Doctor Martens

Doctor Martens

Eine weiter steigende Nachfrage nach Biercocktails ist eine logische Begleiterscheinung der meist eher progressiv denkenden Craft Beer-Bewegung. Sicherlich möchte längst nicht jeder Freund alternativer Bierstile nun auch direkt daraus einen Cocktail mixen, aber letztlich sind die Einsatzmöglichkeiten hinter der Bar dadurch natürlich immens gestiegen und selbstverständlich hat dies auch einen Einfluss auf das Angebot.

Nachdem ich die traditionelle Michelada bereits vor einigen Monaten beschrieben habe und nun kürzlich mit dem Cathedral Cocktail und dem Rye in your Britches zwei moderne Biercocktails vorstellte, möchte ich heute im moderneren Segment bleiben und einen wirklich sehr interessanten Cocktail vorstellen, der hervorragend in die Sommersaison passt. Und das obwohl er mit einem Stout bzw. einem Porter zubereitet wird. Bierstile, die man normalerweise eher in die dunkle und kalte Jahreszeit einordnen würde. Der Drink stammt aus Mannheim, aus der dortigen Hagestolz Bar, wo er 2013 im Rahmen einer Firmenveranstaltung erstmals kredenzt worden ist, seitdem aber sich einer großen Beliebtheit erfreut. Aufmerksam wurde ich auf den Cocktail ein weiteres Mal durch „Cocktailian – Bier und Craft Beer“, welches neben sehr gut recherchierten und fundierten Informationen über die Welt des Gebrauten auch zahlreiche Cocktailrezepturen enthält, die nachzumixen ein hervorragender Fundus für neue Geschmackserlebnisse ist.

Der Drink heißt Doctor Martens und erinnert von seiner Farbgebung vielleicht nicht ganz umsonst an den gleichnamigen Schuh, der mit seinem schwarzen Leder und der charakteristischen gelben Naht zwar farblich in eher gegenteiligen Anteilen aufwartet, dennoch aber durchaus eine gelungene Assoziation bildet, wie ich finde. Der Doctor Martens setzt auf Navy Style Rum als Basisspirituose und verwendet das Stout bzw. Porter zum Floaten des fertigen Drinks. Der britische Navy Style Rum ist ein Rumstil mit recht kräftiger und würziger Note, der in der Regel einen erhöhten Alkoholgehalt aufweist (damit auch damit getränktes Schießpulver noch immer entzündbar ist – ein in der Navy elementares Kriterium). In der Kombination mit Stout bzw. Porter klingt das zunächst einmal alles andere als sommerlich. Ist es aber dennoch:

Der Doctor Martens besticht mit sehr viel Frucht und frischen Noten, fast wie ein sommerlicher und leichter Weihnachtspunsch mit Zimt von den Plum Bitters und Zitrusspritzigkeit, dazu ganz dezente Noten reifer Pflaumen. Dann die herben und kräftigen Bitternoten des Stouts bzw. Porters mit ihren Röstaromen und den leichten Schokoladennuancen… ein tolles Gesamtbild, bei dem die Fruchtigkeit hervorragend mit dem süßen und würzigen Charakter des Rums harmoniert. Sehr, sehr aromatisch mit einem einzigartigen Geschmacksbild.

Rezept:

3 cl Navy Rum
2 cl Limettensaft
2 cl Grapefruitsaft
2 cl Zuckersirup
2 Dashes Plum Bitters (Fee Brothers stellen z.B. diese Sorte her)
5 cl Stout (oder Porter)

Zubereitung: Einfach alle Zutaten bis auf das Bier in einem Rührglas auf Eis kaltrühren. Ins vorgekühlte Glas auf frisches Eis abseihen und zuletzt mit dem Stout „floaten“.

Glas: Highball

Garnitur: Zitronenzeste

Bezugsquellen: Navy Rum findet sich im Fachhandel oder mit Glück im gut sortierten Supermarkt (ich habe Pusser’s British Navy Rum verwendet). Stout bzw. Porter erhält man ebenfalls im Fachhandel oder in britischen Lebensmittelgeschäften. Rum und Bier sind natürlich auch online zu beziehen, was wahrscheinlich für die Plum Bitters zwingend erforderlich sein wird, es sei denn, man weiß ein wirklich gut sortiertes Spezialgeschäft in seiner Nähe.

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