Pure Spirits: Choya Extra Years, Choya Extra Shiso & Choya Royal Honey

Die Flaschen, um die es heute geht, gehören sicherlich zu den auffälligsten Flaschen in jedem Spirituosenregal. Vermutlich hat so mancher beim Gang durch gut sortierte Supermärkte oder Fachhandlungen schon einmal davor innegehalten und sich gefragt: Was ist das eigentlich genau, diese dicken Flaschen mit den Früchten unten drin? Und was kann man damit so alles machen? Diesen und weiteren Fragen möchte ich mich heute etwas näher widmen und drei Flaschen vorstellen, die mir besonders gut gefallen, so viel kann ich schon einmal verraten! (zugesandte Testprodukte*)

Die drei Flaschen hören auf die klangvollen Namen „Choya Extra Years“, „Choya Extra Shiso“ und „Choya Royal Honey“ und enthalten allesamt Umeshu. Was das eigentlich genau ist, werde ich im weiteren Verlauf erklären (auch wenn ich in der Vergangenheit schon einmal einen Umeshu in einem Cocktail eingesetzt habe), doch zunächst soll einmal ein kurzer Blick auf die Marke geworfen werden. Choya ist ein japanisches Unternehmen, das sich hauptsächlich auf Produkte rund um die Ume-Frucht speizialisiert hat. Gegründet wurde es bereits im Jahr 1924 und produziert seit Ende der 1950er Jahre Ume-Liköre. Inzwischen hat Choya Niederlassungen auf der ganzen Welt, darunter auch eine im japanischen Viertel in Düsseldorf. Zwar bietet man auch Produkte an, die nicht auf der Ume-Frucht basieren, aber diese steht ganz eindeutig im Mittelpunkt, vor allem in Form diverser Umeshus. Ein Umeshu (梅酒) ist ein Likör, der mit der Zugabe von Ume-Aprikosen hergestellt wird. Ja, richtig gelesen, die Ume-Frucht ist entgegen der weit verbreiteten Bezeichnung als Ume-Pflaume eigentlich eine Aprikose. Das ist allerdings eher ein Detail für botanisch Begeisterte, denn auch in Japan selbst wird sie oft als Ume-Pflaume bezeichnet. In ihrer puren Form ist sie zum Verzehr nur bedingt geeignet, denn sie schmeckt überaus sauer und bitter, so dass eine mannigfaltige Tradition der Weiterverarbeitung in Japan existiert (mitunter werden sie sogar geräuchert), zu der auch Umeshu zählt. Für die Herstellung von Umeshu werden nun die noch grünen Ume-Früchte zusammen mit Zucker in Shōchū (焼酎) eingelegt und geben dort ihren charakteristischen Geschmack ab. Nun liegt natürlich die Frage nahe, was genau Shōchū ist. Im Wesentlichen handelt es sich hierbei um einen japanischen Schnaps, der aus verschiedenen Grundstoffen hergestellt werden kann, zu denen vor allem Gerste, Süßkartoffeln, Reis oder auch Zuckerrohr zählen. Bei der Herstellung von Shōchū wird die Fermentation durch einen speziellen weißen Schimmelpilz (Kōji) verursacht. Der den drei hier thematisierten Choya-Umeshus zugrundeliegende Shōchū wurde aus Zuckerrohr gewonnen, ein sogenannter kokutō shōchū (黒糖焼酎).

In Japan wurde und wird Umeshu traditionell von vielen Familien selbst hergestellt, in etwa zu vergleichen mit dem „Aufgesetzten“, den man aus Omas Küchenschrank kennt. Allerdings werden Umeshu auch gesundheitsförderliche Wirkungen nachgesagt, die mitunter auf den sehr hohen Vitamingehalt der Ume-Aprikose zurückgehen.

Nach diesem kurzen Exkurs in die Herstellungshintergründe sei zunächst noch einmal mit einem Vorurteil aufgeräumt: Umeshu ist nicht synonym mit dem häufig verwendeten Begriff „Pflaumenwein“. Zwar wird auch Umeshu immer mal wieder so bezeichnet (obwohl man es mit Likören zu tun hat), aber was gemeinhin unter dem Namen Pflaumenwein so alles anzutreffen ist, hat mit einem echten Umeshu nichts zu tun. Wer z.B. die beliebte Gratis-Flasche von der letzten Bestellung „beim Chinesen“ im Kopf hat, der liegt hier wirklich völlig daneben und würde einem guten Umeshu vollständig unrecht tun. Oftmals enthalten die billig produzierten Produkte nicht die geringste Spur von Ume-Frucht, geschweige denn überhaupt einer Frucht, sondern basieren vollständig auf zugesetzten Aromastoffen. Hier gilt also: „Augen auf, beim Umeshu-Kauf!“

Nun soll es aber um die Flaschen selber gehen, deren Unterschiede und Geschmacksprofile ich jeweils kurz vorstellen möchte. Beginnen möchte ich mit dem Choya „Extra Years“. Für den Choya Extra Years werden ausschließlich Ume-Früchte der Sorte „Nanko“ 南高梅 verwendet, die aus der historischen Kishu-Region (auch Kii-Region), heute Präfektur Wakayama stammen. Diese dürfen zwischen zwei und drei Jahren in diesem Umeshu reifen, bevor er in den Verkauf gelangt. Abgefüllt wird der Choya Extra Years mit 17% vol.

Tasting Notes:

Aroma: Süßlich und verführerisch steigt der Extra Years in die Nase auf. Noten von Datteln, Feigen, eine feine Zitrussäure, Steinobst, Honig, Pflaumen, persischer Halva und etwas subtiles Zedernholz. Keine Spur von künstlichen Aromen ist erkennbar, ein sehr angenehmer Eindruck!

Geschmack: überraschend frisch mit der Säure der Ume-Frucht, Honig, wieder Datteln und Halva, dabei ölig und süß mit einer den ganzen Mundraum auskleidenden Intensität. Ein überaus aromatischer Likör, der schwer zu vergleichen ist.

Abgang: leicht, floral, etwas Zitrusfrucht

Auf dem Choya Extra Years baut ferner auch die zweite Flasche auf, die es heute zu rezensieren gilt: Der Choya Extra Shiso. Augenscheinlichster Unterschied ist hier zunächst die rötliche Farbe. Nicht nur des Etiketts, sondern auch des Umeshus selbst. Dies liegt an der Zugabe von Shiso-Blättern. Die Basis ist mit dem Choya Extra Years identisch, doch durch die zusätzliche Mazeration der Perillablätter, die in Japan als Shiso bekannt sind, erhält dieser Umeshu nicht nur farblich eine andere Note. Hier zeigt sich auch ein wenig der hausmedizinische Hintergrund, der dem Umeshu traditionell in Japan anhaftet. Auch hier wird mit 17% vol. abgefüllt.

Tasting Notes:

Aroma: In der Nase im ersten Moment durchaus ähnlich zum Extra Years: Datteln, Honig und etwas Zitrone sind wieder da; der Pflaumen- und Steinobstcharakter tritt etwas in den Hintergrund, dafür kommen Hagebutte, gezuckerte Beeren und etwas loser Tee in den Vordergrund.

Geschmack: fruchtiger, fast ein wenig an Früchtetee erinnernde Noten, Honig, wieder Datteln, Pflaumen, Zitrusfrische mischt sich mit kräutrigen Tönen. Gefällt mir ebenfalls sehr gut!

Abgang: säuerlich-frisch mit einer ausbalancierten Honigsüße.

Zuletzt möchte ich den Fokus auf den Choya Royal Honey legen. Ein sehr interessantes Produkt, von dem ich mir im Vorfeld viel versprochen habe. Die Süße dieses Likörs stammt im Gegensatz zu den anderen beiden Ume-Likören nicht aus der Zugabe von Zucker, sondern – man erahnt es – wird vollständig durch Honig erzeugt. Allerdings ist es nicht nur allein der Honig, der hier sein Aroma beisteuern darf, nein, auch das sogenannte Gelée royale findet den Weg in diese Flasche. Gelée royale ist der Futtersaft, mit dem die Honigbienen ihre Königinnen aufziehen. Auch dieser Umeshu wird ausschließlich mit der Nanko-Ume hergestellt und mit 17% vol. abgefüllt.

Tasting Notes:

Aroma: Der Honig ist unverkennbar und sofort gegenwärtig. Er fällt intensiv in Richtung eines Lindenhonigs aus mit einer feinen Vanille. Die Säure der Umefrucht braucht hier eine kleine Weile, ist dann aber doch noch zur Stelle. Ich muss unvermittelt an Baklava denken, an stark gesüßten Tee und an Met.

Geschmack: am Gaumen ist die Säure der Ume-Frucht präsenter, vermischt sich aber mit einer reichhaltigen Honigsüße. Etwas Nuss lässt die Assoziationen von Baklava auch am Gaumen präsent werden. Ganz fein schimmert etwas Aprikose hindurch.

Abgang: etwas loser Tee, säuerliche Frische und Honig

Bezugsquellen: In gut sortierten Supermärkten, dem Fachhandel oder online.

*(Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.)

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