Gin Julep

Gin Julep

Zugegeben, das Foto zu diesem Artikel ist im Grund eigentlich ein Stilbruch, da dieser Cocktail wie alle seine Artverwandten klassischerweise in einem Silberbecher serviert werden. Aber ich bitte einfach einmal, darüber hinwegzusehen. Der Gin Julep schmeckt im Zweifel nämlich auch aus dem Glas.

Der Grund, wieso ich ihn nicht im Silberbecher serviert habe, ist relativ schlicht: all meine Silberbecher waren zu diesem Zeitpunkt bereits in Verwendung und da ich nunmal mit der Ausstattung einer Bar nicht mithalten kann, habe ich den Gin Julep kurzerhand in einem Tumbler zubereitet. Das hat ihm geschmacklich aber wenig geschadet, auch wenn die Kälte sich so nicht ganz so optimal im Getränk halten konnte. Anlass war ohnehin ein kleines Julep-Tasting, bei dem ich mit Freunden verschiedene Spielarten des Klassikers probiert habe und dann letztlich auch nach einem Gin Julep gefragt wurde.

Der Gin Julep ist sicherlich nicht der Julep, der einem zuerst bei dieser Getränkespielart einfällt. Die nach dem arabischen Rosengetränk Julab benannte Kategorie ist zwar eine der ältesten Cocktailkategorien überhaupt, aber Gin spielt hier meist eine deutlich untergeordnete Rolle im Vergleich zu Whiskey oder auch Rum. Dabei ist der Gin Julep nicht minder aromatisch, ganz im Gegenteil! Es ist natürlich von fundamentaler Bedeutung, welchen Gin man bei einem eher puristischen Cocktail wie dem Gin Julep auswählt. Man sollte ein wenig antizipieren, wie er sich wohl zusammen mit frischen Minzaromen schlagen wird, denn die machen natürlich den besonderen Zauber dieses Cocktails aus. Der Gin sollte also weder im krassen Konflikt zur Minze stehen, noch sollte er so hintergründig bleiben, dass er ihr gegenüber verblasst. Harmonie ist gefragt und die ist oft nicht leicht herzustellen. Meine Wahl fiel letztendlich auf einen guten Hendrick’s Gin, vielleicht auch deshalb, weil die Infusion mit Rosen irgendwie zum Ursprung des Juleps zu passen schien und auch die frischen Gurkentöne hervorragend zusammen mit der Minze harmonieren. Viel falsch machen kann man bei Hendrick’s meistens ohnehin nicht. Auch wenn Jerry Thomas 1862 noch keinen Hendrick’s Gin hatte, auf den er bei der Zubereitung eines Gin Juleps zurückgreifen konnte.

Rezept:

6 cl Gin
1 Barlöffel Zuckersirup
14-18 Minzblätter

Zubereitung: Die Minze zunächst zwischen den Handflächen einmal „anklatschen“ (das setzt die duftenden Öle der Minzblätter frei) und anschließend mit den restlichen Zutaten ins vorgekühlte Glas oder einen Silberbecher geben. Bei gelegentlichem Umrühren sollte das Ganze nun etwa 5 Minuten ziehen. Um die Minzaromen noch etwas zu verstärken, empfiehlt es sich, wenn man sie währenddessen ab und an vorsichtig mit dem Barlöffel andrückt. Nun soll eigentlich die Minze herausgenommen werden (ich lasse sie gerne drin, weil ich finde, dass es den Drink nicht „verbittert“, wie manche meinen, sondern die Minznote noch etwas verstärkt; ist aber sicherlich Geschmackssache) und das Glas bzw. der Becher mit gestoßenem Eis aufgefüllt und gerührt werden. Wenn Glas oder Becher vor Kälte beschlagen, ist der Drink quasi fertig. Noch etwas gestoßenes Eis darauf und mit Minze garnieren. Wenn man ihn nun zum Mund führt, strömt der Duft der Minzblätter bereits in die Nase und man erfreut sich schon vor dem ersten Schluck.

Glas: Silberbecher (im Notfall auch mal ein Tumbler)

Garnitur: Minzzweig

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder in gut sortierten Supermärkten. Oder natürlich online (je nach gewünschtem Gin)

3 thoughts on “Gin Julep

  1. Da kommt man aus dem Urlaub zurück und guckt auf der Seite seines Lieblingsbloggers voller Vorfreude auf den Gin Julep – im Tumbler. Endlich, so denkt man sich, keine physikalisch falsche Aussage darüber, dass der Silberbecher den Drink kälter macht, yeah. Und dann wird es einem im Nebensatz wieder um die Ohren gehauen. Hat das stetige Nachgeplapper selbst ausgewiesener Cocktail- und Spirituosenexperten tatsächlich auch Sepo Galumbi eingelullt? Es steht zu befürchten.

    Ich finde deinen Blog so großartig, die Rezepte sind eine gute Mischung aus Klassikern und innovativen Neukreationen, die Bilder herausragend und die um sich greifenden Dogmen der Cocktailwelt scheinen hier glücklicherweise noch nicht die Oberhand gewonnen zu haben. Dazu noch Biervorstellungen und eine erfrischende Regelmäßigkeit an Beiträgen.

    Daher ohne Sarkasmus oder Rumgetrolle: Der Silberbecher macht das Getränk nicht kälter. Für die Kälteleistung ist nur und ausschließlich das Eis zuständig. Ganz im Gegenteil, die höhere Wärmeleitfähigkeit des Silbers sorgt eher dafür, dass sich der Cocktail schneller erwärmt, da die Wärme der Umgebung schneller an die Flüssigkeit abgegeben werden kann.

    Es hat sich in den Köpfen festgesetzt, dass durch die höhere Wärmeleitfähigkeit das Gefäß selbst eine Art Abkühlung des Cocktails gewährleisten kann. Tatsächlich gibt das Eis seine „Kälte“ zunächst an die Flüssigkeit ab und nur zu einem verschwindend geringen Teil an die Gefäßwand (die daher nicht kälter sein kann).
    Die Eis-Flüssigkeitsmischung wiederum überträgt die „Kälte“ auf das Gefäß, wodurch letzteres abgekühlt und erstere erwärmt wird. Je höher die Wärmeleitfähigkeit, desto schneller wird der Drink warm, ein perfekt isolierter Behälter würde demzufolge den Cocktail am längsten und besten kühl halten.

    Ich weiß leider nicht, wer dieses Gerücht des kalten Silberbechers zu erst in die Welt gesetzt hat aber er hat der Cocktailwelt einen wahren Bärendienst erwiesen, denn seit dem taucht es in beunruhigender Regelmäßigkeit in Artikeln auf.

    • Chapeau, Edgar! Und vielen Dank für Deinen kritischen Kommentar, den ich durchaus zu schätzen weiß. Mir sind natürlich auch nicht die Komplimente entgangen, darüber freue ich mich natürlich ebenfalls. Tatsächlich muss ich gestehen, dass ich die Sache mit dem kühlenden und Kälte länger speichernden Silberbecher nicht durch eigene empirische Erhebungen herausgefunden habe (was ja scheinbar auch gar nicht funktionieren würde). Insofern hast Du recht, dass ich hier einer kursierenden „Lehrmeinung“ aufsitze. Ich werde das entsprechend in Zukunft berücksichtigen, danke für Deine profunde Aufklärung!

      Gehe ich also richtig in der Annahme, dass der Silberbecher somit letztlich also nur eine Art Relikt ist, den man dann quasi lediglich aus Stilgründen noch verwenden kann / sollte / darf?

  2. So ein schimmernder Julep-Becher macht natürlich einiges her. Auch ich besitze zwei Stück, die ich ebenfalls für (Mint) Juleps verwende. Was der eigentliche Grund für die Verwendung dieser Becher ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Ich denke, dass zum einen das Aussehen eine Rolle gespielt hat. Gerade die Wärmeleitfähigkeit sorgt ja dafür, dass sich an der Außenseite schöner Reif bildet (was theoretisch auch wieder einen Einfluss auf Leitfähigkeit haben dürfte). Zum anderen waren Trinkgläser lange Zeit ein exklusives Gut. Durch die industrielle Revolution wurde das Glasgefäß letztlich zur Massenware aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die Erfindung des Mint Juleps zeitlich vor der eigentlichen Massenfertigung von Gläsern (Ende 19., Anfang 20. Jahrhundert) stattfand und deshalb Becher aus Zinn oder auch Silber weit verbreitet waren und sich dies aus stilistischen und historischen Gründen bis in die jetzige Zeit gezogen hat (In der Mixology-Ausgabe 5/2015 wird die mögliche zeitliche Einordnung aufgezeigt; man bezieht sich auf die Untersuchungen David Wondrichs).

    Letztlich spricht mMn überhaupt nichts gegen die Verwendung von Julep Bechern. Optisch sind sie top und werden deshalb sicher auch noch heute verwendet. Die Unterschiede in der Temperatur sollten vernachlässigbar klein sein (vll überprüfe ich es bei Gelegenheit mal) und sich zudem nicht auf den Geschmack auswirken. Einzig störend empfinde ich es, wenn dann in o. a. Mixology-Ausgabe steht, dass Silber „die höchste thermische Leitfähigkeit aller Metalle“ besitzt und „diese Eigenschaft bewirkt, dass ein in einem solchen Gefäß servierter Drink überdurchschnittlich kalt werden kann“. Das ist halt wirklich Unfug und trifft nur dann zu, wenn der Julep im Silberbecher (ohne Eis!) in einem extrem kalten Raum steht und die „Kälte“ des Raumes für die Kühlleistung zuständig ist und gleichzeitig noch die zeitliche Entwicklung betrachtet wird. Ansonsten geht die Kühlleistung immer vom Eis aus und nicht von der Gefäßwand.

    Und wenn man dann sogar noch in Betracht zieht, dass die jeweiligen Gefäße oftmals vorgekühlt werden, muss zusätzlich die Wärmekapazität betrachtet werden, die bei Silber geringer ist, als bei Glas. Da sich die spezifische Wärmekapazität logischerweise auf das Gewicht bezieht und ein versilberter Becher zudem deutlich weniger Masse besitzt, als ein entsprechender Tumbler aus Glas, ist auch in diesem Fall der Silberbecher benachteiligt, wenn man ausschließlich die erzielte Kühlleistung betrachtet. Und wenn man dann noch bedenkt, dass die meisten Julep Becher wohl eh nur versilbert sind…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *