Pure Spirits: Nardini Rabarbaro & Der Hooker Cocktail

Und weiter geht es heute mit einem neuen Beitrag aus der Reihe der italienischen Bitterliköre. Allgemeines und auch Vertiefendes zum Thema Amaro und was es überhaupt mit dieser Gattungsbezeichnung auf sich hat, habe ich bereits in meinem Artikel über den Nardini Fernet abgehandelt, so dass ich heute auf eine ganz besondere und sehr reizvolle Gattung unter den Amaros eingehen kann: den Rabarbaro. (zugesandtes Testprodukt)*

Genau genommen den Nardini Rabarbaro, denn auch hier gibt es nicht etwa nur einen Hersteller, sondern gleich mehrere italienische Traditionshäuser, die sich mit der Herstellung dieses Amarotyps befassen (Zucca ist z.B. auch ein relativ bekannter Hersteller von Rabarbaro). Über das Haus Nardini habe ich ebenfalls im oben verlinkten Artikel einige Hintergrundinformationen aufs imaginäre Papier gebracht, weshalb es im Grunde auch gleich mit einer essentiellen Frage losgehen kann: Was ist eigentlich ein Rabarbaro?

Die Antwort ist im Grund relativ schlicht: es handelt sich um einen Amaro, der u.a. mit einem deutlichen Anteil von Rhabarber hergestellt worden ist. Neben anderen Zutaten wird dieser meist in Alkohol eingelegt und darf dort einige Zeit mazerieren. Schließlich wird der fertige Rabarbaro in der gewünschten Trinkstärke abgefüllt (Zucker enthält ein solcher Bitterlikör natürlich auch). Genau vorgeschriebene Mengenverhältnisse oder ein spezifisch umrissener Rahmen existieren meines Wissens nach bezüglich dieser Subkategorie nicht. Auch darf man sich vom Namen Rabarbaro nicht dazu verleiten lassen, geschmacklich an frisch geschnittenen Rhabarber oder gar eine saure Spirituose zu denken, vielmehr hinterlässt die Rhabarberwurzel einen ganz eigentümlich, erdig-fruchtigen Einschlag im Amaro, der tatsächlich sehr besonders ist und eben den typischen Charakter dieses Likörs ausmacht. Rhabarberwurzeln sind zudem ein althergebrachtes Arzneimittel, was wiederum vor dem Hintergrund der Geschichte der Amari wenig verwundert.

Für den Nardini Rabarbaro wird chinesischer Rhabarber verwendet, während mit 19% vol. abgefüllt wird. Neben natürlichem Aroma kommt auch Zuckercouleur als Färbemittel zum Einsatz.

Tasting Notes:

Nase: Ein erdiger Duft lässt ein wenig an feuchten Waldboden denken, allerdings gesellt sich eine erkennbare Süße hinzu, die an Zuckerrübensirup erinnert. Ein Bouquet aus Wurzeln und Kräutern geht über in ganz subtile Assoziationen von dunklem, geröstetem Brot.

Geschmack: Würzig und aromatisch mit einer erdig-kräutrigen Süße weiß dieser Rabarbaro mich zweifelsohne zu überzeugen. Die Bitterkeit dieses Likörs ist weniger stark ausgeprägt als bei manch anderen Amari, sie bietet aber nichtsdestotrotz eine schöne Tiefe, welche zum runden Gesamtbild beiträgt. Anklänge von Orangen scheinen hindurch.

Abgang: Würzig und mit bitter mit süßlichem Orangenanklang

Als Cocktail habe ich mich für einen Hooker entschieden. Was klingt, als sei der Drink eine Hommage an eine Prostituierte, ist in Wahrheit ein Namen zu Ehren der Blues-Legende John Lee Hooker, erdacht von Jamie Boudreau aus der Canon-Bar in Seattle. Der Hooker ist ein unglaublich komplexer und toller Cocktail, der normalerweise u.a. mit Bourbon, Averna und dunklem, belgischen Bier zubereitet wird. In meiner Abwandlung habe ich aber zu einem Rye Whiskey gegriffen, den Averna eben durch einen leicht erhöhten Anteil an Nardini Rabarbaro ersetzt und das belgische Bier gegen  ein kraftvolles Russian Imperial Stout getauscht – das wunderbare Brew Dog Cocoa Psycho. Meine Variante fällt somit ein wenig satter und mit deutlichen Schokoladen- und Röstanklängen aus – Geschmackscharakteristika, die sehr schön mit dem Nardini Rabarbaro harmonieren.

Rezept „Hooker“ (von mir leicht abgewandelte Version):

3 cl Rye Whiskey
2 cl Nardini Rabarbaro
0,5 cl Lagavulin 8 Jahre
1,25 cl Orangensaft
0,5 cl Zuckersirup
3 Dashes The Bitter Truth Bogart’s Bitters
2 Dashes The Bitter Truth Chocolate Bitters
½ Eiweiß

Brewdog Cocoa Psycho Russian Imperial Stout (oder ein anderes Imperial Stout)

Zubereitung: Alle Zutaten bis auf das Imperial Stout in einem Shaker zunächst ohne Eis einem „Dry Shake“ unterziehen. Anschließend mit Eiswürfeln kräftig schütteln und ins vorgekühlte Glas abseihen. Behutsam mit Imperial Stout aufgießen und einmal kurz vorsichtig verrühren.

Glas: Coupette

Garnitur: keine

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

 

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