J.P. Wiser’s 18 Years Old & der Canadian Blazer

Allmählich beginnt Sie damit, sich ganz sanft und leise ins Bewusstsein zu schleichen: die Vorweihnachtszeit. Zugegeben, wir haben gerade mal Anfang November und Weihnachten ist noch zwei Monate entfernt, aber dennoch beginnen erste Gespräche über das Thema, Kinder äußern zunehmend ihre Wünsche und in den Supermärkten…. Ist man thematisch bereits seit August fest im Sattel. Da liegt es doch nahe, einen weihnachtstauglichen Cocktail und einen ebenso weihnachtstauglichen Whisky näher in den Blick zu nehmen. (zugesandtes Testprodukt)*

Zugegeben, was ich in meiner Einleitung nicht erwähnt habe, ist die grassierende Erkältungssaison, die nach dem Pandemiejahr 2020 in diesem Winter besonders unschön ausfällt und die mich die vergangenen Wochen in ihren verschiedenen Facetten eingenommen hat. Aber nun ist es mal wieder an der Zeit, ein wenig Zeit der Barkultur zu widmen. Doch zuerst – wie gewohnt – ein Blick auf das Basisprodukt: Der J.P. Wiser’s 18 Years Old ist ein kanadischer Blended Whisky. Kanadische Whiskys haben hier bisher keine große Rolle gespielt, doch natürlich ist Kanada ein Land mit einer stolzen Whiskytradition, die in den USA ebenfalls einen hohen Stellenwert hat. Und J.P. Wiser‘s ist zudem der älteste, durchgehend produzierte Whisky Kanadas (seit 1857, wie das Etikett auch stolz verrät). Gebrannt wird der Whisky allerdings nicht mehr am gleichen Ort wie noch im 19. Jahrhundert (damals kaufte John Philip Wiser eine Brennerei in Prescott, Ontario). Seit den 1980er Jahren brennt man den Whisky nun in der Hiram-Walker & Sons Distillery in Windsor, ebenfalls Ontario.

Wer sich ein wenig mit Whisky im Allgemeinen und/oder mit kanadischem Whisky im Besonderen auskennt, der wird wissen, dass Altersangaben dort ebenfalls verbindlich geregelt sind. Das bedeutet also, dass im J.P. Wiser’s 18 Years Old tatsächlich kein Tropfen Whisky enthalten ist, der jünger als 18 Jahre ist. Ein stolzes Alter – und gerade für einen kanadischen Whisky umso mehr, da man dort i.d.R. eher jüngere Whiskys abfüllt und verkauft. Was ich besonders spannend an diesem Blend finde, ist der Umstand, dass sämtliche zugrundeliegenden Whiskys zu 100% auf Mais basieren – das ist ebenfalls alles andere als selbstverständlich. Gebrannt wird der Whisky zweifach auf Column Stills und reift anschließend in Fässern aus kanadischer Eiche. Abgefüllt wird er mit 40% vol. Leider wurde der Whisky gefärbt, was angesichts des Alters vermutlich eher der Einheitlichkeit dient. Dennoch wäre es schön gewesen, hier eine natürliche Farbe zu sehen. Ob kühlgefiltert wurde, ist nicht bekannt.

Tasting Notes:

Aroma: Ja, das ist ein wirklich toller Whisky für die kalte Jahreszeit! Schöne, würzige Eichentöne dominieren zunächst die Nase. Sofort finde ich reichhaltige Gewürznoten von Zimt, Muskatnuss, ein wenig Piment und ein Hauch Nelke. Die offiziellen Verkostungsnotizen sprechen zudem von Aster – hier muss ich tatsächlich passen, denn den Geruch von Aster habe ich nicht in meinem aktiven Duftgedächtnis. Wohl scheinen aber Äpfel hindurch, zudem eine Assoziation von Süße, die aber eher hintergründig bleibt. Kiefernholz und eine Idee von Herbstlaub kann ich ebenfalls finden.

Geschmack: Eine satte, würzige Karamellnote begrüßt mich, dann finde ich wieder Noten von Äpfeln, sowie ein Potpourri an Gewürzen und Kräutern. Die offiziellen Verkostungsnotizen fassen das als „Bratapfel“ zusammen – und tatsächlich kann ich mich dem sehr gut anschließen. Ein wirklich schöner Kanadier!

Abgang: lang mit Eiche und Gewürzen

In puncto Cocktail soll es heute dann mal etwas Wärmendes sein. Dafür habe ich einen Drink kreiert, der die Apfelnoten mit etwas Calvados aufgreift, dazu eine Nuance von schwerer Rotweintiefe in Form des Mancino Chinato in den Drink einbringt und schließlich alles mit Zimt abrundet. Vor einiger Zeit habe ich auf der Instagramseite Cocktailcircus eine sehr schöne Variante eines Blazers entdeckt (der klassische Blue Blazer von Jerry Thomas ist ein legendärer Drink), bei der eine türkische Kaffeekanne (ganz wichtig: mit Griff!) zum Einsatz kam. Eine tolle Idee, um einen Blazer zu kreieren, ohne mit speziellen Krügen zu hantieren. Das musste ich einfach nachmachen und habe so auch meinen „Canadian Blazer“ zubereitet.

Rezept „Canadian Blazer“:

4 cl J.P. Wiser’s 18 Years Old Canadian Whisky
2,5 cl Calvados XO
1 cl Zimtsirup
2 Barlöffel Mancino Chinato

2 cl heißes Wasser

Zubereitung: 2 cl heißes Wasser in ein vorgewärmtes Coupette-Glas geben. Nun eine türkische Kaffeekanne über ein Teelicht auf ein Stövchen stellen und erwärmen. Dann sämtliche andere Zutaten in die Kanne geben und ein wenig warten. Schließlich den Inhalt anzünden und mit einem langen Barlöffel (vorsichtig, Feuer!) etwas rühren. Nun sollten bereits Flammen aus der Teekanne emporzüngeln. Dann den Inhalt der Kanne vorsichtig in das Coupette-Glas gießen (am besten vor Publikum) und den brennenden Drink servieren. Vor dem Trinken auspusten und aufpassen, da der Glasrand zunächst recht heiß sein kann.

Glas: Coupette

Garnitur: keine

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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