Pure Spirits: Lagavulin Distillers Edition

Lagavulin DE

Abseits der Cocktailwelt gibt es natürlich einige Spirituosen, die definitiv zu schade und daher ungeeignet für die Verwendung in einem Mixed Drink sind. Dazu zählen zahlreiche Puristen – sicherlich größtenteils zurecht – natürlich auch Single Malt Whiskys. Im Grunde schließe ich mich dieser Einschätzung an, wobei ich der Meinung bin, dass es durchaus Single Malts gibt, die in einem Cocktail Verwendung finden können, wobei es sich hierbei um eher preisgünstigere und „einfachere“ (sofern es das gibt) handelt.

Der hier vorgestellte Single Malt ist jedenfalls Meilen davon entfernt und sicherlich gänzlich ungeeignet, um in einem Cocktail versenkt zu werden. Es handelt sich dabei zudem um einen meiner – wenn nicht den – absoluten Lieblingsmalts: Den Lagavulin in der Distillers Edition. Die Lagavulin Destillerie liegt an der Südküste der schottischen Hebrideninsel Islay. Whiskys von Lagavulin zeichnen sich i.d.R. durch eine recht starke Rauchigkeit aus, was durch das Verwenden von Torfrauch beim Darren der Gerste herrührt. Der Lagavulin Distillers Edition reifte 16 Jahre, wobei ihn seine Nachreifung in Pedro Ximenez Sherry-Fässern besonders auszeichnet. Dabei kann nicht ganz ausgeschlossen werden, dass es von Abfüllung zu Abfüllung zu minimalen geschmacklichen Unterschieden kommt. Der Whisky auf dem Foto stammt aus einer Flasche, die im Jahr 2010 abgefüllt wurde und deren Inhalt im Jahr 1994 gebrannt wurde.

Bevor ich auf den Geschmack eingehe, muss ich jedoch warnen: viele Leute mögen rauchigen Whisky beim Erstkontakt überhaupt nicht. Für sie riecht das Ganze wie ein abgestandener Aschenbecher oder ein Stück Räucheraal vom Vortag. Das ist sicherlich auf eine Art nicht ganz von der Hand zu weisen, allerdings besteht hier das Geheimnis definitiv darin, sich trotz merkwürdiger potentieller Erstassoziationen darauf einzulassen. Dies wird auf Dauer belohnt, denn der Ersteindruck entpuppt sich – zumindest war es bei mir so – als völlig oberflächlicher Fehlschluss: Der Rauch weist komplexe Noten auf und wenn man den Whisky einige Zeit „verrochen“ hat (also lange und ausgiebig mit der Nase am leicht gefüllten Nosingglas – s. Foto – geschnuppert hat), kommen immer neue Noten und Komponenten durch, von denen man zunächst nie gedacht hätte, dass sie sich in einer solchen Spirituose verbergen. Wer dann den Whisky probiert, der wird zunächst einen fast schon betäubenden Anflug von Raucharomen schmecken, die aber dann sehr bald von ungeahnter Süße und röstigem Malz begleitet werden (man soll Whisky laut einer verbreiteten schottischen Brennmeisterweisheit ca. so viele Sekunden auf der Zunge halten und leicht im Mund hin und her fließen lassen, wie er Jahre alt ist. Erst dann wird geschluckt). Man muss sich sicherlich ein wenig an Whisky gewöhnen, wer dies aber zulässt, den erwartet eine unglaublich komplexe Geschmackswelt, in der kaum ein Whisky dem anderen gleicht. Ich kenne bislang keine Spirituosengattung, die eine solche Geschmacksvielfalt aufweist!

z.B. zu einem guten Buch ist ein kleines Gläschen Whisky (ein „Dram“, wie die Schotten sagen) der ideale Begleiter. Zumal man wirklich lange daran in kleinen Schlücken trinkt.

Tasting Notes:

Nase: Sehr starker Rauch – erinnert an Räucheraal – nach einer Weile harmonisch eingebunden in eine Olorososüße mit Ankängen von dunklen Früchten; salzig-maritim

Geschmack: rauchig-würzig mit süßer und voller Öligkeit; auch hier etwas Salz (Meerwasserassoziationen) & Fruchtigkeit (dunkle Frucht, vielleicht Pflaume), unheimlich komplex!

Abgang: trocken und sehr, sehr lang mit Rauch, süßer Nuss und etwas Salz. Der Geschmack bleibt minutenlang im Mund. Einfach super!

5 thoughts on “Pure Spirits: Lagavulin Distillers Edition

  1. Gerade Lagavulin schafft nicht erst mit der Disteller’s Edition, sondern schon bei ihrem Standard-Produkt (so man auch den 16 Year Old überhaupt derart bezeichnen möchte) die Möglichkeit einer freundlichen Begegnung mit rauchigen Whiskys auch für diejenigen, die sonst mit der Idee der Bar-B-Q-Note in einem Getränk fremdeln – und das, obwohl gerade Lagavulin bei der Frage nach der Präsenz dieses Eindrucks nicht wie die Katze um den heißen Topf gegangen ist.

  2. Dem kann ich mich vollends anschließen! Mittlerweile kann ich auch mit richtigen Rauchbomben der Marke „Teer & Benzin“ etwas anfangen, aber Lagavulin ist sicherlich der perfekte Einstieg ins rauchige Segment!

  3. Pingback: Smoking Yankee & McCarthy’s Oregon Single Malt Whiskey | Galumbi

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