Die Milch macht’s! – Der Cherry Blossom Milk Punch

Trotz intensiver Beschäftigung mit Dingen rund um die Herstellung von Cocktails, dem regelmäßigen Lesen in zeitgenössischen und historischen Barhandbüchern und dem Verfolgen diverser Onlinemagazine, Blogs etc. gibt es immer mal wieder Dinge, an die man sich noch nicht so recht herangetraut hat oder mit denen man schlicht bisher irgendwie keine Berührungspunkte hatte. Genau so etwas waren Milk Punches für mich (und vermutlich nicht nur für mich). Doch das habe ich nun geändert – und bin sehr begeistert!

Im Grunde ist ein Milk Punch eine Art historische Technik ähnlich dem Fat-Washing, bei der Milch mit Spirituosen, einer Säurequelle und diversen anderen Zutaten (orientiert an der klassischen Punch-Kategorie) vermischt wird. Die dadurch entstehenden geronnenen Flocken, sogenannte Kaseine, binden die trüben Substanzen aus Milch und zugegebenem Punch und lassen sich durch ein Filtertuch oder einen Kaffeefilter herausfiltern. Zurück bleibt ein klarer, durch diese Technik spürbar milder gewordener „Milk Punch“, dessen geschmackliche Eigenart sich doch überraschend vom ursprünglichen Punch unterscheidet, bevor dieser mit der Milch in Kontakt gekommen ist.

Der Cocktailhistoriker David Wondrich verortet den Ursprung der Milk Punches im 17. Jahrhundert, in welchem bereits die britische Schriftstellerin Aphra Behn dem Milk Punch zugesprochen haben soll. Hintergrund jener Technik der Drinkzubereitung ist wohl vor allem die Absicht, so die Schärfe des Alkohols abzumildern, was angesichts früherer Spirituosenqualitäten durchaus ein nachvollziehbarer Gedanke gewesen ist. Wie wir aus der Geschichte der Cocktails wissen (denn auch diese sind mitunter aus einer ähnlichen Idee heraus erwachsen), kann so etwas durchaus bereichernde Dinge hervorbringen.

Ein Milk Punch ist meist deutlich milder zu trinken als beispielsweise ein Old Fashioned, ein Wermutcocktail oder ein Klassiker wie der Negroni. Ich würde ihn eher mit einem Wein vergleichen, wenngleich Alkoholgehalt und Aromenprofil hier dennoch deutlich abweichen können.

Um einen Milk Punch selbst herzustellen, braucht man ein wenig mehr Geduld, wirklich schwierig ist es jedoch nicht. Auch ist es nicht notwendig, die Milch zu erwärmen, es funktioniert auch mit kalter Milch wunderbar, wenn man ein paar Dinge beachtet: Der Basisdrink ist klassischerweise ein Punch, es funktioniert aber im Grunde mit jedem säurelastigen Drink, man kann also quasi aus jedem Sour einen Milk Punch machen. Neben Spirituose und Säurequelle ist also auch eine klassische Zuckerquelle im Spiel, zudem taucht in klassischen Milk Punch-Rezepturen auch ein gewisser Anteil von Komponenten auf, die die Trinkstärke weiter herabsetzen: Wasser, Säfte, Tees oder dergleichen. Durch diese Komponente und die zusätzliche Flüssigkeit ist kein vorheriges Schütteln oder Rühren auf Eis notwendig, da dieses den Cocktail nur noch weiter verwässern würde. Vielmehr wird der fertige Milk Punch nach der Filtrierung kalt gestellt und hält sich so sogar für geraume Zeit im Kühlschrank. Beim Milk Punch darf man also mit gutem Gewissen „pre-mixen“. Hält man sich an ein Verhältnis von 4 Teilen Punch zu einem Teil Milch, hat man im Grunde auch schon alles, was man wissen muss. Achja: der Punch wird immer in die Milch gegossen, nicht umgekehrt. Aber die einzelnen Schritte lassen sich auch beim weiter untenstehenden Rezept ablesen. Da die Zubereitung sich aufgrund der Dauer des Prozesses in größeren Mengen lohnt, man schon eine gewisse Menge Milch benötigt, damit das Ausflocken gut funktioniert und zudem bei der Filtrierung auch etwas Gesamtvolumen verloren geht, habe ich mich bei den Mengenangaben etwas oberhalb der sonst üblichen Mengenangaben orientiert. Sie sind also eher als lose Verhältnisrichtlinien zu sehen, wer mehr machen möchte, greift entsprechend zum Taschenrechner oder multipliziert gekonnt aus dem Stand.

Zunächst sieht so ein Milk Punch alles andere als appetitlich aus!

Dieser Zubereitungsschritt kann ein bisschen Geduld erfordern.

Tatsächlich würde ich das Rezept, das ich heute vorstellen möchte, bedenkenlos einem Weißweintrinker vorsetzen und gespannt auf die Reaktion warten. Zwar bin ich kein ausgemachter Weinexperte und der geneigte Sommelier mag mir verzeihen, dass ich ihn in die Nähe eines eher lieblichen Weißweins rücke, aber geschmacklich fühle ich mich doch eben an einen solchen erinnert. Obwohl hier eine ganze Menge anderes – ich will nicht unbedingt sagen „mehr“ – im Glas passiert, was sich nur schwer beschreiben lässt. Man muss es ausprobieren. Der Cocktail hört auf den Namen Cherry Blossom Milk Punch.

Rezept „Cherry Blossom Milk Punch“:

8 cl Citadelle Extreme Gin N° 2 Wild Blossom
2,5 cl Faude Feine Brände Sauerkirsche
1 cl Guignolet de Dijon (alternativ Cherry Heering)
4 cl japanischer Kirschblütentee
3 cl Minze-Ingwersirup (s.u.)
3,5 cl Zitronensaft

7 bis 8 cl kalte Vollmilch (keine fettreduzierte Milch benutzen!)

Minze-Ingwersirup: Zunächst in einem Mörser Zucker mit einer in etwa gleichen Menge frischen Minzeblättern, im Verhältnis etwa einem Drittel geschälten Ingwerscheiben sowie einer mit einem Sparschäler abgenommenen Zitronenzeste mit dem Stößel bearbeiten, bis ein grünlich gefärbter Kräuterzucker entstanden ist. Anschließend mit kochend heißem Wasser im Verhältnis 1:1 in einer Pfanne vermischen und ein wenig einkochen lassen. Zuletzt fertigen Sirup durch ein Feinsieb in einen luftdicht verschließbaren Behälter füllen und kalt stellen.

Zubereitung: Zunächst alle Zutaten bis auf die Vollmilch in einem Rührglas ohne Eis (!) verrühren. Anschließend die Milch in ein weiteres Glas geben und den Inhalt des Rührglases auf die Milch gießen. Mit dem Barlöffel für ca. 30 Sekunden rühren, die Milch sollte nun bereits fein ausflocken. Das Ganze etwa 30 bis 60 Minuten stehen lassen. Dann einen Kaffeefilter auf ein Feinsieb setzen und das Milch-Cocktail-Gemisch hineingießen und die transparente Flüssigkeit, die unten heraustropft, in einem Behälter auffangen. Dieser Prozess kann nun eine Weile dauern, doch schließlich erhält man den fertigen, nun transparenten Wild Blossom Milk Punch. Diesen noch kalt stellen und das war’s.

Glas: Coupette

Garnitur: Kirschblüte (ich hatte keine) oder eingelegte Kirschen

Minze-Ingwersirup

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online.

4 thoughts on “Die Milch macht’s! – Der Cherry Blossom Milk Punch

  1. Pingback: Die Milch macht’s – The Milk of Obàtálá | Galumbi

    • Hi,

      also für 3 bis 5 Tage kannst Du es kalt sicher lagern. Länger habe ich nicht ausprobiert, aber es sollte eigentlich ohne Probleme funktionieren!

  2. Pingback: Cinema Highball | Galumbi

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