Die neuen Red Bull Organics im Test

Heute geht es ausnahmsweise mal um Dosen hier im Blog. Allerdings bin ich nicht etwa dazu übergegangen, hier nun auch eine Softdrink-Sparte aufzumachen, sondern möchte einen näheren Blick auf eine Reihe vielbeachteter Produkte werfen. Dass sie derzeit nur sehr schwer erhältlich ist, macht das Ganze umso interessanter. Die Rede ist von der neuen Organics-Serie aus dem Hause Red Bull.

Zugegeben, Red Bull ist nicht unbedingt ein Markenname, der einem im Zusammenhang gehobener Barkultur sofort in den Sinn kommt. Vielmehr gehört der Energy Drink-Riese aus Österreich bisher wohl eher in die Sparte der Breitengastronomie. Im Kontext des Alkoholgenusses vermag ein „Wodka-Energy“ wohl kaum einem an Spirituosen und Cocktailkultur Interessierten einen überbordenden Enthusiasmus abnötigen, vielmehr wird man hier eher höfliche Ablehnung und vielleicht ein mitleidiges Lächeln erhalten. Das dürfte dem Getränkekonzern aus Fuschl am See vermutlich herzlich egal sein, denn ökonomisch werden die Unmengen an Wodka-Energy-Mixturen mit den beiden roten Stieren, die geschätzt an den Wochenendabenden über die Tresen von Clubs, Bars und Diskotheken wandern, einen Profit generieren, von dem eine stilechte Cocktailbar nur träumen kann.

Dennoch ist man im Hause Red Bull natürlich nicht gänzlich blind für die Entwicklungen am Markt und hat inzwischen auch das Filler-Segment in den Blick genommen. Wurde vor einigen Jahren bereits die Red Bull-Cola als „Organics“-Produkt am Markt erfolgreich etabliert (auch wenn hier mit dem Artikel „das Cola“ geworben wird, bleibe ich persönlich bei „der“ Cola), so versucht man nun drei weitere Produkte in der „Organics-Serie“ zu vermarkten. Wohlgemerkt vorläufig nur testweise und in sehr eingeschränktem Rahmen. Die heute hier rezensierten Dosen sind in Deutschland derzeit nicht erhältlich, sondern ausschließlich im österreichischen Handel und der Gastronomie seit Ende Juni 2017. Dass ich mich glücklich schätzen darf, Testexemplare hier vorstellen zu können, liegt einzig und allein daran, dass mir ein Freund Exemplare aus Österreich mitgebracht hat.

Während die/der/das Red Bull-Cola v.a. das Ergebnis eines aufgekündigten Waffenstillstandes zwischen Red Bull und Coca Cola gewesen ist (Coca Cola brachte 2002 mit „Burn“ einen eigenen Energy Drink auf den Markt), zielen die neuen Organics-Dosen gezielt auf den Barbetrieb und Filler-Markt ab. Mit einem Tonic Water, einem Ginger Ale und einem Bitter Lemon hat man im Grunde das klassische Dreigestirn der Marke „Schweppes“ ins Programm geholt, setzt dabei aber gezielt auf ein qualitativ anspruchsvolleres Produkt. Schließlich verweist die Bezeichnung „Organics“ bereits – wie auch von der Red Bull-Cola bekannt – auf die Verwendung natürlicher Inhaltsstoffe. Und auch die unten vorgestellten geschmacklichen Unterschiede zeigen eindeutig, dass hier die Verwendung als Filler eindeutig im Vordergrund der Überlegungen stand.

Red Bull Organics Tonic Water

In der Nase als klassisches Tonic durchaus zu erkennen, macht sich zunächst v.a. eine feine Zitrusnote bemerkbar. Was dann definitiv auffällt, ist die feine, gelbliche Färbung des Tonic Waters, die ich auf Zitronensaftkonzentrat und die Chinarinde zurückführe. Um eine klare Farbfiltrierung hat man sich vermutlich auch vor dem Hintergrund des natürlichen Produktflairs nicht bemüht, für mich ein Pluspunkt. Geschmacklich bemerkt man dann sofort, dass man hier ein klares, trockenes und sehr „straight“ daherkommendes Tonic Water im Glas hat. Es hat feine Noten von Citrusfrüchten (Zitrone, Limette, Assoziationen von Blutorangen) und eine sehr ausgeprägte und schöne Bitternote. Deutlich bitterer als die meisten klassischen Tonics, allerdings nicht so bitter wie ein Dry Tonic. Das Red Bull Organics Tonic Water gefällt mir, ehrlich gesagt, sehr gut! In einem Gin & Tonic habe ich es mit einem klassischen Cotswolds Gin kombiniert und fand das Ergebnis sehr ansprechend: Klar, trocken, knackig – genau wie ich mir einen klassischen Gin & Tonic vorstelle – dazu ein kleiner Limettenschnitz: sehr schön, keine Frage!

Red Bull Organics Ginger Ale

Ein besonders intensiver Geruch ist nicht zu vernehmen, wohl aber der zu erwartende Ingwer, ein wenig Süße und etwas Zitrone. Der Ingwerduft ist allerdings deutlich ausgeprägter als bei den meisten mir bekannten Ginger Ales. Der erste Schluck hat diesen Eindruck dann auch bestätigt: „Spicy & Natural“ steht auf der Dose und das kann man tatsächlich unterstreichen. Der Ingwer ist würziger als es bei Ginger Ales gemeinhin der Fall ist. Von Schärfe will ich nicht unbedingt sprechen, aber trotzdem erinnert dieses Ginger Ale mehr als nur ein bisschen an ein Ginger Beer. Ich würde es als eine Art Grenzgänger bezeichnen und hätte wohl auch keinen Protesteinwand erhoben, wenn auf der Dose „Ginger Beer“ gestanden hätte. Es gefällt mir an sich ganz gut, ist nicht zu süß geraten und besticht neben den Ingwernoten noch mit würzigen Citrustönen (die Bergamotte ist erahnbar). Gerade weil es so starke Anleihen eines Ginger Beers hat, bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich es uneingeschränkt als Ginger Ale empfehlen kann. Ich habe es daher auch in einem Añejo Highball eingesetzt, in dem normalerweise nach einem Ginger Beer verlangt wird. Hier hat das Red Bull Organics Ginger Ale eine passable Figur abgegeben. In einem London Buck oder einem Horse’s Neck kann ich es mir aber auch durchaus gut vorstellen – auch wenn man hier ein wenig mehr Ingwer geboten bekommen dürfte als man es bei diesen Highballs vielleicht gewohnt ist.

Red Bull Organics Bitter Lemon

Die würzige Zitrone mit klaren Limettenuntertönen ist in der Nase zwar nicht überpräsent, aber deutlich vernehmbar. Geschmacklich erinnert das Red Bull Organics Bitter Lemon dann sofort an das Tonic Water der Reihe, da hier eine ähnlich stark ausgeprägte Bitternote vorliegt. Auch hier ein sehr trockenes Bitter Lemon, relativ knackig, vielleicht etwas weniger spritzig und definitiv weniger süß als andere Bitter Lemons. Man muss auch hier deshalb ein wenig umdenken, aber da mir die meisten Bitter Lemons zu süß sind, finde ich das Red Bull Bitter Lemon tatsächlich ganz ausgezeichnet. Auch hier habe ich ganz schlicht zu einem klassischen Gin gegriffen (der Vergleichbarkeit halber ebenfalls zum Cotswolds) und einen Gin (Bitter) Lemon gemixt: Trocken, knackig, zitronig und würzig. Experiment gelungen!

Wie eingangs schon erwähnt, bemerkt man, dass Red Bull hier wohl weniger an den Purgenuss als vielmehr an die Mixbarkeit der Getränkereihe gedacht hat. Tatsächlich gefallen mir die drei auch pur, doch kann ich mir gut vorstellen, dass gerade das Tonic Water und das Bitter Lemon vielen ein wenig zu trocken daherkommen. Für den Einsatz in Mixgetränken ist das jedoch in meinen Augen eher ein Pluspunkt und eine durchaus gelungene Erweiterung des Angebots an Barfillern. Man darf gespannt sein, wie sich die Reihe langfristig am Markt schlägt. Aber was die beträchtliche Marktmacht des Red Bull-Konzerns so alles zu bewegen vermag, kann man ja inzwischen sogar auch außerhalb der Getränkebranche eindrucksvoll feststellen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.