Bumbu (Spiced) Rum & 100 Year Old Cigar

Ja, es gibt sie: Artikel, in die man mit einer gemischten Gefühlslage geht. Und im heutigen Fall ist das vor allem deshalb so, weil es im Vorfeld für mich kaum möglich war, nicht einiges an Echorufen mitzubekommen, die die beiden heutigen Flaschen ausgelöst haben. In einigen Rumforen werden die beiden Flaschen hochgelobt – insbesondere von Süßrumtrinkern – andere sehen sie eher kritisch und wieder andere haben regelrechte Verrisse veröffentlicht (Link in englischer Sprache). Die Rede ist vom Bumbu (Spiced) Rum. (zugesandte Testprodukte)*

Und hier sind wir direkt wohl beim eigentlichen Problem angekommen: was nämlich ist der Bumbu überhaupt? Das wirklich schöne Flaschendesign trägt leider mit einer sehr uneindeutigen Etikettierung dazu bei, eben jene Frage zu verschleiern. Zu lesen sind dort zunächst die Worte Bumbu Rum Co. In der mittig angebrachten, wirklich sehr hübsch anzusehenden Kreuzapplikation steht dann geschrieben: „Rum with natural flavors“. Wirklich klar wird dadurch sicherlich nicht jedem, dass es sich eben nicht um einen Rum, sondern um einen Spiced Rum handelt. Und das sehe ich auch als Teil des Wahrnehmungsproblems.

In einer Zeit gestiegenen Konsumentenbewusstseins – gerade im für Nachsüßungen mitunter sogar berüchtigten Rumsegment – schlägt ein derartiges Marketing natürlich gerade bei denjenigen, die sich intensiver mit der Materie beschäftigen, hohe Wellen. Leider macht es die Bumbu-Webseite nicht besser, denn dort spricht man ganz ungeniert von Rum, was man auf der Flasche selbst so nicht mehr tut. Auch der deutsche Vertrieb bezeichnet den Bumbu nicht als Rum, wohl auch im Einklang mit geltendem EU-Recht. Auch ich habe mich in den letzten Jahren immer bemüht, klar zu formulieren, wenn ein Rum gesüßt war und wer meine Artikel verfolgt hat, dem wird aufgefallen sein, dass ich mich im Zweifel immer für einen ungesüßten Vertreter aussprechen würde. Fällt der Bumbu bei mir also durch, bevor ich ihn überhaupt probiert habe? Mitnichten, denn ich werde ihn von vornherein nicht als das bezeichnen, was er ist, sondern auch als Spiced Rum bewerten. Und gegen die Kategorie der Spiced Rums habe ich überhaupt nichts einzuwenden (auch wenn ich mir eine klarere Deklaration hier auch gewünscht hätte).

Entsprechend möchte ich auch noch einmal darauf verweisen, dass ich hier niemanden für seine bisherigen Meinungen oder Veröffentlichungen zu dieser Marke angreifen will. Im Gegenteil: Ich respektiere auch extreme Meinungen wie die des sehr geschätzten Kollegen von Thefatrumpirate.com (s.o.), auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob er den Bumbu mit der gleichen Erwartung angegangen ist wie ich, oder eben doch als normalen Rum. Zudem muss man auch zugestehen, dass er eine 35% vol.-Variante verkostet hat, ich habe hingegen zwei 40% vol.-Versionen vor mir stehen habe. Doch dazu gleich mehr.

Der Firmensitz der Bumbu Rum Company befindet sich in New York, USA.  Vor mir habe ich nun zwei Varianten, den Bumbu – The Original und den Bumbu XO. Der Bumbu the Original stammt jedoch aus Barbados – zumindest wird er dort gebrannt und als gewürzter Blend zusammengestellt. Denn das Zuckerrohr für den Bumbu The Original stammt aus verschiedenen Ländern in Südamerika und der Karibik: Barbados, Bélize, Brasilien, Costa Rica, der Dominikanischen Republik, El Salvador, Guyana und Honduras. Die Lagerung erfolgt beim Bumbu The Original „bis zu“ 15 Jahre in ehemaligen Bourbon-Fässern, was natürlich eine eher vage Aussage ist. Über die Natur der Gewürze und eine wahrscheinliche Süßung erfährt man leider nichts. Und das finde ich wirklich schade – und verstehe diese Entscheidung auch nicht bei einem Spiced Rum. Hier schleicht sich ein wenig der Eindruck ein, dass man im New Yorker Hauptquartier eine Salamitaktik fährt, weil man eben doch eigentlich lieber seine Spirituose als Rum vermarkten würde, da kämen Details zu Süßungen und Gewürzbeigaben wohl nicht so gut an.

Der Bumbu XO hingegen ist „bis zu“ 18 Jahre in ehemaligen Bourbonfässern gereift und erhielt dann noch ein sechsmonatiges Finish in ehemaligen Sherryfässern. Er wird jedoch in Panama gebrannt und gereift. Und weil es das Ganze noch komplizierter macht, ist der Bumbu XO offenbar auch im Einklang mit dem nun neu geltenden EU-Recht ein richtiger Rum, denn hier steht es auch so auf der Flasche. Beide Flaschen sind mit 40% vol. abgefüllt worden. Wie dem auch sei, ich verkoste entsprechend den Bumbu The Original als Spiced Rum und den Bumbu XO als Rum

Tasting Notes „Bumbu The Original“ (Spiced Rum):

Aroma: Ok, das Aroma ist schon sehr besonders – und man merkt auch direkt, dass man hier keinen normalen Rum im Glas hat. Der Bumbu The Original riecht nach Vanille und Banane – und zwar genau genommen nach einem Fruchtzwerg mit der Geschmacksrichtung Banane. Das mag vielleicht eine komische Assoziation sein, aber es ist eben genau das, was mir sofort in den Sinn kommt (und nein, ich bin kein passionierter Konsument von Fruchtzwergen). Dahinter finden sich Karamell und minimale Gewürzanklänge. Er riecht aber sehr mild und sehr stark in Richtung Vanille und Banane. Das Aroma ist dabei nicht wirklich breit aufgestellt.

Geschmack: am Gaumen finde ich ihn tatsächlich deutlich besser als erwartet: ja, er ist süß und ja, er ist auffällig weich, aber er hat durchaus ein ansehnliches Spektrum von Vanille, Karamell, Banane, Gewürzen (allen voran Zimt und tatsächlich auch Piment), auch hier habe ich wieder leichte Assoziationen von Fruchtjoghurt und einen minimalen Einschlag von Kräutern. Der Alkohol ist mit 40% vol. nicht besonders ausdrucksstark, passt hier aber gut ins Bild, denn bei einem Spiced Rum finde ich diese Alkoholstärke durchaus von Vorteil im Vergleich zu anderen Genrevertretern.

Abgang: auch hier wieder weich, wieder mit leichter Banane, die sich zeigt (für mich der eigentliche, geheime Charakter des Spiced Rums).

Tasting Notes “Bumbu XO” (Rum):

Aroma: Ok, außer dem Namen haben die beiden Bumbus definitiv nicht viel miteinander gemeinsam. Der Bumbu XO ist erkennbar ein typischer Süßrum. Er wirkt bereits in der Nase „dunkler“, etwas satter, hat aber auch eine aufffällig ausgeprägte, süßliche Vanille, Karamell und ein wenig Eiche.

Geschmack: Ja, auch hier bestätigt sich der Verdacht: es ist ein typischer Süßrum. Nicht mehr, nicht weniger. Er kommt mit einer klaren Süße und Vanille daher, wie man es von vielen Genrevertretern kennt und erwartet. Wer sich im Raum von Zacapa, diversen Dominikanern, Ron Botucal und Co wohlfühlt, der wird auch hier sein Glück finden. Ein klein wenig Eiche, dezente Fruchtnoten und ein gewisser Orangeneinschlag sind zugegen, wirklich komplex finde ich den Bumbu XO allerdings nicht. Ich will ehrlich sein: mein Favorit ist ein solcher Rum definitiv nicht, aber ich kann ihn jedem Leser ans Herz legen, der seine Favoriten im oben genannten Rumspektrum zu verorten weiß.

Abgang: mittellang, Vanille, Süße, etwas Kaffee.

Gut, man liest sicherlich zwischen oder explizit aus den oben aufs virtuelle Papier gebrachten Zeilen heraus, dass die beiden Bumbu-Abfüllungen nicht unbedingt meine neuen Lieblinge werden. Sie sind eben jeweils Vertreter von polarisierenden Rubriken, wobei ich hier den Bumbu „The Original“ sogar noch bevorzugen würde, da ich diesen einfach als Spiced Rum betrachte. Natürlich kann man aber in Sachen Cocktails jede Menge damit anfangen.

Deshalb habe ich heute einen Drink gemixt, in welchem ein Süßrum ganz hervorragend passt (im Original wird ein Zacapa 23 empfohlen) – und habe hier schlicht beide Bumbus verwendet. Einmal, um eben einen Süßrum zu haben und andererseits, um die Bananennoten des Bumbu Spiced Rum noch mit einzubringen. Der Drink trägt den schönen Namen 100 Year Old Cigar, stammt vom von mir sehr geschätzten beta.cocktails-Autor Maksym Pazuniak und noch während ich an diesem Artikel hier gearbeitet habe, hat mein geschätzter Kollege Johann von Cocktailbart ihn jüngst auch in einem Artikel vorgestellt. Johann beschreibt ihn dort als streitbaren Cocktail, da er so intensiv aromatisch sei. Ich würde sagen, er ist ein herausragender Cocktail, gerade weil er so intensiv aromatisch ist, aber das ist natürlich Geschmackssache und Johann musste sich ja auch erst an Negronis gewöhnen, der alte Süßzahn. (Johann, ich bin nur neidisch auf das, was Du in den letzten Jahren geschafft hast! :-))

Wie dem auch sei: Ich liebe wirklich (fast) alles, was ich von Maksym Pazuniak bisher „vorgesetzt“ bekam.

Rezept „100 Year Old Cigar“ (adaptiert von Maksym Pazuniak):

3,5 cl Bumbu XO
1,5 cl Bumbu The Original (Spiced Rum)
1,5 cl Cynar
1,5 cl D.O.M. Benedictine
0,75 cl Laphroaig Quarter Cask
1 Dash Angostura Bitters

Absinth

Zubereitung: Alle Zutaten bis auf den Absinth in ein Rührglas auf Eis geben und kalt rühren. Den Absinth ins zuvor im Eisfach gefrostete Coupetteglas geben und schwenken, so dass die gesamte Innenfläche des Glases mit Absinth benetzt ist, den Rest weggießen. Dann den Inhalt des Rührglases durch einen Strainer ins mit Absinth ausgeschwenkte Coupetteglas geben.

Glas: Coupette

Garnitur: keine (eine so alte Zigarre duldet keine Nebenbuhler)

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir diese Produkte zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden sind, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

2 thoughts on “Bumbu (Spiced) Rum & 100 Year Old Cigar

  1. Schön ehrlicher und differenzierter Artikel eines – ich sag mal – komplizierten Produkts. Was die Streitbarkeit des 100 Year Old Cigar angeht: das war in dem Fall eher auf die Massenkompatibilität gemünzt – ein Crowd Pleaser wird das Teil nämlich wahrscheinlich nie. Ich liebe ihn dafür umso mehr 🙂 Aber absolut zugegeben: Vor etwa drei bis vier Jahren (als Negronis und ich noch Beef hatten) hättest du mir damit nicht kommen brauchen 😉

    • Nobody’s perfect. 😉 Aber klar, ich hab mir schon gedacht, dass Du damit auch ein Stück weit warnen wolltest, dass das nicht unbedingt ein Drink für jeden Unbedarften ist.

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