Root to Fruit – Drei Aperitivos

Neulich erreichte mich ein Paket, in welchem sich drei durchaus interessante und auch vielversprechende Produktproben befanden. Dabei handelt es sich in gewisser Weise um Neuinterpretationen (aber auch Innovationen), die zwar auch für den Purgenuss in Frage kommen, wohl aber vor allem mit gezieltem Blick auf die Bar entwickelt worden sind. Herausgebracht werden Sie nämlich vom renommierten Barunternehmer Stephan Hinz. Worum es sich dabei handelt, was wir hier erwarten dürfen und einige kleine Hintergrundinformationen finden sich im Folgenden. (zugesandte Testprodukte)*

Leider konnte ich für diesen Artikel nur auf relativ kleine Miniaturflaschen zugreifen, was natürlich die Möglichkeit einer tiefergehenden Rezension etwas einschränkt. Mehrere Verkostungsgänge oder Cocktailexperimente waren entsprechend nur eingeschränkt möglich, weshalb ich mich in einigen Bereichen etwas kürzer fasse.

Zunächst wäre da der Camela Aperitivo Amaro, welcher bereits auf den ersten Blick als eine spannende Alternative im Segment klassischer, roter italienischer Bitters zu erkennen ist. Der Hersteller bewirbt diesen als „A Secret Tale of Oriental Spices, Pomegranate & Bitter Orange“, was natürlich schon auf die Kernprogrammatik verweist. Der Hersteller gibt hier als Zutaten Bitterorange, Granatapfel, Safran, Kardamom, Chili, Pfeffer, Wermutkraut und Ingwer an. Mit 19% vol. fällt er etwas schwächer aus als z.B. ein Campari.

Geschmacklich setzt der Camela durchaus spannende Akzente. Mir gefallen sehr gut die deutlichen Garantapfelnoten, die Bitterorange ist schön ausgeprägt und auch der angekündigte orientalische Einschlag ist da. Ein wenig macht sich der schwächere Alkoholgehalt bemerkbar, was aber eher ein Phänomen in der Purverkostung sein dürfte. Was ich mit dem Camela ausprobieren würde, war mir sofort klar: ein Negroni – und ich muss sagen, dass mir das Ergebnis durchaus zusagt. Man muss hier etwas aufpassen, dem Camela keinen Gin an die Seite zu stellen, der selbst zu exotisch und „orientalisch“ daherkommt, um das Ganze nicht überzustrapazieren. Ich will nicht pauschal ausschließen, dass das funktionieren könnte, aber es werden sich mit Sicherheit auch viele Fallstricke auf diesem Pfad verstecken. Mir fehlte persönlich ein wenig Bittere im Gesamtbild, hier würde ich mir noch etwas mehr wünschen.

Rezept „Oriental Negroni“:

3 cl Camela
3 cl Gin
3 cl süßer Wermut

Zubereitung: Alle Zutaten im Glas auf massives Eis geben, kurz verrühren und mit dem Öl einer Orangenzeste besprühen.

Glas: Tumbler

Garnitur: Orangenzeste

Dann wäre da noch der Ricordino „L’Essenza della Dolce Vita“. Hier haben wir es mit einem kräutrig-zitronigen Aperitif zu tun, der, nunja, eben mit Zitronen, aber auch mit Limetten, Orangenblüten, Basilikum, Rosmarin, Thymian und Angelikawurzel hergestellt worden ist. Tatsächlich hat dieser Aperitif mir in der Purverkostung am meisten zugesagt. Vielleicht lag es auch mit am schönen Wetter, zu dem der Ricordino wirklich hervorragend passt, aber vor allem ist es die gelungene würzig-frische Charakteristik, die meinem persönlichen Geschmack sehr zusagt. Klar, hier gibt es unzählige Möglichkeiten, den Ricordino auch in Drinks einzusetzen. Vor allem in Kombination mit Gin, Champagner & Co sind hier natürlich viele, viele Möglichkeiten gegeben. Ich habe mich – die Sonne lud einfach dazu ein – für eine Kombination mit Tonicwater und frischer Minze entschieden:

5 cl Ricordino und einige Minzblätter in ein Highballglas auf Eis geben, mit Tonic auffüllen, fertig.

Und zu guter Letzt bleibt der Kalyx „Elixir Vivant“. Dieser Aperitif setzt stark auf fruchtige Noten und bedient damit natürlich auch eine gegenwärtig nachgefragte Nische. In der rosanen Spirituose wurden Rosen, Hibiskus, Himbeeren, Grapefruit, Orangen, Zitronenverbenen, Wermutkraut und Veilchenwurzeln verwendet. So ganz meinen Geschmack trifft dieser Aperitif nicht, allerdings ist mir durchaus bewusst, dass ich hier nicht zum primären Zielpublikum zählen dürfte. Auch hier würde ich – ähnlich wie beim Ricordino – vor allem zu eher sommerlichen Kombinationen mit Gin oder Champagner greifen.

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir diese Produkte zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden sind, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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