Pure Spirits: Booker’s Kentucky Straight Bourbon & The Manhattan Cocktail

Heute soll es um eine Flasche gehen, die mir besonders am Herzen liegt. Tatsächlich beinhaltet sie einen Kentucky Straight Bourbon, der zu den ersten zählte, mit denen ich mich ursprünglich ernsthaft auseinander gesetzt habe. Und bis heute gehört er zu meinen unangefochtenen Lieblingen: Der Booker’s Small Batch Bourbon. Was macht diesen Bourbon so besonders? Und wie sollte man ihn trinken? (zugesandtes Testprodukt*)

Der Hintergrund des Booker’s liegt tief in der Geschichte und den Lagerhäusern des Jim Beam-Konzerns verwurzelt. Frederick Booker Noe II., der Sohn von Margaret Noe, ihres Zeichens die Tochter eines gewissen James Beauregard Beam (besser bekannt als „Jim“), begann in den 1950ern für das große Familienunternehmen zu arbeiten. Als Enkel des berühmten Namensgebers stand die intrinsische Motivation hier sicherlich außer Frage. Und letztlich war er es, der eine über 200 Jahre alte Familientradition heraus aus der privaten Nische in den globalen Markt führte: Booker Noe suchte – wie es als Geschenk für Freunde und Familienangehörige Tradition war – einige Fässer aus der Mitte des Firmenlagerhauses heraus und füllte den Inhalt direkt in Flaschen. Dort soll das Temperatur-Feuchtigkeitsverhältnis derart sein, dass ein optimaler Einfluss auf die Whiskeyreifung erzielt werden kann und aromatisch das beste Ergebnis zu erwarten ist. Der Whiskey aus diesen Fässern wurde bzw. wird einfach schlicht in Flaschen gefüllt, das war’s. Weder wurde hier filtriert, noch die Trinkstärke herabgesetzt. Und eben diese Tradition wurde unter Booker Noe nun auch für den Markt geöffnet und wird seit 1992 als „Small Batch Bourbon“ unter Bookers Namen verkauft (laut Konzernangaben wurde hierdurch der heute weit geläufige und oft auch inflationär gebrauchte Begriff „Small Batch Bourbon“ überhaupt erst geprägt – eine Behauptung, die ich nicht aus dem Stegreif auf ihren Wahrheitsgehalt hin bewerten kann).

Wie man sich nun denken kann, kommt der Booker’s mit einer gehörigen Portion alkoholischer Power daher. Je nach Batch kann diese, wie bei direkten Fassabfüllungen üblich, ein wenig variieren. Mitunter kann es auch sein, dass der Alkoholgehalt des Booker’s höher als 62,5% liegt, obwohl das die gesetzlich festgelegte Höchstgrenze ist, bis zu der Bourbon zu Beginn der Reifungsphase in die Fässer gefüllt werden kann. Wenn nun aber während der Reifung mehr Wasser im Fass als Alkohol verdunstet, sind sogar höhere Stärken möglich. Die Flasche, die hier auf den Bildern zu sehen ist und auf die sich die unten stehenden Tasting Notes beziehen, wurde mit 63,85% vol. abgefüllt. Das Alter der Booker’s Bourbons beläuft sich auf zwischen sechs und acht Jahren. Wie man dem kleinen Aufkleber mit den Batchinformationen entnehmen kann, ist der Booker’s, um den es heute geht, sechs Jahre und einen Monat gereift. Die Flasche entstammt dem Batch mit der Nummer 2016-01E.

Apropos Flasche: Wie auch der Basil Hayden’s, der ja ebenfalls aus der Serie der „Small Batch Bourbons“ aus dem Hause Beam Suntory stammt, besticht auch der Booker’s mit einer wirklich sehr schön gestalteten Flasche. Das mit der Handschrift Booker Noes verzierte Etikett verleiht der Flasche einen traditionellen und handwerklichen Anstrich und die am Flaschenhals mit einem Wachssiegel applizierten Banderolen veredeln das Gesamterscheinungsbild.

Werfen nun aber einen Blick auf den Inhalt.

Tasting Notes:

Aroma: Intensive, würzige Vanille paart sich mit einer vollreifen Orange und eröffnet so mit einem Bourbongruß par excellence. Ein ausgeprägtes Eichenaroma macht sich ebenfalls sofort bemerkbar, dazu kommen Honig und Gewürze wie Zimt, Nelken und Muskat, ein wenig Kuchenteig und eine ganz feine, subtile Rauchassoziationen. Würde ich es nicht wissen, ich hätte niemals vermutet, dass hier fast 64% vol. im Glas sind.

Mit etwas Wasser mildert sich der starke Eichencharakter etwas ab, ohne aber zu verschwinden. Ein wenig dunkle Frucht kommt hervor und vermischt sich sehr schön mit der Vanille und der Orange. Nach einiger Zeit zeigt sich etwas Milchschokolade. Der Booker’s ist ein echtes, aromatisches Kleinod, hier ist wahrlich viel zu entdecken!

Geschmack: Auch wenn dieser Bourbon nicht wie 63,85% daher kommt, so kann sich der Alkohol natürlich nicht gänzlich verstecken. Es bedarf daher schon einer gewissen Gewöhnung, denn ohne Wasser zeigt sich natürlich ein gewisses Brennen auf der Zunge. Sehr viel Gewürz und starke Eiche prägen den Geschmack, die süßliche Vanille braucht hier eine Weile, bis sie sich Bahn bricht. Man sagt dem Booker’s Noten von Tabak nach; diese hätte ich zwar nicht als solche beschrieben, kann sie wohl aber finden.

Ein paar Tropfen Wasser sind für mich hier obligatorisch. Dadurch treten Vanille und Honig in den Vordergrund, ohne aber auch hier den Eichencharakter gänzlich verleugnen zu können. Schöne, intensive Gewürztöne erzeugen eine geschmacklich umwerfende Harmonie mit der süßen Seite des Booker’s. Schokolade, Schwarzkirsche und Karamell sind ebenfalls zugegen, bleiben aber stets hintergründig. Wahnsinnig komplex!

Abgang: lang, vollmundig und mit einer ganzen Ladung an Vanille, Karamell und Gewürzen – was für ein Bourbon!

Aufmerksamen Lesern meines Blogs wird aufgefallen sein, dass ich bisher einen großen Klassiker der Cocktailgeschichte noch nicht hier im Blog vorgestellt habe: Den Manhattan. Das hat einen besonderen Grund, denn tatsächlich wollte ich den Manhattan sehr gern zusammen mit dem Booker’s Bourbon hier vorstellen, da ich ihn mit diesem Whiskey am liebsten trinke. Gerade weil der Manhattan oft als die klassische Alternative zu einem Martini wahrgenommen wird (manchmal wird der Manhattan daher auch als „Queen of cocktails“ bezeichnet), steht er ein wenig unter Druck: Während ein Martini meist mit einer durchaus gehörigen Portion alkoholischer Kraft aufwartet, die hier unzweifelhaft als Aromenträger fungiert, ist das beim Manhattan nicht unbedingt der Fall. Einen eher alkoholisch schwächeren Bourbon verwende ich sehr ungern in einem Manhattan (da würde ich dann zu einem Rye greifen), da hier doch schnell ein wenig Kraft und geschmackliche Tiefe verloren gehen. Beim Booker’s passiert das hingegen nicht und umso erfreulicher ist es, dass seine Grundcharakteristik auch sonst so hervorragend mit einem schönen, aromatischen roten Wermut harmoniert (hier vertraue ich i.d.R. auf den Carpano Antica Formula). Und zum Abschluss besprühe ich den Manhattan noch mit ein wenig Öl aus einer Zitronenzeste. Wenn ich eine kriege, nehme ich sogar die Zeste einer Amalfizitrone – ich weiß, das ist schon irgendwie snobistisch, ich bitte, das zu verzeihen.

Natürlich kann man darüber streiten, ob ein Manhattan nicht besser mit Rye zubereitet werden sollte oder gar mit Canadian Whiskey. Persönlich präferiere ich tatsächlich einen Overproof Bourbon und hier eben den Booker’s. Abwechslungen und Variationen sind nichtsdestotrotz immer willkommen und gehören nun einmal dazu, insofern ist das hier natürlich keinesfalls als sklavisch zu befolgende Rezeptur zu verstehen. Ich bin kein fanatischer Apologet des Bourbon-Manhattans, auch wenn ich ihn am häufigsten wähle.

Die Entstehungsmythen rund um den Manhattan sind zahlreich und keine davon gilt als eindeutig belegt. Fest steht nur, dass er in den 1880ern erstmalig schriftlich festgehalten wurde und vermutlich im Zuge des beginnenden Imports europäischer Wermuts in der Mitte des 19. Jahrhundert in den USA entstanden ist. Damals vor allem mit Bourbon oder Rye Whiskey zubereitet, (während der Prohibition im frühen 19. Jahrhundert wurde dann verstärkt zum verfügbaren Canadian Whiskey gegriffen) wurde er zunächst zu etwa gleichen Teilen aus Whiskey und Wermut gemixt. Ob nun gerührt oder geschüttelt ist hierbei nicht festgelegt, da es zu beiden Zubereitungsarten zahlreiche Quellen gibt; es bleibt also im Endeffekt dem persönlichen Gusto überlassen (ich rühre den Manhattan). Benannt wurde der Cocktail mutmaßlich nach dem New Yorker Manhattan Club, auch wenn das ebenfalls nicht gesichert ist (die Geschichte, er sei im Dezember 1874 bei einem von der Mutter Winston Churchills zu Ehren eines US-Präsidentschaftskandidaten gegebenen Bankett in eben diesem Club erfunden worden, gilt als widerlegt. Jennie Churchill hielt sich zu dieser Zeit in Frankreich auf).

Wie dem auch immer sei, hier nun also noch das Rezept zu meinem Lieblings-Manhattan.

Mein Lieblings-Manhattan:

6 cl Booker’s Bourbon
2,5 cl Carpano Antica Formula
2 Dashes Angostura Bitters

Zubereitung: Alle Zutaten auf Eis in einem Rührglas kalt rühren und ins vorgefrostete Glas abseihen.

Glas: Martini

Garnitur: Zitronenzeste (vorzugsweise die Zeste einer Amalfizitrone)

Bezugsquellen: Der Booker’s Bourbon findet sich im Fachhandel oder online. Eine Flasche kostet ca. 60 Euro.

*(Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.)

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