Drink von Jacob Grier, aus dessen fantastischem Buch „Cocktails on Tap“ ich auch das Rezept entnommen habe. Liebhabern von Biercocktails kann ich dieses Buch wirklich nur wärmstens ans Herz legen!

Zelda

Eine kleine Reminiszenz ans Mädchenhafte vermute ich dann allerdings doch im Namen des Drinks. Zwar verrät Jacob Grier nicht den Hintergrund der Namensgebung, aber natürlich ist Zelda als Prinzessin der gleichnamigen Spieleserie des japanischen Konzerns Nintendo eine weltweit bekannte Kunstfigur. Und wer einmal im Tokioter Stadtteil Akihabara ein sogenanntes „Maid-Café“ besucht hat, der wird seine Auffassung von Mädchenklischees noch einmal grundlegend neu überdenken müssen. Die Omnipräsenz von rosanen Farbtönen, glitzernden Accessoires und devot-naiv lächelnden Prinzessin-Schulmädchen-Hybriden ist jedenfalls auch für den aufgeschlossenen Besucher nicht ganz leicht zu verpacken.

Rezept (in US-typischen Unzenangaben):

1 Eiweiß
2 oz Gin
¾ oz Limettensaft
¾ oz Kriekreduktion (s.u.)

Kriekreduktion: 240 ml Kriekbier und 200 g Zucker bei mittlerer Hitze köcheln und unter Rühren etwas eindicken lassen. (Ungezuckertes Kriek verwenden! Bei gezuckertem Kriekbier verringert sich die Zuckermenge entsprechend, sonst wird der Sirup zu süß!). Hält sich mehrere Wochen im Kühlschrank.

Zubereitung: Alle Zutaten im Shaker zunächst einem „Dry-Shake“ ohne Eis unterziehen, dann noch einmal kräftig mit Eiswürfeln schütteln und ins vorgekühlte Glas abseihen.

Glas: Martini / Cocktailglas

Garnitur: frische Himbeeren

Bezugsquellen: Für Kriekbier kann ein Besuch im Fachhandel nötig werden. Die restlichen Zutaten sollte man in jedem Supermarkt erhalten.

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